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Königshöfer Messegeschichten

Sternstunden der Tauber-Franken-Halle

Persönliche Erinnerungen an die ersten Jahre

Von 
Berthold Schäffner
Lesedauer: 
Die Tauber-Franken-Halle im Rohbau. © Sammlung GHK Königshofen

Lauda-Königshofen. Vor 55 Jahren, am 23. September 1967, wurde die Tauber-Franken-Halle offiziell eingeweiht, nachdem der Gemeinderat schon 1964 den Baubeschluss gefasst hat. Das Projekt war nicht unumstritten, denn es gab noch andere kostspielige städtische und wichtigere Aufgaben zu lösen.

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Am Tag der Einweihung herrschte große Freude unter den 3300 Besuchern. Die Halle galt als Jahrhundertwerk und fasste mehr Menschen als Königshofen Einwohner hatte. Zitat: „Ein Denkmal für den Aufbruchwillen unserer Zeit“.

Den umbauten Raum kann man mit 22 zweigeschossigen Wohnhäusern vergleichen. Weder Lauda noch Tauberbischofsheim besaßen eine solche Halle. Selbstbewusstsein und Stolz waren bei den Königshöfern sichtbar.

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Früher standen dort zugige Zelte, und Frauen mit modischen Stöckelschuhen versanken manchmal knöcheltief im aufgeweichten und schmierigen Boden.

Große Stars zu Gast

Eduard Walter, dem ersten Pächter und Messewirt von 1968 bis 1973, ist es zu verdanken, dass große Stars nach Königshofen kamen, die man nur vom Schwarz-Weiß-Bild des Fernsehapparats kannte und nun persönlich sehen und erleben konnte.

Joy Fleming begann 1969 ihre Karriere mit „Joy an the Hitkids“, Heino war da und übernachtete im Wohnmobil hinter der Halle, Franzl Lang jodelte zum Messefrühschoppen 1971. Es folgten Roberto Blanco, Peggy March, Chris Roberts, Bata Illic, Cindy und Bert, Fischer-Chöre, Medium-Terzett, „Euer Heino“ (Gästebuch-Eintrag), die Flippers, Starlights und Oberkrainer.

Calypso-Musik, explosiven Rhythmus, karibische Lebensfreude bot 1972 die „Trinidad Oil Company Steelband“. Das Orchester Max Greger (25 000 Mark Gage für zwei Stunden) spielte fetzig und mitreißend. Interessanterweise übernachteten die Musiker in Bad Mergentheim im „Victoria“, Max Greger selbst im „Lamm“ im ruhigen, verkehrsarmen Marbach.

Begeistert waren 3000 Besucher von Udo Jürgens Auftritt. Eintrittskarten konnte man damals nur direkt an der Abendkasse erwerben. Die Kassierer zählten noch am gleichen Abend hinter der Bühne einen hohen fünfstelligen Geldbetrag, in kleinen Säckchen abgefüllt. Speisespezialität des Abends: Hirschbraten mit Knödel.

Tony Marschall besuchte wiederholt Königshofen, wo seine Karriere begann. Er hat hier bis heute Bekannte und Freunde. Vor einigen Jahren fuhr er zufällig durch Königshofen, erkannte die Halle wieder und legte prompt einen Stopp ein.

Als die „Lords“ anfangs der 70er Jahre auftraten, mussten sowohl die Bühne als auch die Garderobe, von weiblichen Fans gestürmt, bewacht werden.

Im September 1972 traten auf der Mess’ die „Sweethearts“ auf, eine Oben-ohne-Mädchenband aus Kopenhagen. Schon im Vorfeld gingen die Wogen hoch, und in Leserbriefen fanden sich verschiedenartige Meinungen. Am Abend selbst gab es eine Bombendrohung, zehn Kripobeamte (zivil und bewaffnet) patrouillierten in der vollen Halle. Weil viele Soldaten gleichzeitig das Ende ihrer Wehrpflichtzeit zünftig feierten, herrschte ausgelassene Stimmung – einschließlich einer Schlägerei.

Ein Maß Bier der Brauereien Zipf und Herbsthäuser kostete 1972 nur 2,80 Mark, das Viertele Königshöfer Turmberg Silvaner 2,80 Mark, ein Königshöfer Bocksbeutel 12 Mark, eine Flasche Original russischer Krimsekt 40 Mark. Ein Paar Bratwürste mit Kraut und Brot gab es für 3,50 Mark.

Herausragende Sportereignisse

Die Tauber-Franken-Halle machte sich auch einen Namen dadurch, dass viele herausragende Sportereignisse stattfanden. Einmal spielte die russische Nationalmannschaft im Handball gegen eine Auswahl aus dem Taubertal, und einige Spieler der deutschen Fußball-WM-Elf von 1954 kickte 1973 unter Kapitän und Idol Fritz Walter.

„Holiday on Ice“ gastierte mit den Eislaufstars Hans-Jürgen Bäumler und Marika Kilius, wobei der vereiste Hallenboden beim Auftauen sehr beschädigt zurückblieb.

Dank Eduard Walter, dem umtriebigen Pächter, fuhren Sonderzüge („Der fidele Sonntagsbummler“) mit anfangs 600, später über 1100 Reisenden nach Königshofen. Vom Bahnhof unter Vorantritt der Trachtenkapelle abgeholt, gab es erst mal Mittagessen (6,50 Mark), dann einen bunten Nachmittag in der Halle und als Abschiedsgeschenk für jeden einen kleinen Bocksbeutel. 1971 und 1972 fand in der Tauber-Franken-Halle ein „Badisch-Fränkischer Weihnachtsmarkt“ statt.

Ein politisches Ereignis war besonders aufregend. Willy Brandt, Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger, absolvierte hier am 10. März 1972 eine Wahlkampfveranstaltung. Von einigen der 5000 Zuhörer waren lautstarker Protest und Pfiffe zu hören. Der „Spiegel“ schrieb: „Der Kanzler, sonst so abgeklärt, entschloss sich zum Kampf. Gereizt von den Buh-Rufen in der Tauber-Franken-Halle des badischen Königshofen, gab Willy Brandt die staatsmännische Reserve auf.“ Im Gästebuch hinterließ er ein schlichtes „Willy Brandt“ – ohne Datum und ohne weitere Anmerkung. Einen Monat später lautete das Landtagswahlergebnis für Lauda-Königshofen: CDU 71,1 Prozent, SPD 25,8 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 80,2 Prozent.

Die Ära des Hallenpächters Eduard Walter (sen.) ist längst beendet. Aber Sohn Eduard (jun.), der in der Tauber-Franken-Hale schon als Jungkoch tätig war, tritt auch dieses Jahr zur Messezeit in „Edu’s Hofzelt“ im Forellenweg in die Fußstapfen seines Vaters und serviert beispielsweise fränkische Bratwurst oder Schweinsbäckle.

Thema : Königshöfer Messe

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