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Würzburger Mozartfest - Beifallsstürme für Amsterdam Sinfonietta und den 21-jährigen Daniel Lozakovich an der Geige

Sternstunde einer hohen Interpretationskunst

Von 
Klaus Linsenmeyer
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Enthusiastischen Beifall ernteten die Amsterdam Sinfonietta unter der Leitung von Candida Thompson und der erst 21-jährige Geiger Daniel Lozakovich im Kaisersaal der Würzburger Residenz. © Seufert

In der Würzburger Residenz erlebte das Publikum anlässlich des Mozartfestes eine Art Bilderbuch-Musik, die übliches Musizieren weit in den Schatten gestellt hatte. Die Amster-dam Sinfonietta mit Candida Thompson an der Violine und Leitung, sowie der gerade mal 21-jährige Geiger Daniel Lozakovich führten in einer beglückenden Auswahl von Kompositionen zu einer Sternstunde hoher Interpretationskunst, die Musik bis in ihre kleinsten Verästelungen durchleuchtet hatte.

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Jeden Ton auskostend

Pietro Antonio Locatellis Concerto grosso Es-Dur op.7/6 gibt sich als eine gediegene Barockkomposition mit charakteristisch unterschiedlichen Sätzen. Das Orchester kostete die Affekte des Barock in vollen Zügen aus, handelt es sich hier doch um eine instrumentale Opernszene mit Stimmungswechseln, deren anfeuernder Gestus festlich zum Tragen kam.

Ein schönes, warmherziges Ausdruckspotenzial markierte die Wiedergabe der Méditation aus Souvenir d’un lieu cher op.42, des Valse-Scherzo für Violine und Orchester op.34 und der Mélodie aus op.42 von Peter Tschaikowski, die Daniel Lozakovich mit beinahe jugendlich unschuldigem Klangempfinden solistisch auf der Geige lupenrein dargeboten hatte. Eine solche Redlichkeit und fein empfundene Gestaltungsweise machte sich zuvor ausgiebig in Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert Nr.5 A-Dur KV 219 breit. Aus Lozakovichs Musizierhaltung sprach eine unbedingte Liebe zu jeder einzelnen Note, weder aufgesetzt willkürlich noch sentimental überladend.

Hochsensibler Vortrag

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Die Freude an der Musik teilte der junge Geiger unmittelbar mit. Sein hochsensibler Vortrag war geprägt von faszinierender Leichtigkeit, deutlich konturiert und sprechend. Dank seiner lebendigen, vor allem geschliffenen Tonbildung und einem sehr nuancierten Ausdruck wurde der Violinsolist der Tonsprache Mozarts vollkommen gerecht.

Darin stand ihm die nicht minder vital, schwungvoll und elegant agierende Sinfonietta Amsterdam im beredtem Dialog zwischen Solist und Orchester gleichwertig zur Seite.

Was Mozart in einem Brief an seinen Vater schreibt über einen Geiger des Mannheimer Orchesters, kann man unterstreichen: „Er gefällt mir sehr; Sie wissen, dass ich kein großer Liebhaber von Schwierigkeiten bin. Er spielt schwer, aber man kennt nicht, dass es schwer ist; man glaubt, man kann es gleich nachmachen. Und das ist das Wahre, er hat auch einen sehr schönen runden Ton. Es fehlt keine Note, man hört alles, es ist alles marquiert.“ Der Vergleich trifft auch auf Lozakovich zu. Dass dem Solisten eine blitzsaubere Intonation gelang, dass er einen ideal leichten, schwerelosen Mozartton fand, hebt ihn von einem Großteil der Geiger heraus. Wie er ariose Linien formte, Höhepunkte und Akzente organisch eingebunden hat, bildete im Zusammenwirken mit dem Orchester eine faszinierende Einheit. Da gab es filigrane Dialoge mit Holzbläsern, ein kraftvolles Miteinander mit den Streichern.

Zum Abschluss kam Luigi Boccherinis Sinfonie d-Moll op.12/4 „La casa del diavolo“ zur Ausführung. Stürmisch und drängend interpretierte das fabelhaft homogen musizierende Orchester diese prachtvolle Musik, verbreitete eine ausgelassene Stimmung, wobei die Dramatik insbesondere des letzten Satzes erheblich zum Tragen kam. Enthusiastischer Beifall für die Musiker.

Es schloss sich ein Staatsempfang mit Ministerin für Digitales Judith Gerlach im Gartensaal der Residenz an.

Freier Autor

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