Gemeinderat

Bauwerk 4 Architekten + Ingenieure sollen das Seubert-Areal neu gestalten

Gremium erteilte in geheimer Abstimmung der Variante mit Abriss des vorderen Gebäudes Zustimmung

Von 
Matthias Ernst
Lesedauer: 
Das ehemalige Seubert-Areal wird nun von der Stadt verkauft. Entstehen soll in dem Hochhaus Wohnbebauung. Das vorgelagerte Gebäude soll durch einen Neubau ersetzt werden. © Matthias Ernst

Grünsfeld. Seit der Aufgabe des Möbelhaus Seubert in der Leuchtenbergstraße im Jahr 2014 bemüht sich die Stadt Grünsfeld um eine Nachnutzung. Für die knapp 6700 Quadratmeter große Fläche, die nun entwickelt werden soll, gibt es zwei Interessenten (wir berichteten bereits ausführlich). Beide wollen mit ähnlichen Entwürfen eine Nachnutzung der Gebäude sicherstellen.

Blick in die Projekt-Geschichte

Das frühere Werkstattgebäude ist mittlerweile von der Stadt abgerissen worden, so dass nur das ehemalige Verwaltungsgebäude und der ehemalige Ausstellungsraum übrig blieben. Doch bevor beiden Investoren die Möglichkeit gegeben wurde, ihr Projekt vorzustellen, nutzte Bürgermeister Joachim Markert die Chance, in der Gemeinderatssitzung in der Stadthalle nochmals auf die Historie einzugehen und zu erläutern, wie man zum jetzigen Entscheidungsprozess gekommen war.

Die Stadt hatte neben dem ehemaligen Gelände des Möbelhauses auch die beiden Nachbargrundstücke als Gewerbeflächen im Jahr 2018 im Rahmen der Stadtsanierung IV erwerben können. So wurde eine große Fläche geschaffen, mit über 14 000 Quadratmetern. Für den Ankauf hatte man damals vom Land eine Förderung von 60 Prozent erhalten. Im Jahr 2020 gab es zusammen mit der Kommunalentwicklung ein Investorenauswahlverfahren.

Mehr zum Thema

Kommunalpolitik

Zwei ähnliche Konzepte für ein neues Wohnquartier

Veröffentlicht
Von
Diana Seufert
Mehr erfahren
Gemeinderat

Buchen: Von der Mühle zum Therapiezentrum mit Öko-Landwirtschaft

Veröffentlicht
Von
Martin Bernhard
Mehr erfahren

Leider habe sich daraufhin kein Investor beworben, so dass nochmals zwei Jahre vergingen, bis zum heutigen Beschluss des Gemeinderates. „Der Bedarf auf dem Wohnungsmarkt in Grünsfeld ist groß“, argumentierte der Bürgermeister, um die Neuausrichtung als Wohnbebauung zu begründen. Mit dem Erhalt der Mehrzahl der Gebäude auf dem Grundstück des Möbelhauses ergebe sich die Möglichkeit für „verdichtetes Bauen“. Beide Investoren würden 20 bis 22 Wohnungen schaffen, zudem noch weitere Gewerbeflächen für eine Zahnarztpraxis, ein Café, ein Fitnessstudio oder Hilfsdienste, nahm er Punkte der Vorstellung zurück. Der erste Schritt sei der Verkauf von 6671 Quadratmetern an einen Investor, die restlichen Grundstücksflächen will die Stadt selbst zur Wohnbebauung vermarkten.

Die beiden Varianten

In einem 15-minütigen Vortrag stellte zuerst die Projektgesellschaft Seubert Areal mbH, Lothar Derr ihr Projekt vor. Gemeinderat Derr und sein Partner Frieder Ehrmann planen 22 neue Wohnungen und wollen beide Gebäudeteile erhalten. Alle Wohnungen sollen einen Balkon haben. Zudem sei ein Gemeinschaftsraum vorgesehen, der vor allem zur Begegnung genutzt werden könnte, und ein Fitnessstudio. So eine Kombination gebe es in Grünsfeld noch nicht, meinte Derr. „Ich glaube, man kann daraus etwas entwickeln, wovon die Stadt Grünsfeld etwas hat“. Er und Ehrmann wollten allerdings noch Zugeständnisse von der Stadt für weitere Sanierungen auf dem zu kaufenden Gelände.

Die wollte der andere Investor, die Bauwerk 4 architekten + Ingenieure nicht. Er würde das Grundstück so kaufen, wie es derzeit daliegt. Gerhard Pfundt und Marcel Michl erläuterten ihre Pläne für das Gelände. Sie wollen das vordere Gebäude abreißen, da die Bausubstanz nicht gut sei. Hier soll eine Freifläche entstehen, die auch von dem Nachbargebäude, das neu errichtet werden wird, genutzt werden kann. Auf dem Gelände sollen dann eine Zahnarztpraxis, ein Café und eine Tagespflege neben der Wohnbebauung im Hochhaus entstehen.

Beide Investoren könnten in zwei Jahren fertig mit ihrem Projekt sein. Dem Gemeinderat war es nämlich wichtig, dass es nun zügig vorangeht. Bevor es zur Abstimmung kam, machte Viola von Brunn deutlich, dass zumindest eine Rückkaufklausel in den Vertrag mit aufgenommen werden sollte. Dies sei Standard, erwiderte Bürgermeister Markert.

Dann wurde über beide Verkäufe geheim abgestimmt, nachdem Jürgen Hofmann dies beantragt hatte.

Eindeutiges Votum

Dabei zeigte sich, dass das Projekt von Lothar Derr keine Chance hatte. Nur zwei Gemeinderäte stimmten für seinen Vorschlag, elf dagegen, bei einer Enthaltung. Für das Projekt von Architekt Gerhard Pfundt stimmten zehn Gemeinderäte, drei dagegen und es gab wieder eine Enthaltung. Damit wird das Gelände an Architekt Pfundt und seine Investorengruppe verkauft.