Kommunalpolitik

Zwei ähnliche Konzepte für ein neues Wohnquartier

Gemeinderat Grünsfeld entscheidet am Dienstag über die Zukunft der Gewerbebrache „Seubert-Areal“

Von 
Diana Seufert
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Noch liegt die Gewerbebrache des ehemaligen Möbelhauses Seubert in Grünsfeld im Dornröschenschlaf. Zwei Investoren wollen das fünfstöckige Ausstellungsgebäude zu Wohnraum umnutzen, während zumindest bei einem Konzept der linke Bau weichen muss. © Diana Seufert

Wie geht es mit dem Seubert-Areal in Grünsfeld weiter? Dem Gemeinderat liegen zwei Konzepte vor, über die bei der Sitzung an diesem Dienstag entschieden wird.

Grünfeld. Ein ganzes Quartier zum Wohnen und Arbeiten kann dort entstehen, wo es viele Jahrzehnte lang Schönes für das eigene Zuhause gab: Das Areal des ehemaligen Möbelhauses Seubert soll einer Nachnutzung zugeführt werden. Wie die in Sachen Wohnraumgewinnung aussehen könnte, darüber haben sich einige Investoren Gedanken gemacht. Dass der Wohnungsmarkt in Grünsfeld dieses neue Angebot gut vertragen kann, davon sind Bürgermeister Joachim Markert und Hauptamtsleiter Jürgen Umminger überzeugt. „Wir brauchen schnell Wohnraum für Paare und junge Familien, aber auch für Einzelpersonen“, so Markert.

Die letztendliche Entscheidung, wer den Zuschlag erhält, fällt der Gemeinderat. Denn die Stadt hat das rund 14 000 Quadratmeter große Gelände 2018 von Otto Seubert erworben. Bei der Sitzung am Dienstag, 15. November, um 19 Uhr in der Stadthalle soll nun ein Knopf an die Sache gemacht werden.

Unwesentliche Unterschiede

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Von
Martin Bernhard
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„Auf dem Tisch liegen zwei Konzepte, die sich städtebaulich nur unwesentlich unterscheiden“, sagt Bürgermeister Joachim Markert. Neben einem erfahrenen Investor, der schon mehrfach solche Projekte realisiert hat, hat sich auch ein „Neuling“ in der Branche gemeldet. Bei beiden soll das fünfstöckige Ausstellungsgebäude in der Substanz erhalten und zu Wohnzwecken umgebaut werden. Über dieses „verdichtete Bauen“, das der Stadt von den Behörden immer wieder ins Stammbuch geschrieben wird, ist der Verwaltungschef auch sehr froh – gerade in den aktuellen Zeiten, in denen von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung die Rede ist. Zumal ein Abriss, den die Stadt schon einmal in Erwägung gezogen hatte, sehr teuer käme. „Das Gebäude ist auf mehreren tiefen Pfählen gegründet.“

Geplant ist von beiden Investoren, die ehemalige Ausstellungsfläche umzugestalten. Entstehen sollen rund 20 Wohnungen, die alle einen Balkon erhalten. Das lassen Statik und Bausubstanz zu. Markert findet, dass das Gebäude tolle Voraussetzungen bietet. Durch den Aufzug ist auch eine Barrierefreiheit gesichert. Weitere Gemeinsamkeiten: Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und ausreichend Stellplätze für die künftigen Bewohner, aber auch Besucher des gegenüberliegenden Pflegeheims St. Barbara.

Während aber der eine Investor den vorderen Querbau zur Leuchtenbergstraße hin abreißen will und stattdessen ein weiteres Gebäude geplant hat, stehen beim anderen Investor der Erhalt auf der Agenda sowie der Bau eines Blockheizkraftwerks zur Versorgung der künftigen Bewohner.

Beide planen zudem Räume für Gewerbe, etwa für Büros, Tagespflege oder auch Praxisräume. Der örtliche Zahnarzt erwäge die Vergrößerung seiner Praxis, erklärt Markert. Und auch die Johanniter Unfallhilfe, die derzeit in der alten Post ihr Domizil hat, benötige mehr Platz. Beide kann sich der Bürgermeister auf dem Seubert-Areal vorstellen.

Zwischen zehn und zwölf Millionen Euro sollen jeweils investiert werden, um die Gewerbebrache wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Der Startschuss könnte im nächsten Frühjahr fallen. „Otto Seubert hätte die Idee sicherlich gefallen, dass auf seinem Grundstück etwas Nachhaltiges für die Bürger entsteht“, ist Markert überzeugt.

Zur Vorgeschichte: Bereits 2018 hatte der Gemeinderat beschlossen, das Gelände zu erwerben. Im Rahmen der Stadtsanierung, die um „Gewerbebrachen“ erweitert worden war, sollte es an die Umsetzung einer Nachnutzung gehen. „Der Zwischenerwerb wurde vom Land gefördert“, erläutert Markert. In einem Workshop gemeinsam mit der betreuenden Kommunalentwicklung Baden-Württemberg wurden im Sommer 2020 Auswahlkriterien festgezurrt, an die sich Investoren zu halten hatten. Zu je 40 Prozent zählen städtebaulich-architektonisches Gestaltungskonzept sowie Nutzungskonzept und Vermarktung, die restlichen 20 Prozent entfallen auf das Realisierungskonzept.

„Uns war damals schon wichtig, dass wir keinem Investor den Zuschlag geben, der uns eine Baubrache hinterlässt“, macht der Bürgermeister diesen Schritt deutlich. Bodengutachten und Schadstoffgutachten wurden ebenfalls erstellt, wie Hauptamtsleiter Umminger erklärt. Von einem Investorenwettbewerb hatte man sich einiges versprochen, doch außer interessierten Nachfragen gab es keine konkrete Bewerbung. „Die Ernüchterung folgte.“ Für Markert spielt nicht nur Corona, sondern auch die Probleme mit Lieferengpässen und Preissteigerungen dabei eine Rolle. Mittlerweile haben sich zwei potenzielle Investoren aus der näheren Umgebung für eine Nachnutzung gemeldet, die mehr als nur Interesse bekundet haben und deren Konzepte von der Kommunalentwicklung geprüft und abgewogen wurden.

Kleines Baugebiet

Bereits abgerissen wurden die Hallen der ehemaligen Werkstattgebäude mit Schreinerei des Möbelhauses. Waren sie bei der ursprünglichen Überlegung Teil der Überplanung, geht man bei der Stadt nun einen anderen Weg und will die unbebaute Fläche selbst vermarkten. „Wir wollen dort ein kleines Baugebiet erschließen“, erläutert Umminger. Etwa 7400 Quadratmeter Fläche steht in dem Mischgebiet dafür zur Verfügung. Hätte man das einem Investor überlassen, würde es wahrscheinlich erst einmal liegen bleiben, so die Befürchtung. Bauplätze mit 600 bis 650 Quadratmeter Fläche kann sich Markert dort vorstellen, die eine ebenerdige und zentrumsnahe und damit auch eine kostengünstige Erschließung ermöglichen. „Die Lage des Bereichs ist einfach toll. Das Stadtzentrum mit Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten oder auch Kirche, Rathaus, Kindergarten und Bahnhof sind gut zu Fuß zu erreichen.“ Im nächsten Jahr soll der Bebauungsplan dazu entwickelt werden. Und sollte das Nachbargrundstück der Firma Scheuermann zum Verkauf stehen, will die Stadt die Option des Vorkaufsrechts ziehen.

Jetzt steht aber erst die Nachnutzung des Seubert-Areals an. Im Gemeinderat hatten sich beide Investoren mit ihrem Konzept bereits hinter verschlossenen Türen präsentiert. „Die Verwaltung hat beiden auf den Zahn gefühlt“, so Markert. Nun sollen sie am Dienstag in öffentlicher Sitzung ihre Ideen erläutern. Dann wird die Entscheidung fallen, welche Planungen vertieft werden, um die Gewerbebrache mit neuem Leben zu erfüllen und ein neues Quartier am Stadteingang von Grünsfeld entstehen zu lassen.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz