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Flurneuordnungsverfahren

Wittighausen: Perfektes Beispiel für gelungenen Naturschutz

Staatssekretärinnen Gisela Splett und Sabine Kurtz überzeugten sich von Maßnahmen am „Insinger Bach“

Von 
Diana Seufert
Lesedauer: 
Gelungener Naturschutz: Bei einem Besuch im Flurneuordnungsgebiet „Insinger Bach“ in Wittighausen überzeugten sich die Grünen Staatssekretärin Gisela Splett (Fünfte von rechts) und ihre Kollegin Sabine Kurtz (Zweite von rechts) zusammen mit Landrat Christoph Schauder (Dritter von rechts) und Bürgermeister Marcus Wessels (Vierter von rechts), dass die Landesgelder auf den Flächen gut investiert sind. © Seufert

Unterwittighausen. Ein Flurneuordnungsverfahren, bei dem nicht die Landwirtschaft im Mittelpunkt steht, sondern der Naturschutz, sehen auch Politiker nicht alle Tage. Bei ihrem Besuch in Unterwittighausen überzeugten sich Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne) vom Finanzministerium und ihre Kollegin Sabine Kurtz (CDU) vom Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz davon, dass die Landesgelder gut investiert sind. Denn ein Teil der 58 Hektar großen Fläche ist im Besitz des Landes.

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Drei Kiebitze fliegen über den Tümpeln. Mannshoch stehen die Rohrkolben am Ufer, dazwischen ragen abgestorbene Bäume gen Himmel. Wasserralle und Rohrammer haben sich als Brutvögel wieder angesiedelt, Uhus suchen dort ihre Nahrung und Durchzügler wie Krickente oder Bruchwasserläufer machen Rast. Auch am Mühlberg fühlen sich verschiedene Tagfalter wie Alexis-Bläuling oder Wegerich-Scheckenfalter wohl. Am Insinger Bach, am Ortsausgang von Unterwittighausen Richtung Bütthard, haben sich ein Feuchtgebiet und Biotope von überregionaler Bedeutung entwickelt. Am Mühlberg sorgt die Nabu-Ortsgruppe dafür, dass das Gelände offen gehalten wird und so neuer Lebensraum für Insekten und viele andere Tiere entstanden ist. 1999 wurde dort im Rahmen des Modellprojekts „Pflege der Trockenhänge“ die Verbuschung entfernt.

Wichtig für Klimaschutz

„Das Land hat rund vier Hektar im Flurbereinigungsgebiet zugeteilt bekommen. Damit haben wir weitere Flächen für den Naturschutz gesichert“, freut sich Staatssekretärin Splett. In ihrem Haus werden die Gelder für solche Projekte gebilligt. Eines der wichtigen Themen sei daher auch der Schutz der biologischen Vielfalt. Mittlerweile ist das Land Baden-Württemberg im Besitz von 12 000 Hektar naturnaher Flächen sowie weiteren 21 000 Hektar landwirtschaftlichem Gebiet. „Weitere Areale, die für den Natur- und Klimaschutz wichtig sind, sollen zusätzlich gekauft werden“, betont die Grünen-Politikerin. Seien Flächen in Landeseigentum, könne langfristig eine naturschutzkonforme Nutzung und Pflege gewährleistet werden. Zusammenhängende Bereiche erleichtern die Umsetzung von naturschutzfachlichen Zielen – dies gelte insbesondere für Moorflächen. Die Landesmittel für solche Projekte hätten sich auf mittlerweile zwei Millionen Euro im Jahr erhöht.

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Dass alle an einem Strang und in die richtige Richtung ziehen, war für die Staatssekretärin beim Besuch in Wittighausen deutlich, wofür sie allen Beteiligten aus Ministerien, Fachbehörden und vor Ort ein dickes Lob aussprach. Ein ganz wichtiger Akteur ist in ihren Augen auch der Landschaftspflegeverband.

Das sieht auch ihre CDU-Kollegin Sabine Kurtz so. Die Arbeit am Insinger Bach ist für die Staatssekretärin im Ministerium für ländlichen Raum eine gute Gelegenheit, sich ressortübergreifend auszutauschen. „Das ist ein schönes Beispiel, wie Naturschutz gelingen kann“, dankte sie allen Beteiligten. In Wittighausen gehe es nicht um die intelligente Erschließung der Ackerflächen zur zweckmäßigen Bewirtschaftung, sondern um die Arrondierung von Flächen für den Naturschutz. „Hier setzen wir den Fokus auf die Nutzungsentflechtung zwischen Landwirtschaft und Naturschutz und vergrößern damit die Habitate für Vögel und Biber.“

„Geld sinnvoll investiert“

Der Biber hatte bereits vor Jahren für die Grundlagen des Feuchtgebiets gesorgt, wie Bürgermeister Marcus Wessels einwarf. Als studierter Landschaftsentwickler und Umweltwissenschaftler liegt ihm der Naturschutz ebenso am Herzen wie Landrat Christoph Schauder. „Das Geld aus Stuttgart ist sinnvoll investiert“, dankte Schauder dem Land, dass Natur erlebbar gemacht wird. „Damit schaffen wir auch Rückzugsorte für den Biber.“ Aber er legte auch den Finger in die Wunde: Die Kommunen brauchen aus seiner Sicht Unterstützungsleistungen bei Schäden, die der Nager verursacht.

Das Areal am Insinger Bach als erstes Verfahren mit naturschutzrechtlichen Interessen im Kreis hat sich zu einem wertvollen Naturbiotop gemausert. „Die Diversität ist sehr groß und hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, freut sich der Bürgermeister bei einem Rundgang mit den Politikerinnen und zahlreichen Gästen. So manche Besonderheit der Fauna gilt es zu entdecken, auf die Jonas Treml vom Landratsamt Main-Tauber bei der Exkursion aufmerksam macht. Manche Falterart sei durch intensive Landwirtschaft fast verschwunden und habe sich wieder am Mühlberg angesiedelt. Aktuell gehe es im laufenden Verfahren darum, zu schauen, „was da kreucht und fleucht“. Ideen in Kombination mit dem Naturdenkmal Ried gibt es auch: in kleine Ausbuchtungen soll sich der Bach ausbreiten und so Feuchtwiesen schaffen. Die komplette Renaturierung des Bachs ist nicht geplant.

Ein kleines Biotop, das es vor drei Jahren noch nicht gab, lockt heute Insekten und Vögel an. Man lässt die Natur gewähren. „Prozessfans und Zoologen werden gemeinsam glücklich“, unterstreichen Splett und Kurtz. Die beiden Staatssekretärinnen sind begeistert von den Maßnahmen für die Natur.

Es wird noch einige Jahre dauern, bis die Flurneuordnung abgeschlossen sein wird. Vielleicht wird dann auch die Idee von Lorenz Flad realisiert, dem eine großflächige wilde Weide mit geringem Viehbesatz dort vorschwebt. Mit Marcus Wessels und Jonas Treml hätte er schon zwei Mitstreiter.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz

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