Jubiläum

Fastnacht hat eine lange Tradition

70 Jahre Fastnachtsgesellschaft FG „Hordemer Wölf“. Ein Blick in die Hardheimer Fastnachtsgeschichte (Teil 1)

Von 
Torsten Englert
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Das Bild aus dem Nachlass von Druckereibetreiber Hugo Greulich zeigt den ersten Elferrat von 1930 der „Ersten Hardheimer Karnevalsgesellschaft“ mit vorne von links: Karl Drützler, Alois Berberich, Hugo Friedrich (Präsident), Ignaz Leiblein, Fritz Käflein; hinten von links: Philipp Heiden, Alban Gärtner, Anton Kaiser, Ferdinand Gabel, Max Selig, Josef Breunig. © Torsten Englert

Hardheim. Die Fastnachtsgesellschaft FG „Hordemer Wölf“ feiert dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Grund genug, einen Blick in die Annalen zu werfen.

Auch nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkrieges und der harten Arbeit des Wiederaufbaus in Deutschland hatten die Menschen ihren Humor und ihre Fröhlichkeit nicht verloren. Das Feiern der Fastnacht war eine gute Gelegenheit, die Sorgen und Nöte des Alltages zu vergessen. Daher dauerte es nicht lange, bis eine Fastnachtsgesellschaft in Hardheim wiedergegründet wurde. Dies war 1953, also vor 70 Jahren. Seither trägt die „FG Hordemer Wölf“ mit ihren Fastnachtsveranstaltungen zum regen Vereinsleben in Hardheim bei. Mit ihrem „Ritterpaar“ vertritt ein originelles Repräsentantenpaar Hardheim weithin über die Grenzen der Gemeinde hinaus.

Seit dem 11. November hat die sogenannte fünfte Jahreszeit wieder begonnen. Der Fastnachtsbeginn am „Elften im Elften“ ist jedoch erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt, denn früher begann sie erst am „Dreikönigstag“. Die eigentliche Fastnachtszeit, beziehungsweise deren Höhepunkt, erlebt sie vom „Schmotzigen Donnerstag“ bis Fastnachtsdienstag. Die Höhepunkte früher waren der Schmotzige Donnerstag, der Fastnachtssonntag und der Fastnachtsdienstag. Erst seit 1823 hat sich der Rosenmontag als weiterer Höhepunkt durchgesetzt.

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In der Synode von Benevent (1091) wurde die Fastenzeit neu geordnet und um eine Woche nach vorne verschoben. In Basel, Teilen des Marktgräflerlandes und in Baden-Baden wollte man diese Neuordnung nicht akzeptieren und hielt an der „alten Fastnachtstradition“ der sogenannten „Bauernfastnacht“ weiter fest, die mit dem Ende der „neuen Fastnacht“ der sogenannten „Herrenfastnacht“ beginnt. Im protestantisch geprägten Basel sah man die alte Fastnacht als eine „Demonstration“ gegen die katholische Fastenzeit. Auch der Spruch „… kommt hinterher wie die alte Fastnacht“ geht auf die Neuordnung der Fastenzeit zurück.

Die Fastnacht ist der letzte Tag der Fastnachtsszeit, der Tag vor Aschermittwoch, Vorabend der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern (vom Mittelhochdeutschen „vastnaht“ = Vorabend vor dem Fasten). Den ersten Hinweis zur Fastnacht gibt es in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“.

Die ersten historischen Quellen gehen bis ins 12./13. Jahrhundert zurück. Dabei handelt es sich meist um juristische Akten wegen Verfehlungen aufgrund der Verbote der Fastenzeit. Die heutige Fastnacht hat nach neuesten wissenschaftlichen Quellen einen christlichen Ursprung und nicht heidnischen, wie lange vermutet wurde.

Die Fastnachtstradition in Hardheim ist jedoch schon viel älter als die 70 Jahre der Vereinsgeschichte der FG „Hordemer Wölf“. Bereits im 16. Jahrhundert verlieh der Würzburger Fürstbischof in einer Urkunde seinen Untertanen das Recht, Fastnacht zu feiern. Von diesem Recht machten sicherlich auch die Hardheimer Gebrauch. Viele Hinweise auf die frühen Fastnachtsbräuche in Hardheim gibt es nicht. In den Lebenserinnerungen des Ehrenbürgers der Gemeinde Hardheim Josef Eirich (1869 bis 1962) finden wir folgenden Satz: „… in Hardheim beliebte und fleißig ausgeübte Fastnachtstreiben wurde…“

Frühe Hinweise

Einige Hinweise finden wir im Archiv der Pfarrgemeinde St. Alban unter der Rubrik „Fastnachts-Triduum“. So ist hier unter anderem zu lesen, dass am Fastnachtsdienstag im Jahr 1911 zum ersten Mal seit 1897 ab 19 Uhr ein Ball stattgefunden hat. Wo dieser stattfand, ist leider nicht zu erfahren. Aus den Unterlagen des Turnvereins geht hervor, dass bereits 1864 ein Maskenball veranstaltet wurde.

Der erste Ball der Feuerwehr Hardheim fand 1864, zugleich zur Verherrlichung des Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich statt. In regelmäßigen Abständen fanden die Feuerwehrfastnachtsbälle statt. Wer sich nicht an die strenge Ballordnung hielt, wurde bestraft, wie im November 1878 Adolf Böhrer, der trotz Befehl des Feuerwehrkommandanten nicht in Feuerwehrjacke, sondern in Zivil erschien. Nach dem Ersten Weltkrieg veranstaltete im Jahr 1922 der damals bestehende Musikverein am Rosenmontag eine Tanzveranstaltung im „Erftal“.

Gesellschaft gegründet

1930 wurde von Hugo Friedrich die „Erste Hardheimer Karnevalsgesellschaft“ unter dem Motto „Humor und Freude für alle Leute“ gegründet. Dem „Elferrat“ von 1930 gehörten an: Karl Drützler, Alois Berberich, Hugo Friedrich (Präsident), Ignaz Leiblein, Fritz Käflein, Philipp Heiden, Alban Gärner, Anton Kaiser, Ferdinand Gabel, Max Selig und Josef Breunig. Ein Bild vom damaligen Ausschussmitglied, Druckereibetreiber Hugo Greulich, ist bis heute erhalten geblieben.

1931 veranstaltete die Karnevalsgesellschaft den ersten Kindermaskenumzug am Fastnachtsdienstag, und am Abend fanden in mehreren Gaststätten Kappenabende statt. In der Zeit des Dritten Reiches wurde die Karnevalsgesellschaft wieder aufgelöst. Auch in diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte blieb die Frohnatur und Narretei erhalten. So gibt es Hinweise im Jahr 1935 auf „närrische Abende“ in den Traditionsgaststätten „Erftal“, „Prinz Karl“, „Brauerei Löffler“ und „Frankeneck“. 1948 fand in Hardheim keine Fastnachtsveranstaltung statt. 1949 gab es die erste „Faschingszeitung“, welche vom „Turnverein 1895“ herausgegeben wurde. Des weiteren fand ein kleiner Umzug statt. (Fortsetzung folgt).