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50 Jahre Gemeindereform (Teil 6)

„Sie fühlen sich immer noch badisch“

Überwältigende Mehrheit der Bürger in Dainbach stimmte für Eingemeindung. Ortsvorsteher zieht eine positive Bilanz der „Ehe“ mit MGH

Von 
Joachim W. Ilg
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Über die ehemalige badische Landesgrenze hinweg wurde Dainbach nach Bad Mergentheim eingemeindet. Im Gegensatz zu anderen Dörfern, die ebenfalls landschaftlich schön eingebettet liegen, gab es hier ein fast einstimmiges Votum für die Eingliederung. © Joachim W. Ilg

Während es in anderen Dörfern zu einer tiefen Spaltung kam, stimmten in Dainbach 96 Prozent der befragten Bürger für die Eingemeindung nach Bad Mergentheim.

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Dainbach. Der 27. November 1972 war ein bedeutsamer historischer Moment in der über 800-jährigen Geschichte Dainbachs. An diesem Montagabend unterzeichneten der Bad Mergentheimer Bürgermeister Dr. Mauch und der Dainbacher Bürgermeister Müller den Eingliederungsvertrag. Aus dem selbstständigen badischen Dorf wurde damit zum 1. Dezember 1972 ein Stadtteil Bad Mergentheims. Bei einer Bürgeranhörung hatten 96 Prozent der Befragten für eine Eingliederung gestimmt. Das war ein fast einstimmiges Votum, das nicht enttäuscht wurde, denn die Stadt hat die bei der Eingemeindung getroffenen Vereinbarungen mehr als erfüllt, wie Ortsvorsteher Rudolf Hollenbach 1985 feststellte.

Und wie sieht die Bilanz nach 50 Jahren Eingemeindung aus der Sicht des heutigen Ortsvorstehers aus? Darüber sprachen wir mit Thomas Faulhaber.

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Wie sieht aus aktueller Sicht Ihre Bilanz dieser „Ehe“ aus?

Thomas Faulhaber: Gut. Dainbach hat sich, wie viele kleinere Ortschaften auch, vom landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einem reinen Wohnort entwickelt. Wir haben einen wunderschönen Dorfplatz. Am Ortsrand liegt ein Sportplatz mit Beachvolleyballfeld. Für Jugendliche und Erwachsene wurde innerorts ein Sand-Bolzplatz angelegt. Im Dorfgemeinschaftshaus befinden sich ein Saal für Veranstaltungen, der Proberaum für den Musikverein sowie der Jugendraum. Die Freiwillige Feuerwehr hat sich einen Raum im ehemaligen Fasselstall mit finanzieller Hilfe der Stadt eingerichtet. Der Theaterverein „Volle Kanne“ freut sich wieder auf einen Auftritt nach Corona. Rund um den Ort gibt es Spazier- und Wanderwege. Im Moment werden Kanal- und Leitungsarbeiten zwischen Lindenplatz und Friedhof durchgeführt, anschließend bekommt die Ortsdurchfahrt eine neue Asphaltdecke. Ab 2023 sind in Dainbach auch wieder 15 Bauplätze zu haben.

Ist Dainbach in der Großen Kreisstadt gut aufgehoben?

Faulhaber: Sehr gut. Wenn man schaut, was Bad Mergentheim alles zu bieten hat, dann auf jeden Fall. Zum Thema Lkw-Verkehrsführung hat uns die Stadtverwaltung mit dem OB in Gesprächen mit einem direkt angrenzenden Weltmarktführer unterstützt, wodurch der Lkw-Verkehr durch den Ort merklich abgenommen hat. Trotzdem wünscht man sich noch für die Ortsdurchfahrt aufgrund seiner teils unübersichtlichen Stellen eine 30er-Zone. Aktuell wird ein D2-Funkmast installiert.

Welche Vorteile, welche Nachteile sehen Sie?

Faulhaber: Ein Fronarbeiter vor Ort ist ein großer Vorteil, um anfallende Kleinigkeiten schnell zu erledigen. Der Bauhof mit seinen Mitarbeitern funktioniert ebenfalls gut. Auch die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung bemühen sich stark, mit der Arbeit auf den 13 Friedhöfen „rum“ zu kommen. Ein wichtiger Vorteil ist, dass die Gemeinderäte hinter den Stadtteilen stehen. Dies ist ganz wichtig, um in den Stadtteilen etwas zu bewegen.

Gibt es Reibungspunkte?

Faulhaber: Reibungspunkte ist vielleicht ein unpassender Ausdruck. Da kein Kindergarten und keine Schule vor Ort ist, driften die Kinder beziehungsweise die Eltern in verschiedene Richtungen.

Bauplatzpreise und Friedhofsgebühren werden immer wieder hinterfragt. Hier wird gerne mit den Boxberger Gemeinden verglichen.

Die Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen Dainbach/Althausen war im Allgemeinen nie ein großes Problem für die Dainbacher. Sie fühlen sich immer noch badisch, wie man unter anderem an der Zugehörigkeit zur badischen Landeskirche und der Telefon-Vorwahl 07930 sieht.

Sind die Stadtteile und die Kernstadt zusammengewachsen?

Faulhaber: Auf jeden Fall. Die vom Ortschaftsrat beantragten Radwegverbindungen nach Bad Mergentheim beziehungsweise Unterschüpf können zum noch engeren Zusammenwachsen beitragen.

Laut Radwege-Prioritätsplan wäre Dainbach übrigens im Jahr 2023 dran.

Gibt es einen Grund zum Feiern?

Faulhaber: 50 Jahre Eingemeindung wären schon ein Grund. In Dainbach selbst ist jedoch keine Feier geplant.

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