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Sommercamp im Kasten „Maria Hilf“

Ein Mix aus Spiel, Erlebnis, Animation und Motivation

Bereits zum fünften Mal. 16 Mädchen und Jungs im Alter von elf bis 14 aus Bad Mergentheim und Umgebung profitierten

Von 
Hans-Peter Kuhnhäuser
Lesedauer: 
Kochen und Backen – eine Aufgabe, die die Sommer-Camp-Teilnehmer besonders gerne übernehmen. Dabei wird auch auf individuelle Wünsche eingegangen und die Pizza entsprechend belegt. © Kuhnhäuser

Bad Mergentheim. Exotische Ziele, aber Flughafenchaos, überfüllte Pools und Strände, viel Krach – nein, Urlaub kann auch anders sein. Und ein echter Erlebnisurlaub ist auch nicht mit hohen Kosten verbunden, die sich viele ohnehin nicht leisten können. Das „Sommercamp“ im Kasten ist dafür ein Beispiel.

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Nicht alle können in Urlaub fahren oder fliegen – und die Zahl derjenigen, die solche Einschränkungen haben, wird nicht kleiner. Grund genug für Nicolaj Imhof, ein anderes und dabei höchst soziales Projekt aufzulegen: Das Sommercamp im „Kasten“ (Studieninternat „Maria Hilf“ in Bad Mergentheim), wobei dort nicht alle Tage verbracht werden. Für 16 Mädchen und Jungs im Alter von elf bis 14 aus Bad Mergentheim und Umgebung – allesamt aus sozial benachteiligten Familien – bot sich heuer zum fünften Mal die Chance, einen ganz besonderen Sommerurlaub zu verbringen. Neben Nicolaj Imhof sorgten fünf weitere Helfer im Alter von 17 bis 21 Jahren dafür, dass jederzeit eine umfassende Betreuung gewährleistet war. Engagierte junge Leute übrigens, die ehrenamtlich wirken.

Für die „Urlauber“ wurde ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm organisiert. Das besondere Element dieser Erlebniswoche war aber das aktive Mitwirken und Verantwortung übernehmen der Sommercamp-Gäste. „Nur konsumieren ist nicht“, betonte Imhof im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir wollen das Selbstwertgefühl entwickeln und steigern, den Kindern und Jugendlichen etwas für später mitgeben. Hier können sie herausfinden, wo ihre Stärken liegen, was sie können und wo sie noch an sich arbeiten müssen.“

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Damit ein solches Sommercamp für „fast nichts an finanzieller Eigenleistung“ überhaupt möglich ist, braucht es natürlich Sponsoren. Imhof ist sehr dankbar, dass die Sommercamp-Idee Unterstützer findet: Das Kreis-Sozialamt, der Kreisjugendring und der Kreis-Sportjugend stehen da schon traditionsgemäß an erster Stelle. „Heuer haben sogar zwei ehemalige ‚Kästler’ eine Spende gemacht, und ein Teilnehmer der vergangenen Camps ist als Helfer aktiv“, berichtete Imhof. Das macht deutlich, dass auf Betreuerseite viel „Herzblut“ im Spiel ist und die Helfer bestätigten dies beim Reporterbesuch: „Es macht einfach Spaß.“

Täglich ab 7.50 Uhr ist Programm. „Außerdem machen wir Ausflüge, darunter nach Lauda ins Schwimmbad, nach Unterschüpf zum Fliegen und nach Kloster Schöntal, wo wir in einer Hütte ohne Strom und Wasser zwei Übernachtungen haben. Ein bisschen Survival ist ja immer ein lehrreiches Erlebnis“, meint Imhof. Auch eine Bootsfahrt im Wasserparadies in Tripsdrill und Schwimmen in einem See standen an.

Trotz solcher „Events“ steht immer die Pädagogik im Vordergrund: „Es ist auch für uns Betreuer eine Herausforderung, aber unser Mix aus Spiel, Erlebnis, Animation und Motivation kommt bei den Teilnehmern an“, sagt Imhof. Insoweit seien diese Sommercamps „ein Gewinn für alle“, zumal von den Kindern und Jugendlichen viele „erstmals die Gelegenheit haben, zu fliegen – nämlich in einer Sportmaschine, die vom Flugplatz Unterschüpf abhebt. „Unser Motto lautet ganz generell: Ihr könnt vieles, habt Möglichkeiten und entwickelt Perspektiven.“ Dazu gehört auch, „Verantwortung zu übernehmen“, sowohl bei Spiele und Sport als auch bei den täglichen Aufgaben, etwa Einkaufen, Kochen und Backen. „Es soll ja allen schmecken.“ Oder auch bei der Unterstützung anderer Teilnehmer, die sich bei der einen oder anderen Aufgabe etwas schwer tun. „Wer Schwierigkeiten hat, dem wird geholfen – niemand bleibt alleine und geht unter“, betonte Imhof.

Schönes und „Unangenehmes“

Neben den vielen spielerischen und sportlichen Elementen der Tagesplanung wird auch Englisch spielerisch vermittelt und geübt. Zudem werden von den Teilnehmern diverse Rollen eingenommen: Wie ist es, wenn man eine Behinderung hat? Wie kann man solchen Menschen helfen? „Das ist eine Super-Erfahrung, die Teilnehmer sagen uns das auch immer“, betont Imhof. Zudem wird „vieles selbstständig erledigt, etwa der Einkauf und die Vor- und Zubereitung der Mahlzeiten. Das machen alle gerne.“

Und natürlich gibt es auch „Unangenehmes“ – Aufräumen, Abwasch und die Reinigung der Küche- und des Esszimmers. „Letzteres wird ausgelost, da kann es auch mal passieren, dass ein Junge oder ein Mädchen zwei Mal hintereinander an der Reihe ist.“ Aber das, erklärt Imhof, „ist auch eine Erfahrung – nämlich Dinge zu akzeptieren, die man nicht ändern kann, zumal sie von vornherein als möglich angekündigt waren.“ Und überdies „legen wir großen Wert auf Reflexion, alles wird besprochen“. Ob es Beschwerden gibt? „Nein“, sagt Imhof, „das hatten wir noch nie!“ Schließlich sei es auch ein pädagogisches Ziel, „zusammen mit den Jungs und Mädchen individuelle Lösungsansätze zu entwickeln und festzustellen, wie man mit Fehlschlägen umgeht und daraus lernen kann“. Wenn also die Rakete beim Basteln nicht so hinhaut und anschließend nicht richtig fliegt, „ist das kein Drama. Wir reden darüber, und dann wird halt nochmal gebastelt. Dann klappt es, und die Teilnehmer nehmen mit nach Hause, dass sie es doch geschafft haben.“

Entsprechende Antworten geben die Teilnehmer übereinstimmend. „Einfach toll ist das Programm“, und selber kochen „macht auch Spaß“. Dass sie - nicht alle haben eines - das Handy am Morgen nach dem Eintreffen abgeben müssen und erst am Abend, beim Gang nach Hause, wieder bekommen, „hat mich nur am ersten Tag gestört“, sagt ein Junge. Auch das ist ein Lernerlebnis: Es gibt ein Leben ohne Smartphone.

Was die Teilnehmer ebenfalls mit nach Hause nehmen und am ersten Schultag verkünden können: „Auch ich war im Urlaub, und der was super-toll. Ich hab’ viel erlebt und gelernt.“ Ob das alle anderen Klassenkameraden auch sagen können? „Bestimmt nicht alle“, sagt Imhof. der schon heute mit den Planungen für das Sommer-Camp in nächsten Jahr beschäftigt ist.

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