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Mozartfest - Pianist Robert Levin im Kaisersaal

Eher laut, weniger zart

Von 
Klaus Linsenmeyer
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Mehr Poesie und Charme hatte der Pianist Robert Levin im halligen Kaisersaal der Residenz für die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts nicht Sinn. Im Wechsel dazu kamen Debussy, Brahms und Türk zur Wiedergabe. Mozarts Rondo a-Moll KV 511 und die allseits bekannte Sonate A-Dur KV 331 mit dem Alla Turca-Finalsatz waren eingebunden in Claude Debussys „Suite Pour le Piano“. Rasant und mit kräftigem Anschlag fegte Levin überwiegend lautstark über die Tasten, um weniger die zart gewobenen Figuren im behenden Laufwerk zu betonen und den variablen Charakter der einzelnen Sätze gebührend auszulegen.

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In das runde Auskosten der melodischen Verzierungen zeigte sich Levin nicht verliebt. Dass er Mozart teilweise vom Blatt gespielt hatte, unterstrich eine gewisse korrepetitorische Ausführung der Kompositionen. Levin besitzt sichere Fingerfertigkeiten, einen teilweise überzeugenden Sinn für abgestufte Dynamik, die er aus der Barockmusik herleitet, und ein gerüttelt Maß an selbstbe-wusster Gestaltungsweise, die auf einen einheitlichen Alfresco-Stil hinweist.

Frei von Manierismen

Hans Peter Türks „Träume“, ein Levin gewidmetes Klavierstück, mit der Hervorkehrung einer vor-trefflichen Improvisationskunst, umfassten weiterhin das Programm, sodann das Intermezzo A-Dur op.76/6 von Johannes Brahms, Mozarts Fantasie d-Moll KV 397 und die D-Dur-Sonate KV 576. Klarsicht war allenthalben präsent, jedoch weniger die innere Ruhe und der differenzierte Schönklang. Immerhin bewahrte Levin sein Mozartspiel frei von willkürlichen Manierismen. Spritzigkeit und Spielwitz sind seine Sache nicht. Rhetorische Kontraste und überraschende Wendungen, die Mozarts Sonaten den Lebensatem der Spontaneität verleihen, servierte Levin routiniert als Füllmasse des Klang-raums.

Freier Autor

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