Hebammensprechstunde - Caritasverband bietet Unterstützung für Frauen an, die aufgrund der angespannten Versorgung mit Geburtshelferinnen keine individuelle Betreuung gefunden haben

Caritas im Tauberkreis startet Beratungsangebot für Schwangere und Wöchnerinnen

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Heike von Brandenstein
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Claudia Weiland-Klug (rechts) und Silke Schmid wissen, was werdende und junge Mütter bewegt. © Heike von Brandenstein

Main-Tauber-Kreis. „Von zehn Frauen finden augenblicklich nur drei bis vier eine Hebamme.“ So beschreibt Claudia Weiland-Klug, selbst Hebamme, die Situation für schwangere Frauen und Wöchnerinnen im Main-Tauber-Kreis. Die Lage ist durchaus dramatisch. Vor 20 Jahren nämlich, als sie in den Beruf startete, fanden noch alle eine staatlich geprüfte Geburtshelferin, als Begleiterin, Ratgeberin und sachkundige Hilfe in einer Zeit, die bei Frauen oft Fragen und Unsicherheiten aufwirft.

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Der Caritasverband im Tauberkreis will diesem Mangel etwas entgegensetzen. „Die Frauen brauchen dringend Ansprechpartner im Main-Tauber-Kreis“, begründet Beate Maier, Bereichsleiterin Beraten, ein neues Angebot. Es startet am Internationalen Tag der Hebammen am Mittwoch, 5. Mai. Von da ab können sich schwangere Frauen und solche, die gerade ein Kind geboren haben, alle zwei Wochen bei den Hebammen Claudia Weiland-Klug und Silke Schmid beraten lassen. „Die Sprechstunde steht allen Frauen offen, unabhängig von ihrer Glaubenszugehörigkeit oder ihrer Nationalität“, erläutert der Abteilungsleiter für den Bereich Kind, Ehe und Familie Bernhard Bopp. Ein Kooperationsvertrag zwischen dem Caritasverband im Tauberkreis und den beiden Hebammen sei geschlossen worden, das Regierungspräsidium unterstütze das für Hilfesuchende kostenfreie Projekt finanziell.

„Ziel ist es, Frauen frühzeitig zu sehen und sie in ihrer Eigenkompetenz zu unterstützen“, so Silke Schmid. Beate Maier fügt an, dass die Hebammensprechstunde auch Türöffner sein soll, um körperliche Veränderungen, psychische Belastungen, aber auch finanzielle Hilfestellungen vor, während und nach der Schwangerschaft zu besprechen. Angesiedelt ist die Hebammensprechstunde deshalb auch bei der Schwangerenberatung. Deren Teamleiterin Kristina Kreutzer-Konrad kann ein Lied vom Hebammenmangel singen. Vor etlichen Jahren habe es noch in der 20. Schwangerschaftswoche gereicht, auf die Suche nach einer kompetenten Betreuerin zu gehen. Da habe man heute überhaupt keine Chance mehr. Wer sich nicht bereits vor oder zu Beginn der Schwangerschaft um eine Hebamme bemühe, gehe leer aus.

Beim Gesundheitsamt, so das Landratsamt auf FN-Anfrage, sind derzeit 31 Hebammen für den MainTauber-Kreis verzeichnet. 18 Hebammen davon sind rein freiberuflich tätig, zehn Hebammen im Caritas-Krankenhaus angestellt sowie sowohl freiberuflich tätig und gleichzeitig im Caritas-Krankenhaus angestellt. Weitere sechs Hebammen wohnen in anderen Landkreisen und sind zum Beispiel Beleghebammen oder angestellte Hebammen im Caritas-Krankenhaus oder in der Rotkreuzklinik in Wertheim.

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Das neue Beratungsangebot soll eine Anlaufstelle für unversorgte Frauen sein und einen Bogen für weiterführende Hilfsangebote wie die Vermittlung zu einer Familien- und Kinderkrankenschwester spannen. Dabei können dann Fragen wie die Mutter-Kind-Bindung oder was bei einem Schreibaby zu tun ist, thematisiert werden. „Wir wollen jungen Müttern vermitteln, dass sie nicht alleine sind“, beschreibt Beate Maier das vom Caritasverband gestrickte Netzwerk.

Claudia Weiland-Klug und Silke Schmid wissen, was die werdenden und jungen Mütter bewegt. „Die Sorgen und Ängste haben gerade in der Pandemie-Situation zugenommen“, haben sie festgestellt. Da stelle sich die Frage nach einer Impfung ebenso wie die nach Verhaltensmaßnahmen, wenn ein Geschwisterkind bereits den Kindergarten oder die Schule besucht. Auch die Auswahl der Geburtsklinik stellt viele vor ungeahnte Probleme: Darf der Vater bei der Geburt dabei sein und wenn ja, ab wann? Können Mutter und Neugeborenes im Krankenhaus besucht werden, und wenn ja, von wem? Manche Frauen telefonieren alle Kliniken im Umkreis ab und entscheiden nach den besten Bedingungen, lautet die Erfahrung.

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Die Hebammensprechstunde findet ab Mittwoch, 5. Mai, jede zweite Woche von 10 bis 12 Uhr in den Räumen des Caritasverbands in Tauberbischofsheim, Schlossplatz 6, statt. Eine vorherige Anmeldung ist unter Telefon 0 93 41/92 20 10 25 notwendig.

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