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Beim Amtsgericht verhandelt

59-jähriger Rentner aus Wertheim zu Geldstrafe verurteilt

Richterin erachtete die Zeugenaussage als glaubwürdig und erkannte angebliche psychische Erkrankung des Angeklagten nicht an

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goe
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Wertheim. In einer Verhandlung beim Amtsgericht Wertheim wegen Beleidigung stand zwar Aussage gegen Aussage, doch die Richterin glaubte dem Belastungszeugen und verurteilte einen Rentner aus der Main-Tauber-Stadt zur Strafe von 15 Mal 15 Euro.

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Gegen Auto getreten

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den 59-Jährigen, ledigen, früheren Hörgeräte-Akustikerlautete, er sei im Juni am Busparkplatz Spitzer Turm zu einem geparkten Auto gelaufen und habe dagegen geklopft oder getreten. Als der darin sitzende 20-jährige Mann ausstieg, nach einem Schaden schaute unddie Personalien verlangte, habe er diesen Kanake und Arschloch genannt und gegen das Auto gespuckt.

Der Beschuldigte bestritt den Vorwurf und räumte nur ein, er habe sich wegen Schleim im Hals geräuspert und diesen in „1,5 bis 1,8 Meter“ Entfernung vom Auto ausgespuckt. Der Wind habe den Auswurf gegen das Auto getragen. Er sei weiter gelaufen: Pkw-Durchgang zum Parkplatz am Mainufer, zwischen den Autos, und über den Fußgänger-Durchgang zurück Richtung Stadt.

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Der schwarz gekleidete Mann (auch schwarze Haare) aus dem schwarzen Mercedes habe ihn verfolgt und zwischendurch mehrfach gefragt: „Sind Sie psychisch krank?“ An der Terrasse des Hotels Schwan habe er aus Angst über den telefonischen Notruf die Polizei verständigt.

Auch der Autofahrer, ein Zerspanungsmechaniker aus Kreuzwertheim, rief die Polizei, und so kamen zwei Streifen. In der Verhandlung berichtete der 20-Jährige, als er dem Beschuldigten wegen der Personalien hinterher lief, habe dieser geschrien: „Der Kanake verfolgt mich“.

Der Betreuer nannte seinen Mandanten wegen einer Krankheit „gelegentlich zwangsgesteuert“, und er könne dafür nicht verantwortlich gemacht werden, es erfolge außerhalb seiner Wahrnehmung. So etwas werde wieder passieren. Die Richterin erwiderte, wenn er auf Schuldunfähigkeit bestehe, müsse ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden. Das dauere und koste einige 1000 Euro, die zunächst der Beschuldigte zahle.

Dieser lehnte die Erstellung eines Gutachtens ab und erklärte: „Seit einiger Zeit haben mehrereMenschen eine negative Meinung über mich. Ich weiß nicht warum“. Die Staatsanwaltschaft ging von voller Schuldfähigkeit aus und beantragte eine Strafe von 20 Mal 25 Euro. Der Betreuer nannte den Zeugen unglaubwürdig, zumindest stehe Aussage gegen Aussage, und beantragte Freispruch.

Eingeschränkte Schuldfähigkeit

Die Richterin erläuterte ihre Würdigung der Beweisaufnahme: die detailreiche Schilderung des Zeugen, die Gleichmäßigkeit seiner Angaben bei Polizei und Verhandlung, und weil der Angeklagte schon ein Mal so ein Verfahren hatte.

Die Richterin kam zum Ergebnis, dass er sich beherrschen kann, ging aber von eingeschränkter Schuldfähigkeit aus.

Die Äußerung des Betreuers, einem juristischen Laien, in seiner Verteidigungsrede, das Gericht wolle jemanden bestrafen, obwohl er krank ist, nannte die Richterin im Urteil dezent „eine heftige Formulierung“.

Im früheren Verfahren ging es ebenfalls um Beleidigung. Im August 2018 hatte der Angeklagte im Kaufland-Markt in Richtung auf das Kleinkind einer WertheimerTürkingesagt: „Halt´ Dein Maul, Kanake!“ Er bezeichnete sich damals als „zu den armen Menschen“ gehörend, und sprach von Lügen und Drangsalierung durch Türken.

Wegen der psychischen Erkrankung wurde das Strafverfahren eingestellt, das Betreuungsverfahren lief damals noch. goe

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