Katholische Kirche

Große Leidenschaft für die Königin der Instrumente und die Kirchenmusik

Bezirkskantorin Julia Kohler hat viele Ideen und Projekte, die sie mit Schwung und viel Elan umsetzen will

Von 
Heike von Brandenstein
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Wenn sie die Königin der Instrumente bedient, fühlt sie sich wohl. Seit Juni ist Julia Kohler Bezirkskantorin und damit kirchenmusikalische Instanz von Lauda-Königshofen über Tauberbischofsheim bis Wertheim, Hardheim und Buchen.

Tauberbischofsheim. Für Julia Kohler ist es spannend in ihrer neuen Heimat Tauberbischofsheim. Sie muss erst einmal viele neue Menschen kennenlernen, sich einfinden, die Strukturen verinnerlichen und für sich und andere Musikbegeisterte ein Programm aufstellen. Zum 1. Juni hat sie ihre Stelle als Bezirkskantorin aufgenommen und ist zu 75 Prozent für die Dekanate Tauberbischofsheim und Mosbach-Buchen tätig, das restliche Viertel entfällt auf die Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim mit Schwerpunkt der Stadtkirche St. Martin.

Julia Kohler hat mit „Peter und der Wolf“ am Messesonntag bereits sehr viel Publikum erreicht. Die Zuhörer waren begeistert. Am Sonntag, 13. November, gibt sie um 17 Uhr ihr nächstes Konzert in St. Martin. © Heike von Brandenstein

Von ihrem Büro am Tauberbischofsheimer Sonnenplatz aus hat es Julia Kohler nicht weit. In ein paar Schritten ist sie an der Stadtkirche, einen Steinwurf von dort wohnt sie mit ihrem Mann. „Es sind schöne kurze Wege hier“, sagt sie. Wer regelmäßig die Gottesdienste in St. Martin besucht, kennt Julia Kohler und ihre Leidenschaft für das Orgelspiel.

Liebe zur Orgel früh geweckt

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Im bayerischen Lauingen an der Donau geboren, sollte ihr erstes Instrument die Blockflöte sein. Mit sieben Jahren entschied sie sich, Klavier zu lernen. Als sie als Zehnjährige aufs Gymnasium in Dillingen mit einem musischen Zweig wechselte und sie sich zum Ende der fünften Klasse für ein Instrument entscheiden sollte, meinte ihre Freundin: „Ich mache Orgel.“ Julia Kohler stimmte zu: „Das mache ich auch.“ Ihre Mutter war zunächst skeptisch. Doch weil das Gymnasium gleich zwei hauseigene Orgeln besitzt und so auch das Üben gewährleistet war, setzte sich Julia Kohler durch. Es war der Start zu einer großen Liebe.

Sie belegte das Orgeln als Hauptfach, ihr Lehrer erkannte schnell ihr Talent. Er war es auch, der sie ein halbes Jahr vor dem Abitur auf die Spur zum Kirchenmusikstudium brachte. Die Hochschulausbildung für Schul- und Kirchenmusik absolvierte sie in Stuttgart, ein Praxissemester an einer Schule in Fellbach.

Natürlich stellte sie sich die Frage, ob sie in den schulischen oder den kirchenmusikalischen Weg für ihre spätere berufliche Laufbahn wählen sollte. „Als ich in der Schule war, habe ich gemerkt, dass mir das selber Musizieren gefehlt hat“, sagt sie. Damit war die Sache entschieden. Dass sie aus dem mehrstufigen Bewerbungsverfahren für die Stelle als Bezirkskantorin als erste Wahl hervorgehen sollte, hat sie sehr gefreut.

Julia Kohler begreift ihre neue Aufgabe als Herausforderung und wertet es als glücklichen Zufall, dass in Tauberbischofsheim sowohl der Pfarrer als auch die Kirchenmusikerin neu im Amt sind und frische Projekte starten können. Gemeinsam bereiten sie den Liedplan für die Gottesdienste vor und streben eine bunte Mischung aus Traditionellem und Modernem an. „Ein Gloria muss mit Schwung erklingen“, weist sie auf die Freude hin, die musikalisch mitschwingen soll.

Hochfeste bereichern

Bei den Chören steht für die Bezirkskantorin Aufbauarbeit an. „Während der Corona-Zeit wurden die Proben ausgesetzt, was zu einem schleichenden Abbauprozess geführt hat“, weiß sie. Deshalb geht es beim Kirchenchor St. Martin mit den rund 20 Sängerinnen und Sängern jetzt darum, die Hochfeste im Kirchenjahr zu gestalten. Außerdem hat sie sich Projekte wie den „Evensong“ im Februar vorgenommen, der Abend- und Nachtgebet in schöner Stimmung musikalisch verbinden soll.

Seit September leitet sie die Mini-Maxis mit rund 20 Kindern. Weil die Altersspanne von viereinhalb bis zwölf Jahren reicht, will sie hier eine Trennung vornehmen, damit alle auf ihre Kosten kommen. Daneben gehört die C-Ausbildung für Organisten im Bezirk zu ihren Aufgaben, in die der Buchener Organist Horst Berger bei der praktischen Ausbildung eingebunden ist. Weitere Projekte wie Oratorien sind in Planung. Dafür will sie Sänger gewinnen, die sich nicht auf Dauer, sondern nur auf Zeit engagieren.

Silvester mit Musikfeuerwerk

Am Sonntag, 13. November, ist Julia Kohler um 17 Uhr in der Stadtkirche St. Martin bei einem Konzert zum Patrozinium zu hören. Auf dem Programm stehen Werke von Bach, Mendelssohn, Caesar Frank, Jehan Alain und Maurice Duruflé. Dabei wird Julia Kohlers Wirken am Spieltisch auf Leinwand im Altarraum übertragen. Für Silvester hat sie sich gemeinsam mit Pfarrer Holler ein besonderes Bonbon ausgedacht: Um 23.30 Uhr wird sie ein Orgelfeuerwerk entzünden und bei Glockengeläut um 24 Uhr mit den Zuhörern das neue Jahr begrüßen.

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber