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Gemeinderat Osterburken

Die Eiche ist die neue Buche

Bei der Waldbegehung standen der Klimawandel und der Umbau des Waldes auf der Tagesordnung

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Um den Klimawandel und den damit verbundenen Umbau des Waldes ging es bei der Waldbegehung des Osterburkener Gemeinderates. © Helmut Frodl

Mit dem wichtigen Thema des Klimawandels und dem damit verbundenen Umbau des heimischen Waldes auf zukünftig möglichst resiliente Baumarten befassten sich die Mitglieder des Osterburkener Stadtrates bei der diesjährigen Waldbegehung.

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Osterburken. Die führte bei hochsommerlichen Temperaturen in den Distrikt „Bödemlein“. Bürgermeister Jürgen Galm begrüßte neben Forstdirektor Jörg Puchta, Leiter der unteren Forstbehörde des Neckar-Odenwald-Kreis, Revierleiter Dietmar Heid, die anwesenden Stadträte und einige interessierte Bürger. „Neben der Veränderung des Klimas und der damit einhergehenden Veränderung der Wälder ist die akute Trockenheit ein Thema der heutigen Waldbegehung“ so Galm.

Angesprochen wurde auch der dringend benötigte Regen, welcher aber nicht oder nur sehr spärlich in den letzten Wochen im Bauland niedergegangen ist.

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Jörg Puchta meinte, man wolle sich in der Waldbegehung verstärkt dem Thema Klimawandel und der Einbringung und Förderung von zukünftig geeigneten Baumarten widmen. Man wolle die Gelegenheit nutzen, den Gemeinderat zu sensibilisieren und auf die notwendige Umgestaltung des Waldes vorzubereiten. Denn einige Baumarten wie Fichte und auch die bisherige Hauptbaumart Buche zeigen jetzt schon deutliche Absterbeerscheinungen und werden zukünftig wohl auf vielen Standorten nicht mehr gedeihen können.

Die Forstleute, so Heid, sind jetzt gefragt zu handeln. Ein abgängiger 190 Jahre alter Wald, welchen die Stadt Osterburken vom Land Baden Württemberg vor Jahren erworben hat, war wegen der damals geplanten Transversale bisher aus der Nutzung genommen. Da diese aber nun nicht gebaut wird, sei eine weitere sinnvolle Nutzung wieder möglich. Der Anlass, weswegen man heute vor diesem Waldstück stehe, war der Besuch eines Fachreferenten des Regierungspräsidiums Freiburg für Klimaentwicklung und Baumarten. Durch die immer stärkere und deutlicher festzustellende Veränderung des Klimas hin zu extremen sommerlichen Trockenphasen sei man intensiv auf der Suche nach geeigneten Baumarten, die dem Klimawandel standhalten.

Zu immensen Herausforderungen komme es im Stadtwald Osterburken, da große Buchenflächen sich von Natur aus wieder Richtung Buche verjüngen. Dies ist aus langfristiger Sicht wegen der Trockenheit sehr problematisch. Am Waldort habe man nach Überzeugung des Forstes die besondere Chance, einen Eichenjungwuchs zu fördern, der sich hier zwischenzeitlich natürlich angesamt habe. Die Eiche ist die heimische Laubbaumart, die dem Klimawandel wohl am besten standhält. Da hier Eichen und Buchen in der Naturverjüngung vorhanden sind, sollen im ersten Schritt die ab-gängigen Buchen und etliche Eichen gefällt werden. „Eine bedeutende Anzahl an Ökobäumen beider Baumarten möchten wir zur Sicherung der ökologischen Vielfalt unbedingt erhalten und schützen“, so Heid.

Wenn man allerdings die in der Jugend extrem lichtbedürftige Eiche verjüngen möchte, so muss man deutlich auflichten, um das Ziel zu erreichen. Eine aufwendige Eichenpflanzung erübrige sich allerdings. Der gegenüberliegende Eichenwald zeige, wie eine Eichenverjüngung gelingen kann.

Ähnlich werde auch das Waldstück, das jetzt verjüngt werden soll, in 30 bis 40 Jahren aussehen, sagte Heid. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Ernte sei auch, dass Eichenstammholz derzeit auf dem Markt gesucht ist wie noch selten und auch für die Buche können gute Preise erzielt werden.

Der Wechsel der Zielbaumart, besonders hier vor Ort auf die Eiche, sei dem Klimawandel geschuldet, sagte Puchta. So könne auch der Waldbesucher sehen, dass mehrere Bäume von der Baumkrone her dürr werden. Wenn auch noch die Rinde an der Buche abfällt, kann man darauf warten, dass in zwei Jahren das Holz entwertet ist und nicht mehr auf den Markt zu bringen ist. Wichtig für den Forst sei die Zustimmung des Stadtrates, denn hier werde vor Ort ein deutlich sichtbarer Eingriff in den Wald erfolgen. Die Nachhaltigkeit wird durch diese Maßnahme nicht in Frage gestellt. „Die Kernfrage ist, ob wir die Chance, die wir hier von der Natur geschenkt bekommen, zu einem Modell für die Zukunft gestalten wollen“ so Heid. Mit dem Hinweis, dass die Naturverjüngung sehr günstig, dafür aber die anfänglichen Pflegekosten etwas höher sein werden, endeten die Ausführungen hierzu.

Bürgermeister Galm wollte es nicht glauben, dass dieser Baumbestand fast 200 Jahre alt ist. Wie Puchta sagte, dürfte es jedem klar sein, dass unsere Enkel und deren Kinder den Wald, wie wir ihn so kennengelernt haben und noch sehen, wohl so nicht mehr erleben werden. Für ihn als Forstmann ist es klar, dass sich die Baumartenzusammensetzung bereits massiv verändert. Man werde dann bestimmt noch froh sein können, wenn man noch etwas „Grünes“ hat, das uns den Sauerstoff zum Leben liefert. Er wolle nicht den „Teufel“ an die Wand malen, aber man sei hier in einem Wald mit vielen Buchen, die aber langfristig wohl keine Zukunft mehr haben.

Blick auf das Klima der Zukunft

Die beiden Forstleute gingen dann auf die Klimaentwicklung ein. Man werde hier ein annähernd „mediterranes“ Klima bekommen, sagen die Berechnungen für die Zukunft voraus. Zudem werden sich hier neue bisher unbekannte Schadinsekten verbreiten. Durch den fehlenden Niederschlag, so Heid, werden einige Baumarten nach und nach verschwinden. Zudem werde der Regenmangel auch zu vermehrten Waldbränden führen. Wenn man sich dem Wissen stellt, dass das Klima nicht feuchter und kälter wird, müsse man mit dem Wissen von heute hier auf diesem Keuper-Standort auf die Eiche setzen, denn es gebe tatsächlich nur wenige Alternativen. Neben Hainbuche, Kirsche, Feldahorn und Elsbeere wird es Mischungen mit verschiedenen Nadelbaumarten wie Kiefer, Douglasie und Zeder geben.

Zur Schlussbesprechung im Gasthaus „Schwanen“ hatten die Teilnehmer nochmals die Gelegenheit, ein Resümee der Waldbegehung zu ziehen und letzte offene Fragen beantwortet zu bekommen. Hierbei konnte zumindest die extreme „Kehlentrockenheit“ durch ein kühles Getränk beendet werden! F

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