Neckar-Odenwald-Kliniken - Geplante Schließung der Geburtshilfe in Mosbach stößt auf Widerspruch / Protestaktion am Samstag Demo mit leeren Kinderwagen

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Sabine Braun und Sabine Braun
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Mit einem Demonstrationszug und leeren Kinderwagen soll am Samstag gegen die Schließung der Mosbacher Geburtshilfe protestiert werden. © Marcus Brandt/dpa

Mosbach. „Was ist das für ein Signal an die Bevölkerung, wenn es keine Geburtshilfe mehr in der Kreisstadt gibt? Kinder bekommen zu können gehört doch genauso zu einer guten Infrastruktur wie Kindergärten und Schulen!“ Das sagt die freiberufliche Mosbacher Hebamme Katharina Hübner angesichts der von der Klinikführung vorgeschlagenen Schließung der Geburtshilfe am Standort Mosbach der Neckar-Odenwald-Kliniken. Hintergrund sind die Geburtenzahlen, die Frage der Wirtschaftlichkeit, aber auch die Personalsituation auf der Station.

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Aufsichtsrat und Kreistag werden sich Ende des Monats mit der vorgesehenen Schließung, dem Konzept zur Umstrukturierung insgesamt und mit den aktuellen Zahlen der Kliniken beschäftigen.

Im Vorfeld wollen die Hebammen und viele weitere Unterstützer für den Erhalt der Geburtshilfe in Mosbach werben, denn das letzte Wort in der Sache sei noch nicht gesprochen.

Treffpunkt am Krankenhaus

Deshalb hat Berit Löhlein, eine junge Mutter, die das Thema als Herzensangelegenheit bezeichnet, für Samstag, 18. Januar, einen Protestzug angesetzt; auch die Kreisräte hat sie dazu eingeladen. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Krankenhaus, von dort aus soll die Demo – mit leeren Kinderwagen – auf den Mosbacher Marktplatz führen.

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Unterschriftenlisten gegen die Schließung kursieren ebenfalls bereits in Mosbach und Umgebung.

Aus Sicht von Katharina Hübner wäre die Schließung der Geburtshilfe ein Riesenverlust. Die von ihr betreuten Frauen hätten ihre Kinder bislang zum großen Teil in Mosbach zur Welt gebracht und seien immer „super zufrieden“ gewesen, berichtet sie auf Nachfrage. Es sei für sie sehr gut und wichtig, die Klinik als Partner zu haben: „Wenn es bei einer Schwangerschaft oder im Wochenbett Probleme gab, kann ich die Frau mal geschwind nach Mosbach schicken – das geht dann künftig nicht mehr“, sagt Katharina Hübner

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Generell ist es aus Sicht der Hebamme kaum zumutbar, mit Presswehen von Mosbach aus 30 Kilometer zu fahren, egal, ob nach Sinsheim, Buchen oder Heilbronn. Wobei Katharina Hübner klarstellt: „Wir wollen nicht, dass Buchen geschlossen wird und Mosbach bleibt: Beide Stationen sollen erhalten werden.“ Geburtshilfe gehöre zur Regelversorgung, und die müsse man aufrechterhalten, auch wenn man ein Minus produziere, zumal man in Mosbach einen „niegelnagelneuen“ Kreißsaal habe.

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Auch die Neckar-Odenwald-Kliniken wollen informieren (siehe nebenstehenden Bericht).

„Essentiell für die Stadt“

Mosbachs Oberbürgermeister Michael Jann findet, dass die Geburtshilfe „essentiell für die Stadt“ ist, nicht nur wegen der kurzen Wege. Wie hoch das Defizit der Geburtshilfe in Buchen und Mosbach ist, da habe er keinen Einblick, so Jann. Doch nach der Zahl der Geburten – Mosbach habe immer um oder über 600 pro Jahr gehabt – erschließe sich ihm nicht, warum man Mosbach schließen wolle. Buchen habe zuletzt 483 Geburten registriert.

Das Argument, man finde keine Hebammen für Mosbach, wollte Jann nicht gelten lassen: Wer Chefärzte gewinnen könne, werde auch Hebammen finden. Übereinstimmend fürchten Jann und die Hebammen, dass nur wenige Mosbacher Mütter künftig nach Buchen gehen würden – und der Kreis am Ende ganz ohne Geburtshilfe dasteht.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen

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