Amateurfunk - Im Ortsverband Taubertal-Mitte sind rund 50 Mitglieder organisiert / Technisches Basisinteresse die Grundlage, um aktiv mitwirken zu können Vom Hobby zur absoluten Leidenschaft

Von 
Klaus T. Mende
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Sie sind in rund 1000 Ortsverbänden bundesweit organisiert – und frönen ihrem großen Hobby: Amateurfunk.

Exponierter Antennen-Standort auf dem Wasserturm in Herbsthausen. © DARC-Ortsverband
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Main-Tauber-Kreis. Im Katastrophenfall greifen teils sogar die Behörden nach vorheriger detaillierter Abstimmung auf die Unterstützung der Funkamateure mit ihren analogen und digitalen Kommunikationskanälen zurück.

Technisch interessiert

Ihre Rufzeichen sind zum Beispiel „DL2SEK“, „DB6TR“ oder „DJ4WG“. Dahinter verbergen sich technisch interessierte und äußerst versierte Zeitgenossen, die unter dem Dach des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) ihre große Leidenschaft miteinander teilen. In diesem Fall sind’s konkret Michael Matthes, stellvertretender Vorsitzender, und Martin Löffler, Kassierer des Ortsverbandes Taubertal-Mitte, P56, sowie Werner Schmittner vom Nachbarortsverband.

Mit knapp 50 weiteren Mitstreitern ist es den beiden Igersheimern und dem Ochsenfurter gestattet, untereinander weltweit Funkverkehr zu betreiben – zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung, zur Völkerverständigung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen.

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König Carlos von Spanien, Carlos Menem, Priscilla Presley, König Fahd von Saudi Arabien, Stuart Granger, Marlon Brando, Sir Cliff Richard– all die Genannten verbindet oder verband die Passion zum Amateurfunk. Ebenso trifft’s vor allem auf Astronauten zu – selbst „Astro-Alex“ Gerst greift in seiner knapp bemessenen Freizeit gerne mal zum Funkgerät, um mit Gleichgesinnten rund um den Globus in Kontakt zu treten.

„Für viele von uns ist es weit mehr als ein Hobby“, sagt Michael Matthes im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. „Wer einmal zu uns gefunden hat, der bleibt gerne dabei – der eine mehr, der andere weniger.“ Amateurfunk könne da rasch zur echten Leidenschaft werden.

Mit Enthusiasmus dabei

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Michael Matthes kam 1990 dazu– und ist seitdem mit großem Enthusiasmus dabeigeblieben. Vor allen Dingen, weil er seit 1992 mit der höchsten deutschen Lizenz ausgestattet ist – und ihm so viele Tore offenstehen. Seit dieser Zeit ist er funktechnisch weltweit unterwegs, fachsimpelt mit seinesgleichen aus aller Herren Länder – Männer wie Frauen, Kindern wie Senioren.

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Matthes ist einer von etwa 64 000 Funkamateuren in Deutschland, von denen über 33 000 in rund 1000 Ortsverbänden des Deutschen Amateur-Radio-Clubs organisiert sind. Der Einzugsbereich des Ortsverbandes Taubertal Mitte umfasst übrigens einen Radius von etwa 40 Kilometern um Bad Mergentheim. Mitglied könne im Prinzip jeder werden – Mann wie Frau, gleich welchen Alters. Eine ganz wichtige Voraussetzung sei allerdings ein technisches Basisinteresse.

Einmal im Monat treffen sich die Enthusiasten des Amateurfunks persönlich, etwa im Vereinsheim in Herbsthausen – um zu diskutieren, sich auszutauschen und kommende Projekte zu besprechen, erzählt Michael Matthes. Häufiger trifft man sich natürlich im Äther. Ziel sei es dabei, möglichst breitgefächert aufgestellt zu sein, um sämtliche Interessen abzudecken. Schließlich wolle die Jugend genauso zu ihrem Recht kommen wie etwas „reifere Semester“. Und dies scheint gut zu funktionieren, ist sich der zweite Vorsitzende sicher.

Beim Ortsverband P56 genieße die Jugend- und Nachwuchsarbeit traditionell einen sehr hohen Stellenwert, lässt der passionierte Amateurfunker wissen. Dies basiere auf den drei Säulen Kinderferienprogramm, Elektronik-Bastel-Club und Jugend-Technikschule. „So können wir den Nachwuchs erreichen und für Technik begeistern.“

Im Bastel-Club gehe es vordergründig darum, Kindern und Jugendlichen die Welt der Elektronik nahezubringen und Selbige ihnen schmackhaft zu machen. Sie erhielten hierbei die Gelegenheit, kleine elektronische Schaltungen aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Darüber hinaus stünden unter anderem auch der Bau von Blinkschaltungen, Geräuschverstärkern, Radios oder auch Robotern auf der Agenda. Aus dem gleichen Grund kooperiere man auch mit der Jugend-Technikschule Taubertal. Schließlich gebe es in den Unternehmen einen erheblichen Fachkräftemangel, dem man entgegenwirken wolle.

In Markelsheim gegründet

Der Ortsverband P56 Taubertal-Mitte wurde am 12. Juli 1991 in Markelsheim aus der Taufe gehoben – als 56. Ortsverein im Distrikt P des DARC. Seitdem sind die Aktiven Besitzer einer eigenen Clubstation, nachdem man sich im Dorfgemeinschaftshaus in Herbsthausen eingemietet hatte.

Im Laufe der Jahre, der Ortsverband war mittlerweile im Reigen der Vereine längst fest verwurzelt, zementierten die Mitglieder von Taubertal-Mitte ihr Fundament in der Region immer fester. 2004 hatte sich auch erfolgreich ein Ballonteam konstituiert, das seither regelmäßig auf den Plan tritt und mehrfach im Jahr, bei den verschiedensten Anlässen, mit Kameras und anderen Messutensilien bestückten Stratosphärenballons bis in eine Höhe von 34 Kilometer steigen ließ. Lohn der Arbeit waren tolle Fotos aus dieser Höhe von der dünnen Erdhülle, aber auch andere hochinteressante Motive in Kombination mit Messergebnissen, die durchaus in der Wissenschaft ihre Nutzung und Anerkennung finden.

Mit Vorfreude blickt man bereits auf 2021, wenn der Ortsverband 30 Jahre alt wird.

Antennen auf Wasserturm

Um der Leidenschaft frönen zu können, bedarf es auch „exponierter Standorte“, sagt Michael Matthes gegenüber unserer Zeitung. Zu Selbigen gehört unter anderem der Wasserturm nahe Herbsthausen, auf dem die Funkamateure aus dem mittleren Taubertal, dank der Unterstützung des Stadtwerks Tauberfranken, ihre eigenen Antennen montieren durften, um mit Gleichgesinnten regional wie weltweit in Kontakt treten zu können, vornehmlich aber im Notfall ein vom Internet und der Stromversorgung unabhängiges Hochgeschwindigkeitsdatennetzwerk zur Verfügung zu haben. Diese Möglichkeit kann in Notfällen auch dem Stadtwerk Tauberfranken zur Verfügung gestellt werden, um eine weitere Art der Kommunikation zu haben.

Die Passion am Hobby, sei ein Aspekt, lässt Michael Matthes wissen, der sein Funkgerät übrigens oft mit in den Urlaub nimmt, um auch dort aktiv zu werden und Kontakte zu pflegen oder neue zu knüpfen. Andererseits im Notfall aber auch einen Beitrag zu leisten und mit dem eigenen Hobby und technischem Wissen unterstützen zu können, ist ein anderer.

Und wieso ist das erforderlich – zum Beispiel bei einem flächendeckenden Stromausfall? Hierbei würden Teile der Kommunikationsinfrastruktur nur noch zeitlich begrenzt oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen, weiß der leidenschaftliche Funkamateur aus Igersheim. Internet und Telefon wären bei so einem Ereignis schnell überlastet und würden teilweise nicht mehr funktionieren. Bei einem solchen Krisenszenario stelle der Amateurfunk eine wichtige „Ergänzung des Katastrophenschutzes dar“. Wie man auch schon oft aus den Medien gehört hat, stellen Funkamateure oftmals die ersten Kommunikationswege, etwa nach Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis und Hochwassern oder Hurrikane, her. Denn mit den batteriebetriebenen Geräten der Funkamateure könne Kommunikation in den Einsatzgebieten durchgeführt und Notrufe abgesetzt werden, wenn Handynetz und Festnetztelefonie längst zusammengebrochen seien.

Weiteres Funknetz

Ganz aktuell befasst dich der Ortsverband intensiv mit einem weiteren Funknetzwerk, dem LoRaWAN, das im ISM-Band bei 868MHz betrieben wird. Hierüber werden extrem stromsparende und weitreichende Datenübertragungen möglich gemacht. Vernetzt werden vornehmlich unterschiedlichste Umweltsensoren, die Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchte, aber auch Luftverschmutzung oder den Wasserpegel von Gewässern erfassen und in unterschiedliche Sensornetzwerke schicken. Hier sind dem Elektronikbastler- und Programmiererherz nahezu keine Grenzen gesetzt. Ziel im Ortsverband ist hier ein regional flächendeckendes Netzwerk aufzubauen.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt