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AV Dual - Junge Menschen mit und ohne Schulabschluss werden engmaschig betreut. Ziele sind Schulabschluss und Ausbildungsfähigkeit

Zweig an Beruflichen Schulen ist eine echte Erfolgsgeschichte

Von 
Heike von Brandenstein
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Kleine Kunstwerke sind nach dem Vorbild von Niki de Saint Phalles „Nanas“ in der Werken-Werkstatt mit viel kreativem Geschick entstanden. © Heike von Brandenstein

Individuelle Betreuung, Gespräche über Ziele und Träume sowie eine gemeinsame Lösungssuche auf dem Weg in die Zukunft: Wer wünscht sich das nicht als Eltern für seine Kinder? Beim Modellprojekt AV Dual gilt: Keiner soll verloren gehen.

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Main-Tauber-Kreis. Viele Schülerinnen und Schüler haben während der Corona-Zeit gelitten. Entweder wurde während der Lockdowns ausschließlich auf Fernunterricht oder aber auf den Wechsel von Lernen in der Schule und am Bildschirm gesetzt. „Ich bin einer, der nicht alleine zu Hause lernt“, blickt Fabio auf seine Erfahrungen zurück. Vor der Pandemie hatte er recht gute Noten, während der Homeschooling-Phase sind sie rasant nach unten gesaust, berichtet der ehemalige Realschüler.

Die Frage war nun, was er tun sollte. Weiter zur Realschule gehen und eine Klasse wiederholen oder sich für den Hauptschulabschluss entscheiden? Letztlich landete er bei AV Dual. Das Modellprojekt heißt offiziell „Neugestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf“. In 29 von 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg wurden zum Schuljahr 2014/2015 Modellregionen eingerichtet, der Main-Tauber-Kreis ist seit dem Schuljahr 2020/21 dabei. Am Beruflichen Schulzentrum Wertheim, der Gewerblichen Schule Tauberbischofsheim und der Schule für Ernährung, Pflege, Erziehung Bad Mergentheim werden entsprechende Klassen angeboten.

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„Ziel ist es, schwächere Jugendliche individuell so zu unterstützen, dass sie eine Berufsausbildung beginnen können. Es geht um eine systematische Berufsorientierung, bei der das regionale Übergangsmanagement die Projektsteuerung innehat“, so Kathrin Stephan, die diese Stelle beim Landratsamt besetzt. Judith Raith ist AV-Dual-Begleiterin und am Beruflichen Schulzentrum Wertheim im Einsatz. Sie kennt ihre Schützlinge und oft auch die Familien sehr gut.

„Bei uns ist alles sehr bunt gemischt. Manche haben die Schule nach neun Jahren beendet, haben jedoch die zehnjährige Schulpflicht zu erfüllen. Einige haben einen Abschluss, andere wiederum nicht. Deshalb liegt die Altersspanne bei uns auch zwischen 15 und 23 Jahren.“ Im Schuljahr 2020/21 hätten 66 Prozent derjenigen, die ins AV-Dual gemündet sind, keinen Schulabschluss gehabt, was Raith auf die Corona-Situation zurückführt.

Rund 200 Schülerinnen und Schüler nehmen kreisweit in 13 Klassen das AV-Dual in Anspruch. Entweder sie besuchen die Klasse für ein Jahr und beginnen dann eine Ausbildung, oder sie wählen die zweijährige Variante. Dabei absolvieren sie AV-Dual als erstes Jahr der zweijährigen Berufsfachschule mit dem Ziel, den Schulabschluss zu erlangen.

Für die 17-jährige Leni stellt das schulische Angebot eine echte Chance dar. Sie war in der Realschule in der Hauptschulklasse, auf ihrem Abschlusszeugnis standen nicht besonders gute Noten, berichtet sie. Die will sie jetzt verbessern und sich gleichzeitig beruflich orientieren. „Bei mir stand die Berufsberatung im Vordergrund“, sagt sie, denn sie wusste eigentlich gar nicht, in welche Richtung sie sich entwickeln will. An den Pflegebereich hatte sie gedacht, weshalb sie Praktika im Krankenhaus und in einem Ärztezentrum absolviert habe. Dort hat sie festgestellt: „Das ist nicht meine Richtung.“ Jetzt strebt sie eine Lehre im Einzelhandel an. Das sei ein vielseitiger Beruf mit Kontakt zu Menschen, hat sie jetzt ihren Weg gefunden.

Daniel, 18 Jahre alt, hat seinen Ausbildungsvertrag bereits in der Tasche. Auch er gehört zu den vielen, die keinen Plan für ihre Zukunft hatten. Da bei AV-Dual sowohl Schule als auch Praxis geboten werden, absolvierte er sein Praktikum bei Kurtz Ersa. Das hat ihm Spaß gemacht und auch die zwei folgenden Blockpraktika und der wöchentliche Praktikumstag führten ihn in das Unternehmen und verschafften ihm letztlich den Ausbildungsplatz.

Festes Bindeglied

Zwei Vollzeitstellen stehen momentan für die AV-Dual-Begleitung im Kreis zur Verfügung, ab dem kommenden Jahr werden es 2,5 Stellen sein. Dezernentin Ursula Mühleck hatte bei den Kreisräten für die Aufstockung geworben, weil AV-Dual ein echtes Erfolgsmodell sei. „Das große Plus bei AV-Dual sind die Begleitkräfte“, sagt auch Projektleiterin Stephan. Sie fungierten als festes Bindeglied zwischen Schule und Praktikumsbetrieben und begleiten die Schülerinnen und Schüler engmaschig.

Bei AV-Dual handelt es sich um eine Vollzeitschule, die täglich um 14.30 Uhr endet. Deutsch, Mathematik und Englisch sind Kernfächer, daneben gibt es Praxistage in der Schule, die Fachlehrer in den Sparten Einzelhandel, Glas, Holz, Werken, Metall oder Nahrung anbieten. An drei Theorietagen ist Unterricht, einer gehört der Praxis in der Schule und einer findet im Praktikumsbetrieb statt.

Mittlerweile führt das AV-Dual-Team schon eine recht beachtliche Betriebsdatenbank. Rund 80 Unternehmen sind samt Kontaktdaten eingepflegt. „Die Crux ist, den richtigen Praktikumsplatz für den richtigen Schüler zu finden“, beschreibt Judith Raith die größte Herausforderung. Sie führt deshalb viele Gespräche, bei denen es um das Thema Durchhalten geht. „Jeder Job hat immer auch Seiten, die keinen Spaß machen“, vermittelt sie und hat damit meist auch Erfolg.

Immerhin haben 48 Prozent der Absolventen des Modellprojekts oder 79 junge Menschen einen Ausbildungsplatz gefunden, 71 von ihnen im Praktikumsbetrieb. Beim Übergang in die Ausbildung steht der Main-Tauber-Kreis damit 15 Prozent über dem Durchschnitt aller Modellregionen im Land. AV-Dual darf somit als gelungenes Konzept gelten, das ab dem Schuljahr 2025/26 flächendeckend in Baden-Württemberg eingeführt werden soll.

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber

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