Gemeinderat

Wittighäuser Gemeinderat setzt Zeichen für Naturschutz

Gremium beschloss mehrheitlich den Planentwurf zur Flurneuordnung „Insinger Bach“ auf Gemarkung Unterwittighausen.

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Peter D. Wagner
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Mehrheitlich hat der Gemeinderat Wittighausen den Planentwurf zur Flurneuordnung „Insinger Bach“ auf Gemarkung Unterwittighausen bewilligt. © Peter D. Wagner

Wittighausen. Mehrheitlich hat der Gemeinderat Wittighausen in seiner Sitzung am Dienstag den Planentwurf zur Flurneuordnung „Insinger Bach“ auf Gemarkung Unterwittighausen bewilligt. Auslöser für die Flurneuordnung entlang dieses Bachabschnittes zwischen Ortsrand Unterwittighausen und bayerischer Landesgrenze war, dass Biberbauten zu Überflutungen angrenzender Ackerflächen und folglich zu Beschwerden betroffener Grundstückseigentümer geführt hatten (die FN berichteten mehrmals). Bei einem Ortstermin mit den betroffenen Landwirten, dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium Stuttgart wurde im Jahr 2015 auch vor dem Hintergrund der Gewässerrandstreifenproblematik die Idee entwickelt, in diesem Bereich eine Flurneuordnung durchzuführen.

Aufwertung des Areals

Zweck dieses Konzeptes ist es, die betroffenen Flurstücke und Randstreifen des Insinger Baches durch Neuordnung sowie damit einhergehenden Flächentausch in das Eigentum des Landes Baden-Württemberg oder der Gemeinde Wittighausen übergehen zu lassen. Ziele des Flurneuordnungsverfahrens einschließlich einer Wege- und Gewässerplanung (WuG) sind neben der Vorbeugung weiterer Konflikte mit der zunehmenden Biberbesiedlung und -population ebenso eine ökologische Aufwertung durch Wiederherstellen der Durchgängigkeit des Gewässers, der Anlage von Gewässerrandstreifen als Pufferzonen entlang des Bachabschnittes sowie eine Neuordnung der oft kleinteiligen Flächenparzellen. Einhergehend soll das Flurbereinigungsgebiet unter Berücksichtigung der bestehenden Landschaftsstrukturen neugestaltet werden. Dabei sollen wiederum Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft nachhaltig gesichert werden.

In der Gemeinderatssitzung stellte Jörg Hammerl vom Vermessungs- und Flurneuordnungsamt des Main-Tauber-Kreises die bisherigen Planungen vor. Der WuG-Planentwurf sieht beispielsweise zwei mit Schotter befestigte Wirtschaftswege im Gewann „Ried“ vor, die ganzjährig mit Arbeitsmaschinen befahrbar sind und überwiegend zum Abtransport der im Norden angebauten Feldfrüchte dienen. Die Verlegung des bestehenden Schotterwegs sei aufgrund der am Ried vorherrschenden Staunässe und Überflutungen erforderlich, die eine ordnungsgemäße Nutzung erschweren, erklärte Hammerl. Einige Diskussionen gab es unter anderem über die Linienführung dieser beiden vorgesehenen Feldwege.

Landschaftsplanung

Bei der Landschaftsplanung gebe es derzeit drei „Fokus-Bereiche“. Für den Bereich „Oberer Weibert“ sind Aufwertungen eines ehemaligen Ackers zur Feucht- oder Nasswiese für die Erhöhung der Artenvielfalt sowie einer weiteren Fläche zur artenreichen Fettwiese als Puffer- und Grünlandzone beabsichtigt.

Im Bereich „Furchbrücke“ sind Gebüsch- und Schutzstreifen, Uferausbuchtungen und -abflachungen, eine Ruderal- und Entwicklungsfläche sowie eine Aufwertung zur artenreichen Feuchtwiese vorgesehen.

Im Bereich „Mühlberg“ stehen die Sicherung und Pflege inklusive ein punktueller Optimierungsbedarf sowie eine weitere Aufwertung und Entwicklung des Biotopkomplexes nach Osten im Mittelpunkt der Dispositionen.

Aufgrund der geplanten ökologischen Maßnahmen könne sich der Zuschuss des Landes von 60 auf 75 Prozent für die Umsetzung der gemeinschaftlichen Anlagen – also vor allem für den Wegebau – erhöhen, berichtete Hammerl. Darüber hinaus werden rund 190 000 Ökopunkte für das Ökopunkte-Konto der Gemeinde Wittighausen zum Beispiel für die Einrichtung von Neubaugebieten generiert. Hierzu müsse die Gemeinde jedoch die dazugehörigen Maßnahmen umsetzen und auch zu 100 Prozent finanzieren, da es dafür keinen Zuschuss vom Land gebe.

Im Detail stimmte der Gemeinderat mehrheitlich bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung dem vorliegenden Planentwurf einschließlich des Kosten- und Finanzierungsplans zu. Ebenfalls mehrheitlich bei zwei Neinstimmen wurde die Linienführung und der Ausbaustandard der im Planentwurf ausgewiesenen öffentlichen Feldwege beschlossen. Einhellig entschied sich das Gremium für die Verpflichtung der Gemeinde, die in dem aufgestellten Pflegeplan festgelegten Maßnahmen zur nachhaltigen Sicherung zu übernehmen.

Der weitere Zeitplan für dieses interdisziplinäre Flurneuordnungsprojekt „Insinger Bach“ beinhalte als nächste Schritte zum einen voraussichtlich 2023 die abschließende Genehmigung des WuG-Plans, teilte Jörg Hammerl mit. Zudem sei die bauliche Umsetzung der geplanten Maßnahmen für die Jahre 2024/2025 avisiert.

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