Land und Leute - Der gebürtige Lindelbacher Professor Dr. Gerd Fätkenheuer arbeitet als international anerkannter Infektiologe an der Uniklinik Köln Zur Freude der Eltern „umgeschwenkt“

Von 
Klaus T. Mende
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Kompetentes Trio: Professor Dr. Gerd Fätkenheuer (Mitte) zusammen mit Professor Dr. Florian Klein, Direktor des Institutes für Virologie an der Uniklinik Köln und weltweit anerkannter Forscher auf dem Gebiet der Immuntherapie von Infektionskrankheiten, sowie Professor Dr. Clara Lehmann, Oberärztin an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln und eine enge Mitarbeiterin. © Uniklinik Köln

„Ich würde fast alles wieder so machen“ – für Professor Dr. Gerd Fätkenheuer ist die Arbeit gleichermaßen Beruf und Berufung. Der Lindelbacher gilt als bundesweit anerkannter Infektiologe.

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Köln/Lindelbach. Vom Abiturienten des Wertheimer Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zum erfolgreichen Grundlagen-Wissenschaftler, dessen Engagement und Meinung weit über Deutschlands Grenzen hinaus geachtet und geschätzt werden – der 65-Jährige hat sich Stufe für Stufe die Karriereleiter nach oben gearbeitet und war bereits an zahlreichen Studien maßgeblich beteiligt.

An der Uniklinik Köln ist Fätkenheuer seit mehr als drei Jahrzehnten als klinischer Infektiologe tätig und befasst sich dabei vor allem mit Diagnostik, Therapie und Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Nachdem in früheren Jahren vor allem die Behandlung von HIV-Erkrankungen einen Schwerpunkt seines Tuns bildeten, sei die Entwicklung in Sachen Corona in den letzten Monaten mehr und mehr in den Fokus gerückt, erzählt der Mediziner im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

„Ich bin in einfachen Verhältnissen – mein Vater war Schreiner – im beschaulichen Lindelbach aufgewachsen“, blickt der Wissenschaftler zurück. Dort habe er auch seine spätere Frau kennengelernt, „mit der ich heute noch verheiratet bin“, lacht Professor Fätkenheuer. Er begann zunächst in Tübingen, Germanistik und Philosophie zu studieren, um schnell zu der Erkenntnis zu gelangen, dass „ich etwas Bodenständigeres machen wollte“. Und so sei rasch die Medizin ins Spiel gekommen.

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„Hierzu hatte ich einen Bezug, zumal ich zu Schülerzeiten schon mal in der Pflege ausgeholfen habe und auch in die Medizin reinschnuppern durfte. Dadurch wurde mein Interesse geweckt“, erzählt der Wahl-Kölner. „Deswegen bin ich umgeschwenkt – sehr zum Wohlgefallen meiner Eltern.“ Somit sei die Basis dafür gelegt worden, um auf dem Medizinsektor durchzustarten.

Verschieden orientiert

„Ich hatte zunächst gar nicht mal so an die Wissenschaft gedacht. Deswegen habe ich mich in verschiedene Richtungen orientiert“, macht Fätkenheuer deutlich, der in der Rheinmetropole zunächst an einem kirchlichen Krankenhaus angestellt war, im Fach Radiologie begann, um dann zur Inneren Medizin zu wechseln.

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„1987 erhielt ich per Zufall ein Angebot der Uniklinik Köln, das mich vor allem inhaltlich interessiert hat.“ Dies sei jene Zeit gewesen, in der die HIV-Infektionen hierzulande dramatisch zugenommen hätten – und für ihn habe sich die Chance ergeben, an einer umfassenden klinischen Studie zum Thema HIV mitzuwirken – der Beginn seiner erfolgreichen wissenschaftlichen Tätigkeit über Jahrzehnte mit Schwerpunkt Aids. Darüber hinaus hätten sich so im Laufe der Jahre immer neue Möglichkeiten ergeben den eingeschlagenen Weg weiter zu begehen.

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„Ich bin eigentlich ein sehr untypischer Fall für einen Professor an einer Uniklinik“, denn ein solcher beschreite im Normalfall „einen geraderen Berufsweg“, erklärt Gerd Fätkenheuer weiter im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe das zunächst überhaupt nicht angestrebt, denn „ich hatte nie das Ziel, Professor zu werden“. Und dennoch sei’s die richtige Entscheidung gewesen. Denn die Tätigkeit habe viel Spaß gemacht, er habe sie „interessant und spannend“ empfunden und viel beitragen können.

„Ich bin Wissenschaftler, aber auch Arzt. Denn ich habe diese Verbindung immer gesucht“, erklärt der gebürtige Lindelbacher, seit 2003 anerkannter Infektiologe, den Reiz seines breitgefächerten Engagements im Dienste der Medizin – und damit der Gesellschaft. Er genieße es, nicht im Labor, sondern in der klinischen Forschung tätig zu sein, um so „neue Therapieverfahren an die Patienten heranzubringen“. Dies sei gerade bei Aids unheimlich wichtig gewesen.

1987 habe dies meist noch bedeutet, Patienten palliativ begleiten zu müssen. Im Laufe der Jahre seien die Therapieverfahren aber immer besser und genauer geworden, mit dem Ergebnis, dass „wir diese Erkrankung inzwischen bestens behandeln können und kaum mehr ein Mensch daran stirbt.“ Es sei für ihn sehr befriedigend, bei dieser Entwicklung mit dabei gewesen zu sein und „vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas mitgeholfen zu haben“.

Die Arbeit als Infektiologe von internationaler Reputation war für Professor Dr. Fätkenheuer immer „eine große Herausforderung“ – bis in die Gegenwart mit der Corona-Krise.

Bis HIV habe es dieses Fach hierzulande gar nicht gegeben, ehe man gemerkt habe, dass es gut sei, wenn Experten da wären, „die sich damit besonders auskennen“. Wenn man sich damit befasse, sei es möglich, hilfreich zu sein, Gutes zu tun – und könne Kollegen und Mediziner beraten. Daraus habe sich „eine breite klinische Tätigkeit entwickelt“, wobei die Uniklinik Köln auf diesem Gebiet unter seiner Ägide die Führungsrolle übernommen habe.

„Ein tolles Gefühl“

Und wenn dann eine Infektionskrankheit wie Corona auftrete, „sind wir auch die Ersten, die sich damit befassen.“ Wenn man dann noch mit Erfolg an einer internationalen klinischen Studie mit dem Medikament Remdesivir beteiligt sei, dann sei dies „ein tolles Gefühl“ – trotz des Umstandes, dass „ich mich von Grund auf als kritischer und vorsichtiger Mensch einschätze.

„Ich bereue überhaupt nichts von dem beruflichen Weg, den ich gegangen bin“, geht der Blick des 65-Jährigen auf seine Anfänge als Mediziner zurück. Er würde aber keinem jungen Menschen raten, dies auch so zu machen, denn die Zahl jener, die scheitern würden, wäre recht hoch. „Heutzutage werden hohe Karrierestufen nur dann noch erreicht, wenn sich derjenige frühzeitig gezielt auf eine Sache stürzt.“ Genau das habe er nicht getan, sondern die Dinge auf sich zukommen lassen. Sei es dann interessant geworden, „habe ich mich reingehängt“. Das Einzige, das er etwas bedauere, sei die Tatsache, dass er nicht, wie viele seiner Kollegen, für längere Zeit ins Ausland gegangen sei, um dort Erfahrungen zu sammeln.

Privat hat sich Familie Fätkenheuer im Rheinland längst gut eingelebt. „Ich bin schon deshalb Kölner, weil wir so lange hier leben und unsere Kinder hier geboren wurden“, sagt der erfahrene Infektiologe. „Was die Mentalität angeht, bin ich allerdings kein Kölner – ich bin nämlich überhaupt kein Karnevalsmensch.“

Je länger er aus der alten Heimat weg sei, desto größer sei die Sehnsucht nach Lindelbach und diese Landschaft. Er findet es großartig, was sich dort in all den Jahren entwickelt habe – und er erinnert sich oft an diese Zeit dort zurück. „Ich bin immer gerne zu Hause gewesen bei meinen Eltern.“ Doch nachdem der Vater inzwischen gestorben und die Mutter weggezogen sei, gebe es keinen direkten Bezug mehr dorthin – „und das fehlt mir schon“.

„Meine Frau würde sagen, der Beruf sei für mich Berufung“, schmunzelt Gerd Fätkenheuer abschließend. Die Zeit, mal richtig abzuschalten, sei dementsprechend knapp bemessen. Doch wenn er sie hat, hört er gerne klassische Musik, fährt Rad, geht Wandern, kocht oder isst gut. „Dies ist schon wichtig“ – auch um aufzutanken für jene neuen Herausforderungen, die in absehbarer auf ihn in der Uniklinik Köln warten.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt