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Ortsverband der Grünen

Ideen für ein Wertheim mit Zukunft

Vorstellung der bei der Gemeinderatsklausur gesammelten Denkanstöße

Von 
Matthias Ernst
Lesedauer: 
Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat spricht sich für den Ausbau der Windkraftanlagen im Stadtgebiet aus, so wie hier bei Höhefeld. © Matthias Ernst

Wertheim. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Wertheimer Gemeinderat hat sich viele Gedanken gemacht, wie man Wertheim für die Zukunft fit machen kann. Bei einem Pressegespräch stellten Richard Diehm, Maria Elisabeth Teicke und Birgit Väth die Ideen vor, die sie bereits im März bei der nichtöffentlichen Gemeinderatsklausur in Dertingen den anderen Ratsmitgliedern präsentiert hatten.

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Insgesamt sechs Handlungsfelder sieht die Fraktion. Neben Umwelt und Verkehr sind es Möglichkeiten zur Belebung der Altstadt in der Stadt und der Altorte in den Ortsteilen, ökologische und nachhaltige Wirtschaftsförderung, mehr Effizienz in der Verwaltung der Stadt sowie der Bereich Kultur, Soziales und Gesundheit.

Wie Fraktionsvorsitzender Richard Diehm verdeutlichte, seien bei einigen Punkten schon Fortschritte gemacht worden. Andere Themen würden aber geflissentlich übersehen. Oder man wolle vonseiten der anderen Fraktionen im Gemeinderat nicht an die Themen herangehen.

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Veröffentlicht
Von
Kai Grottenthaler
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Positiv wurde bewertet, dass die Verantwortlichen der Stadtverwaltung mittlerweile erkannt hätten, dass die Energiewende nur passieren könne, wenn man die Flächen für Windkraftanlagen und Photovoltaik weiter ausbaue.

Wie an dem Abend deutlich wurde, kann man sich seitens der Grünen sehr wohl vorstellen, in den umliegenden Wäldern Windkraftanlagen zu errichten. Die vorgesehenen Anlagen in Dertingen und das Repowering bei Höhefeld werden grundsätzlich positiv gesehen. Doch auch die vorgesehenen Flächen am Reinhardshof und bei Dörlesberg sieht man als grundsätzlich geeignet an. Weitere Flächen sollten allerdings untersucht werden, so die Forderung der Grünen im Gemeinderat.

Eine Köte muss man schlucken

Klar tue man sich schwer, bestehenden Wald zu fällen. Aber für die Stromerzeugung müsse man mindestens eine Kröte schlucken, so Diehm.

Positiv steht man auch der Ausweitung von Freiflächenphotovoltaik gegenüber. Allerdings mache es bei der zunehmenden Trockenheit in hiesigen Breiten keinen Sinn, die besten Ackerböden zu opfern, wurde erklärt. Viel mehr sollte man auf minderwertige Böden ausweichen und dort Strom erzeugen. An dieser Stelle lobte Maria Teicke die Zusammenarbeit mit den Ortschaften, die sich sehr positiv bei der Findung von geeigneten Flächen einbringen würden. Hier habe sie einen Wandel gegenüber Äußerungen in den vergangenen Jahren entdeckt.

Wichtig bei der dezentralen Stromerzeugung sei allerdings, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Die Stadtwerke sollten nach Möglichkeit immer mit im Boot sein, erläuterte Birgit Väth. Bei den geplanten zentralen Hackschnitzelheizungen in Höhefeld oder Lindelbach seien die Stadtwerke federführend mit dabei. Das wertete man als positives Signal.

Kritisiert wurde, dass die Stadt noch kein Jobticket für ihre Mitarbeiter anbietet. Gerade das 9-Euro-Ticket habe gezeigt, wie ein günstiges Erreichen des Arbeitsplatzes ermöglicht werden könne. Der Landkreis biete seinen Mitarbeitern diese Möglichkeit, so Birgit Väth. Da könne die Stadt doch wohl auch mitziehen.

Zusätzlich solle aber geprüft werden, ob man nicht ein Job-Fahrrad für die Mitarbeiter der Kommune bieten kann. An ihrem Arbeitsplatz in der Rotkreuzklinik habe sich diese Art der Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits bewährt. Sie sehe aktuell sehr viel Kollegen und Kolleginnen mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, so Väth.

Gewünscht wird auch ein nachhaltiges und pragmatische Bauen durch die Stadt. Hier habe diese schon reagiert und vieles angestoßen. Ausbaufähig sei allerdings das Beseitigen von Leerständen in der Altstadt. Die Forderung nach einem „Leerstandsmanager“ ist nicht neu, wurde aber erneut formuliert. Außerdem solle die Stadt oder die Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg) mit dem Erwerb von Gebäuden dafür sorgen, dass bezahlbarer Wohnraum in Wertheim möglich wird.

Die Altstadt werde zusehends zu einem „Disneyland für Touristen“, so die Beobachtungen der drei Grünen-Gemeinderatsmitglieder. Sie müsse dringend besser zum Einkaufen und Nutzen für die Einheimischen umgebaut werden. Dazu sollte man auch das Fahrradfahrverbot kippen, damit die Menschen mit ihrem Rad zum Einkaufen in die Altstadt fahren können. Natürlich gehöre dazu dann auch der Aufbau einer entsprechenden Parkinfrastruktur für Radfahrer, die man sich beispielsweise in der Altstadt-Tiefgarage vorstellen kann.

Zusätzlich sollten die Zugänge zu den Geschäften in der Innenstadt barrierefrei zugänglich sein und nicht durch Treppen erschwert werden. Schließlich würde die Bevölkerung immer älter und damit weniger mobil. Ein Bebauungsplan für das Gebiet der Altstadt würde viele Bauentscheidungen vereinfachen, waren sich dir drei Gemeinderatsmitglieder einig. Dann müsste nicht jede Entscheidung einzeln vom Gemeinderat beraten werden und die Verwaltung würde entlastet.

Mehr Aufenthaltsqualität

Potenzial für mehr Aufenthaltsqualität in der Altstadt sieht man auch an der Mainspitze. Durch die Entsiegelung von Parkplätzen könnte man das Areal ansehnlicher gestalten und das „Einfallstor“ in die Stadt für Schiffstouristen und Einheimische noch attraktiver gestalten.

Thema war auch die Weiterentwicklung der Ortschaften. Hier könnte eine Sanierungsberatung für Bauwillige dazu führen, dass nicht weitere Flächen versiegelt werden, sondern Altbauten sinnvoll weitergenutzt werden können.

Die Forderung nach Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet wurde genauso angesprochen, wie die seit langem bestehende Forderung nach Tempo 30 im Berliner Ring auf dem Wartberg. Man könne mit einem Tempolimit in den Abend- und Nachtstunden beginnen, lautete ein Kompromissvorschlag. Denn man habe gemerkt, dass es im Gemeinderat bei diesem Punkt bisher keine Mehrheit gab.

Erneut aufs Tablett kam auch der Wunsch nach einem Aufzug auf die Burg Wertheim. Der soll durch den Berg von der Tiefgarage aus bis unter den Brunnen mitten in der Burg geführt werden. Man will damit den Besucherstrom zu dem Bauwerk noch einfacher regeln, nachdem die Burgbahn nicht mehr für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Einen Schrägaufzug lehnt man aber ab.

Auch die Forderung nach Entbürokratisierung der Verwaltung ist nicht neu, bleibt aber eine zentrale Forderung der Fraktion der Grünen. Dazu soll auch eine Evaluierung der Verwaltungsarbeit beitragen. Überhaupt wünscht man sich vonseiten der Grünen mehr evidenzbasierte Daten, um Entscheidungen im Gemeinderat besser treffen zu können. Vor allem im Hinblick auf die in Kürze anstehenden Haushaltsberatungen sieht man großen Bedarf an Information. Schließlich soll die Stadt sich fit machen für die Zukunft, die angesichts der Energiekrise nicht einfach werde.

Richard Diehm sieht beispielsweise die Glasindustrie vor großen Problemen. Da fast die gesamte Fertigung auf Gas angewiesen ist, werde es hier eventuell auch zu Einschränkungen kommen, inklusive Auswirkungen auf den städtischen Haushalt, befürchtet der Fraktionsvorsitzende: „Da habe ich echt Bauchweh.“

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