Naturschutzgebiet „Brachenleite“ - Neue Schilder an allen Zugängen des Areals aufgestellt / 818 Tier- und Pflanzenarten auf der Liste Schutz von Fauna und Flora im Fokus

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Fabian Greulich
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Blick auf das Tauberbischofsheimer Naturschutzgebiet „Brachenleite“: Schwertransporte, Motorräder und Quads haben dort nichts zu suchen – ansonsten drohen Bußgelder. © Udo Fehringer

Tauberbischofsheim. Mit Gemeinderatsbeschluss vom 22. Oktober 2019 wurde festgelegt, dass die Wege im Naturschutzgebiet Brachenleite in Zukunft nur noch beschränkt öffentlich als Rad- und Wanderwege genutzt werden können (die FN berichteten).

Schutzgebiet „Brachenleite“

Ende 2014 wurde der frühere Standortübungsplatz vom Regierungspräsidium Stuttgart zum Naturschutzgebiet erklärt. „Allein die hohe Anzahl seltener Tier- und Pflanzenarten, die kurz nach der Schließung der Kaserne vorgelegen haben, machte eine Ausweisung zum Naturschutzgebiet unumgänglich“, betonen die Verantwortlichen.

Ein wichtiger Schutzzweck des Naturschutzgebiets ist unter anderem der Erhalt des Kreuzenzian-Ameisenbläulings. Die seltene Schmetterlingsart komme nur an wenigen Orten in Baden-Württemberg vor. Für den Fortbestand dieses Bläulings ist das Vorhandensein des Kreuzblättrigen Enzians und einer bestimmten Ameisenart ebenso wichtig wie die richtige Pflege zum richtigen Zeitpunkt.

Die Schafbeweidung findet auf den Feldern mit Kreuzenzian-Vorkommen erst im Spätsommer statt, wenn die Raupen die Enzianblüten verlassen haben und im Ameisennest angekommen sind. Somit wird der Fortbestand des Bläulings nicht nur durch die Ameisen, sondern auch die späte Beweidung durch Schafe unterstützt.

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Damit ist die Durchfahrt für alle motorisierten Fahrzeuge verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Bußgeldern geahndet.

„Der Durchgangsverkehr mit Schwertransportern sowie das Befahren der Wege mit Quads und Motocross-Maschinen ist ebenfalls nicht mehr erlaubt. Ausnahmeregelungen sind in einzelnen, begründeten Fällen jedoch möglich“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

Nachdem alle Versuche, die missbräuchliche Nutzung der Straßen und Wege abzustellen, ins Leere gelaufen waren, sahen sich Stadt und Gemeinderat zum Handeln gezwungen. Das Straßengesetz für Baden-Württemberg war dabei hilfreich. Dieses bietet Kommunen die Möglichkeit zur „Einziehung von Straßen, die für den Verkehr entbehrlich sind“ (Paragraf 7).

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Im Fall „Brachenleite“ waren die Voraussetzungen gegeben – nämlich sowohl für die sogenannte Einziehung als auch für die Widmung als „beschränkt öffentliche Wege mit der Zweckbestimmung als Rad-, Wander- und sonstige Fußwege zu dienen“. Sämtliche bestehenden Wege in dem Gebiet seien entbehrlich, weil für sie jede öffentliche Verkehrsbedeutung fehle, hieß es. Unter dem Strich stehe der Schutz des Gebiets über dem bisherigen Gemeingebrauch.

Wie Bürgermeisterin Anette Schmidt in der damaligen Sitzung betonte, schaffe man mit der neuen Regelung immerhin den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit. Damit gebe es eine rechtliche Handhabe, um gegen das unerlaubte Einfahren in das Naturschutzgebiet vorgehen und gegebenenfalls Bußgelder verhängen zu können. Man gehe zudem davon aus, dass der Bereich verstärkt kontrolliert werde. Hinzu komme, dass Verstöße auch von Spaziergängern und Radfahrern gemeldet werden könnten. Was allerdings fehlte, war eine entsprechende Beschilderung des rund 64 Hektar großen Areals. Diese war schon 2019 durch das Regierungspräsidium Stuttgart zugesagt worden. Fast ein Jahr später ist es soweit: Für erholungssuchende und naturkundlich interessierte Bürger wurden nun entsprechende Hinweisschilder angebracht. Die dargestellten Piktogramme verweisen darauf, welche Verhaltensregeln eingehalten werden müssen.

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„Der durch den Durchgangsverkehr verursachte Lärm, die Erschütterungen sowie die extremen Staubaufwirbelungen belasteten Fauna und Flora stark und verschlechterten die Lebensbedingungen bestimmter Tierarten“, so die Stadtverwaltung. Damit soll nun endlich Schluss sein.

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Die erstellten Artenlisten für das Gebiet weisen insgesamt 818 Tier- und Pflanzenarten auf. Davon sind 92 in der Roten Liste erfasst. Weitere 74 werden in der Vorwarnliste aufgeführt. Besonders hervorgehoben wird von der Stadt in diesem Zusammenhang der ehrenamtliche Einsatz der Nabu-Gruppe Tauberbischofsheim für die Ausweisung und den Erhalt sowie die weitere Entwicklung des Naturschutzgebiets.

Info: Weitere Informationen gibt es unter www.brachenleite.info im Internet. Hier können Beschreibungen über Fauna und Flora des Areals, die Geschichte vom einstigen Standortübungsplatz und Informationen zum Naherholungsgebiet eingesehen werden.

Redaktion Leiter der Redaktionen Tauberbischofsheim, Wertheim und Regionales