FN-Interview - Die Tauberbischofsheimerin Franziska Benz ist Schauspielerin mit Leib und Seele / Vielseitigkeit kommt ihr in der Corona-Krise zugute Ihr großer Traum: „Tatort“-Kommissarin

Von 
Sabine Holroyd
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Tauberbischofsheim. Viele kennen Franziska Benz durch ihre Hauptrolle in der RTL-Serie „Alles was zählt“. Als „Michelle Bauer“ trug sie einen großen Anteil am Erfolg der Daily Soap. Doch auch in etlichen anderen Serien und Filmen war die 31-Jährige bereits zu sehen. Nun sprach die stolze Besitzerin von Dalmatiner „Django“ ihr erstes Hörbuch ein. Damit sorgt sie für ein echtes Tauberbischofsheimer Teamwork, denn das Buch dazu, „Von Leidenschaften und Verlusten“, stammt von Martin Bartholme, ihrem Jugendfreund.

Vielseitig und erfolgreich: Franziska Benz. © Cedric Sprick
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Frau Benz, Sie haben Ihr erstes Hörbuch eingesprochen. Was war das für eine Erfahrung?

Franziska Benz: Es hat mir super viel Spaß gemacht, die Kurzgeschichten nur mit meiner Stimme zum Leben zu erwecken. Ich wollte mich schon lange in der Sprecher-Richtung ausprobieren, und wie das Leben manchmal so spielt, war das genau der Zeitpunkt, an dem Martin Bartholme seinen Debütroman veröffentlichte.

Gewiss wurden dabei auch viele Erinnerungen an Ihre Kindheit und Jugend in Tauberbischofsheim wach . . .

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Benz: Klar kamen da viele Bilder hoch. Das ist ja zum einen Teil meines Jobs, die Worte mit Persönlichem zu verbinden, um es für den Zuhörer, die Zuhörerin auch persönlich erlebbar zu machen. Zum anderen kennen Martin und ich uns schon aus unserer Jugend, so dass mich einige Geschichten an das gemeinsame Erwachsen-Werden in Tauberbischofsheim erinnert haben.

Wenn er zum Beispiel vom Stadtfest schreibt, das die beiden Protagonisten der Geschichte von einem idyllischen Plätzchen aus beobachten, hatte ich sofort die Kaiserhöhe im Kopf. Auch wenn man streng genommen von da aus die Altstadt nicht sieht, hat man dennoch einen schönen Blick über das Städtchen. Das ist übrigens auch genau mein Lieblingsplatz.

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Wenn ich in „Tauber“ bin, fahre ich da gerne mit meinem Hund hin, sitze auf dem Bänkchen und schaue ins Tal.

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Haben Sie als Kind schon gern Rollen übernommen, zum Beispiel im Familienkreis oder in der Schule?

Benz: Ich bin schon immer gerne in andere Rollen geschlüpft – ob es der Nikolaus in der Grundschule war oder dann in der Theater-AG von Herrn Schmitt und Frau Beierstettel am Matthias-Grünewald-Gymnasium: Beim Spielen ging mir immer das Herz auf.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Generalprobe der Theater-AG im Winfriedheim, zu der ich meinen Vater als Zuschauer eingeladen hatte. Am Ende war er ganz perplex, dass es schon vorbei war, denn er wartete die ganze Zeit auf meinen Auftritt. Dass ich in dem Stück eine der Goethe-Frauen (Christiane Vulpius, die wir als eine sehr korpulente Dame angelegt hatten) gespielt hatte, wusste er im Vorhinein nicht und hatte mich in meiner Verkleidung nicht erkannt. Das war für mich als Spielerin tatsächlich eines der größten Komplimente.

Sehr gern denke ich auch an die Aufführungen dieser Theater-AG zurück, da haben diese beiden Lehrer einen wirklich wertvollen Raum für uns Schüler kreiert und uns tolle Aufführungen ermöglicht. Dazu rückte natürlich immer meine ganze Familie an. Damals war es mir oft ein wenig peinlich, bis zu zwei Stuhlreihen mit selbst geschriebenen „Benz“-Zetteln zu reservieren. Heute blicke ich mit viel Dankbarkeit zurück und freue mich über diese Erinnerung.

Ihren Beruf haben Sie ja von der Pike auf gelernt, Sie waren auch viel mit der Badischen Landesbühne unterwegs. Das ist eine gute Schule, oder?

Benz: Das war eine absolut geniale Erfahrung. Währen der Schulzeit habe ich jedes Stück gesehen, wenn das Theater nach Tauberbischofsheim kam. Also lag es für mich nahe, nach dem Abi dort erstmal ein Praktikum zu absolvieren, um meinen Traumberuf genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ich konnte in fast alle Departments hineinschnuppern, von der Dramaturgieassistenz bis zur Kostümbildnerin hin zur Regiehospitanz. Und eines Tages – Zufall oder Schicksal – durfte ich die Rolle der Violante in „Tintenblut“ übernehmen.

Während dieser Zeit lebte ich mit einigen Schauspielern der BLB in einer großen WG. Sie halfen mir beim Text lernen und bei den Umbesetzungsproben und zack, stand ich auf der Bühne. Ein unvergessliches Gefühl. So, wie ich es mir immer vorgestellt hatte, tourten wir mit dem Bus durch Baden-Württemberg, spielten jeden Abend an einem anderen Ort. Das beste Publikum waren natürlich die „Bischemer“! Diese Zeit war damals sehr prägend für mich, und es freut mich um so mehr, dass ich mit einigen Kollegen heute noch befreundet bin.

Und dann hatten Sie Ihre erste Fernsehrolle . . .

Benz: Nach meinen „Lehrjahren“ an der BLB war mir klar, dass ich diesen Beruf von der Pike auf lernen möchte und studierte an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Danach zog es mich erst mal wieder zurück auf die Bühne. Nach fast zwei Jahren als freischaffende Schauspielerin an verschiedenen Häusern (Staatstheater Stuttgart, Schauspielhaus Graz, Nationaltheater Mannheim), kam dann meine erste große TV-Rolle als Eiskunstläuferin Michelle Bauer bei „Alles was zählt“.

Können Sie sich eigentlich selbst gut auf dem Bildschirm „ertragen“?

Benz: „Ertragen“ trifft es tatsächlich ganz gut. Anfangs war es ganz schlimm für mich, mich auf der Leinwand zu sehen. Inzwischen kann ich ganz gut damit umgehen und habe einen wohlwollend analytisch-kritischen Blick entwickelt.

Wie haben Sie die „Fernsehwelt“ kennengelernt? Gibt es viele Sparzwänge?

Benz: Mein Einstieg in die Fernsehwelt war mit meiner durchgehenden Rolle in der Serie sehr weich und hart zugleich. Ich hatte das große Glück, in eine erfolgreich laufende Daily mit tollen und sehr herzlichen Kollegen einzusteigen und als Schauspielerin jeden Tag drehen zu können. Gleichzeitig sind die Abläufe ganz anders als am Theater. Es herrscht schon ein größerer Druck, gerade bei einer täglichen Serie, da sehr viele Szenen in sehr wenig Zeit produziert werden wollen.

Was bedeutet Ihnen die Schauspielerei generell?

Benz: Sie ist definitiv meine Leidenschaft, die ich zum Beruf gemacht habe und an der ich, je älter ich werde, immer mehr Facetten entdecke. Früher, noch während meines Studiums, war für mich ganz klar: Nur die Bühne ist „das Wahre“. Heute interessiert mich beides. Ich habe total Lust, mich in den verschiedensten Bereichen, die dieser Beruf zu bieten hat, auszuprobieren und Neues zu entdecken.

Sie haben sich ja noch mehr Standbeine geschaffen, Sie sind Dozentin an der Internationalen Akademie für Filmschauspiel in Köln, führen Regie und haben jetzt das Hörbuch eingesprochen. Corona konnte Ihnen bis jetzt nicht viel anhaben, oder?

Benz: Inzwischen sehe ich, wie viel mehr dieser Beruf zu bieten hat, wenn man die Augen aufmacht. So bin ich zum Beispiel auch Teil des Teams vom „Spielplatz, der Schauspielpodcast“, bei dem wir Kollegen aus der Schauspielbranche zu ihrem Werdegang interviewen.

Viel zu oft sehen wir nämlich nur den schillernden Erfolg eines Schauspielers und vergessen oft den langen, teilweise sehr steinigen Weg dahin. Und gerade als freischaffende Schauspielerin ist es für mich wichtig, flexibel, aktiv und in Bewegung zu bleiben und wach und offen für neue Chancen zu sein wie etwa das Hörbuch.

Allerdings ist Corona für unsere Kultur-Branche, die so viel wichtiger denn je ist, ein sehr herber Schlag. Ich wünsche mir, dass die Politik versteht, dass Theater und Kinos viel mehr sind als nur Vergnügungsstätten – und dementsprechend agiert.

Gibt es eine Traumrolle, die Sie gerne spielen würden?

Benz: Ach, ich liebe „Tatort“. Das ist ein großer Traum, eines Tages eine „Tatort“-Kommissarin zu spielen . . . Wie sagt der Kölner so schön: Et kütt wie et kütt.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim