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Leserbrief - Zu „Osterburken will neue Bauplätze schaffen“ (FN, 4. Dezember) Alternative zu neuen Baugebieten muss gefunden werden

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Immer wieder liest man, wie am Beispiel „Osterburken will neue Bauplätze schaffen“ in den FN vom 4. Dezember, dass wieder neue Bauplätze erschlossen werden sollen, weil der Bedarf da sei. Hat man auch einmal darüber nachgedacht, was das nach sich zieht? Die Landschaft wird zersiedelt und zerstört, auch für Tiere. Es gibt meines Erachtens auch noch andere Möglichkeiten, Wohnraum zu schaffen, nur denkt da niemand darüber nach.

Wir fahren aus beruflichen Gründen sehr oft durch Gemeinden und Dörfer in unserer Region und sehen, wie diese von innen her sterben. Ganze Straßenzüge stehen leer, viele alte Häuser „faulen“ vor sich hin oder auch relativ neue Häuser stehen leer. Überall Tristesse, Traurigkeit, Trostlosigkeit. Hier vergammeln immense Werte. Man könnte die Dörfer und Gemeinden wieder aufwerten, indem man die alten Häuser entweder abreißt und neu aufbaut oder renoviert und dann verkauft.

Es gibt nichts mehr in vielen Gemeinden: keine Schulen, Kindergärten, Geschäfte, Wirtschaften, Handwerksbetriebe. Wenn aber wieder gebaut würde, kämen sicher Familien zurück, um dort zu wohnen. Was macht es denn für einen Sinn, wenn sich die Baugebiete die Hänge hinauffressen und dort keine Läden, Schulen und Kindergärten sind? Und immer braucht man ein Auto! Der Niedergang der kleinen Gemeinden und Dörfer begann sehr viel früher, nämlich als die Gemeindereform in den 70er Jahren durchgeführt wurde, als die kleinen Gemeinden aufgelöst wurden und mit anderen oft zwangsweise zusammengeschlossen wurden. Schulen und Rathäuser wurden aufgelöst, kulturelle und soziale Bindungen der Gemeinden wurden ignoriert.

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Hauptsache Zentralisation, ob sinnvoll oder nicht. Dafür werden unsere Kinder mit Bussen durch die Gegend gekarrt, um in die Schulen zu gelangen. In jeder Gemeinde oder und in jedem Dorf gab es eine Schule, natürlich aus unserer heutigen Sicht meist eine Zwergschule, aber in einem oft imposanten Gebäude mit Räumen auch für Vereine. Nur am Rande, die Kinder waren damals auch nicht dümmer oder intelligenter als heute trotz kleiner Schulen. In den Gemeinden gab es alles für den täglichen Bedarf, oft sogar eine kleine Bankfiliale. Alles vorbei! Natürlich höre ich jetzt schon wieder die Stimmen, dass man alte Zeiten nicht glorifizieren soll, der Fortschritt sei enorm wichtig, die Gemeinden verdienten mit dem Verkauf der Bauplätze Geld. Aber nicht zu jedem Preis! Wenn unser Land nicht 21 Millionen Euro für eine völlig unnötige Werbekampagne wie „the länd“ zum Fenster hinauswerfen würde, sondern den Gemeinden zur Verfügung stellen würde, wäre es auf jeden Fall besser.

Es ist sicher nicht nötig, darauf hinzuweisen, dass Corona die Lage in den Gemeinden noch verschlechtert. Wir müssen uns auf jeden Fall auch noch andere Möglichkeiten einfallen lassen, um unsere Heimat zu erhalten und zu verbessern als immer nur neue Baugebiete zu erschließen, die ja auf jeden Fall für die Gemeinden im Vorfeld noch Geld kosten.

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