Geplante Umstrukturierung der Kliniken - Festangestellte Mosbacher Geburtshelferinnen sehen keinen Personalmangel auf ihrer Station Die Hebammen haben „immer noch Hoffnung“

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sab
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Mosbach. „Wir haben immer noch Hoffnung“, betont Hebamme Lena Hellinger. Hoffnung, dass sich der Kreistag am Mittwoch gegen die Schließung der Geburtshilfe in Mosbach ausspricht und dass die Kreisstadt Geburtsort bleiben kann.

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Die Diskussionen der vergangenen Wochen haben den fünf Hebammen, die in der Runde sitzen und die Fragen der FN beantworten, sichtlich zugesetzt. „Jeden Morgen hofft man, dass es mal ein ruhiger Tag wird, aber dann hat man früh um 8 Uhr schon wieder 20 Nachrichten auf dem Handy und es gibt neue Schlagzeilen in der Zeitung“, schildert Beatrice Hamberger ihre Erfahrungen der letzten Tage.

Station uneingeschränkt offen

Trotzdem sind sich alle einig: „Wir machen unsere Arbeit selbstverständlich trotzdem weiterhin genauso gut, genauso gerne und genau so zuverlässig wie immer.“ Wert legen die festangestellten Mosbacher Hebammen wie auch die Klinikleitung auf die Feststellung, dass die Mosbacher Geburtsstation werdenden Eltern auch in diesen unruhigen Tagen uneingeschränkt zur Verfügung steht.

Ginge es nach Ulla Heres, Beatrice Hamberger, Lena Hellinger, Larissa Tolnai und Marie-Louise Ernst, dann würde sich daran auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Die Nähe der Schwangeren zum Geburtsort, die sehr gute Ausstattung der Station, die gute Betreuung durch Ärzte, Hebammen und Pflege, die hohen Geburtenzahlen aus einem großen Einzugsgebiet – die Hebammen wiederholen die bereits bei vielen Gelegenheiten genannten Gründe für den Erhalt.

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Dagegen widersprechen die Hebammen dem Argument der Klinikleitung, dass die Personalsituation auf der Geburtshilfe-Station eng sei. Es gebe, so berichtet Ulla Heres, zehn festangestellte Hebammen, zwei davon seien in Elternzeit. In den letzten Monaten unterstützen vier italienische Hebammen das Team, eine dieser Frauen habe im Dezember aufgehört, so dass derzeit eine Stelle frei sei.

„Dienstplan durchgängig besetzt“

Trotzdem ist aus Sicht von Ulla Heres, seit 38 Jahren in Mosbach tätig, der Dienstplan auf lange Sicht durchgängig besetzt und keineswegs zu eng. Einen Hebammenmangel gebe es nicht.

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Es sei auch nicht richtig, dass die drei anderen italienischen Hebammen bereits gekündigt hätten, betont Heres, auch wenn sie angekündigt hätten, sich umorientieren zu wollen.

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Es habe zudem im letzten Herbst eine interessierte Hebamme gegeben, eine griechische Kollegin, die aber gut Deutsch sprach, so Heres. Sie habe auf der Station hospitiert und sei vom ganzen Team „gewollt“ gewesen. Doch die Bewerbung sei nach der 50. Kalenderwoche, also nach der Klausursitzung des Kreistags und angesichts der geplanten Umstrukturierung, abgelehnt worden.

Und, so die Geburtshelferinnen weiter, in der Heilbronner Hebammenschule gebe es angehende Absolventinnen, die eigentlich nach Mosbach wollten und nun enttäuscht seien, berichtet Larissa Tolnai.

Auf die Frage, wie es mit ihrem Job in Mosbach nun weitergeht, habe die Klinikleitung bislang nur allgemein geantwortet und erklärt, es werde weiterhin eine Beschäftigung für sie geben.

Was ihre Zukunft angeht, sind die Fünf dennoch eher pessimistisch. Eine Weiterbeschäftigung als Hebamme in Buchen ist aus ihrer Sicht schwierig. „Das System ist einfach anders. In Buchen haben sich freiberufliche Hebammen zusammengetan und arbeiten im Belegsystem. Wir in Mosbach sind festangestellte Hebammen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir als Festangestellte in Buchen weiter arbeiten können, wie soll so ein Mischsystem funktionieren?“, fragt Ulla Heres.

Ein Beruf mit viel „Herzblut“

Sich als Hebamme selbstständig zu machen, kommt für sie nicht mehr in Frage. Auch die anderen Gesprächspartnerinnen sehen darin für sich keine Alternative.

Ein Belegsystem selbstständiger Hebammen, wie es die Buchener Geburtshelferinnen vor einigen Jahren ins Leben riefen – so sicherten sie den Erhalt der Station – wurde an die Mosbacher aber auch gar nicht als Alternative herangetragen, so Ulla Heres. „Hier ging es direkt um die Schließung.“

„Alle Hebammen, das ist ja bekannt, arbeiten mit viel Herzblut“, betont Beatrice Hamberger. Ob man den Beruf jedoch festangestellt oder freiberuflich ausübe, „das ist einfach eine persönliche Entscheidung, die jeder für sich treffen muss“. sab