Firma Walter Herzog - Unverständnis bei IG Metall und Betriebsrat über Teilstilllegung / Rund 80 Prozent der Belegschaft betroffen / Schritt erfolgt trotz guter Auftragslage „Gesundem Betrieb“ Grundlage entzogen

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Klaus T. Mende
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An der Teilstilllegung der Firma Walter Herzog in Lauda hält der Mutterkonzern in den USA fest. Betroffen davon sind (vorerst) rund 80 Prozent der etwa 75-köpfigen Belegschaft. © Klaus T. Mende

An der Teilstilllegung der Firma Walter Herzog in Lauda gibt es nichts mehr zu rütteln. Sie erfolgt nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus strategischen Gründen. Dies sorgt für Kritik und Unverständnis.

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Lauda-Königshofen. Die in Housten/USA ansässige Petroleum Analyzer Company (PAC) lässt sich scheinbar nicht mehr von ihrem Vorhaben abbringen, den größten Teil der Abteilungen der zu ihr gehörenden Firma Walter Herzog abzuziehen – und „den Standort quasi zu schließen“, wie es Birgit Adam, Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall in Tauberbischofsheim, gegenüber den Fränkischen Nachrichten formuliert. Nach ihren Worten sollen nur noch ein paar wenige Mitarbeiter im Service und in angrenzenden Bereiche weiterbeschäftigt werden – jedoch nicht mehr im jetzigen Gebäude. Dafür soll nach Informationen unserer Zeitung ein anderes Anwesen angemietet werden. Schätzungen sprechen davon, dass etwa 80 Prozent der bislang rund 75-köpfigen Belegschaft ihren Job verlieren werden (wir berichteten). Einige haben bereits selbst gekündigt, um einer neuen beruflichen Herausforderung nachzugehen.

„Absolut unverständlich“

„Aus Sicht der IG Metall und des Betriebsrates ist diese Entscheidung absolut unverständlich, denn die Aufträge laufen gut“, kritisiert Birgit Adam. Die wirtschaftliche Situation von PAC mit Herzog in Lauda rechtfertige eine solche Entscheidung in keiner Weise. „Viele Unternehmen würden sich über Ergebnisse wie bei PAC in Lauda freuen.“

Laut Arbeitgebervertreter sei diese Entscheidung ohnehin nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus strategischen Gründen in den Vereinigten Staaten erfolgt – und trotz des Wechsels im US-Präsidentenamt auch nicht mehr umkehrbar.

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Es sei für die Gewerkschaft nicht nachvollziehbar, dass „ein solch gesunder Betrieb mit einer sehr guten wirtschaftlichen Situation einfach geschlossen werden soll“, teilt die Sekretärin weiter mit. „Wir werden die Beschäftigten und den Betriebsrat im gesamten Verfahren unterstützen. Und sollten wir die Schließung nicht abwenden können, werden wir alles daran setzen, ein gutes Ergebnis bei den dann folgenden Verhandlungen zu erzielen.“ Gerade jetzt in der schwierigen Zeit bräuchte die Belegschaft, darunter zum Großteil Fachpersonal, eine Beschäftigungsbrücke und eine finanzielle Absicherung.

Aktuell befinde sich der Betriebsrat in der Informationsphase zu der Betriebsänderung. „Im vorliegenden Fall spricht der Arbeitgeber von einer Teilbetriebsstilllegung, da noch ein geringer Teil weiterbeschäftigt werden soll“, macht Birgit Adam deutlich. Aus Sicht von Betriebsrat und IG Metall bestehe allerdings die Gefahr, dass „auch diese paar Beschäftigte in naher Zukunft ihre Arbeitsplätze verlieren könnten“.

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In der Informations- oder Beratungsphase sei der Arbeitgeber verpflichtet, mit dem Betriebsrat alternative Lösungen zu beraten, bevor es zu einer Betriebsänderung komme, klärt Adam auf. Hierzu könne der Betriebsrat zunächst die Informationen verlangen, die auchdem Arbeitgeber Grundlage für dessen Entscheidung waren.

Sachverständigen beauftragt

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„Nachdem der Arbeitgeber aber dem Betriebsrat nur dürftig die geforderten Informationen zukommen lässt, hat der Betriebsrat einen externen Sachverständigen vom IMU-Institut beauftragt, die wirtschaftliche Situation und die strategischen Entscheidungsgründe des Arbeitgebers zu untersuchen und gemeinsam mit dem Betriebsrat alternative Lösungen zu entwickeln“, lässt die Gewerkschaftlerin durchblicken.

Es würden sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt, um all jene Arbeitnehmer ordentlich abzufinden, die voraussichtlich im Laufe dieses Jahres nach teilweise langer Betriebszugehörigkeit von mehreren Jahrzehnten aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden (müssen).

Erfahrungsgemäß nehme solch eine Arbeit einige Zeit in Anspruch. „Weitere Termine waren für Januar vorgesehen. Diese bestätigte der Arbeitgeber nicht, weshalb es voraussichtlich erst im Februar zu einem nächsten Termin kommt“, so Birgit Adam abschließend gegenüber unserer Zeitung.

Roland Unger, Geschäftsführer bei der Firma Walter Herzog, äußert sich auf FN-Anfrage dahingehend, dass „wir uns noch in der Informations- und Beratungsphase befinden und deswegen keine Details preisgeben“.

Die Verantwortlichen würden natürlich alle „uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausloten, um für unsere Mitarbeiter eine zufriedenstellende Lösung zu finden“.

Herzog wurde 1931 aus der Taufe gehoben und verfügt über ein umfassendes Sortiment an Laborinstrumenten zur Prüfung der Atmosphären- und Vakuumdestillation, des Flammpunkts, des Dampfdrucks, der Bitumeneigenschaften, der Kaltfließeigenschaften, der Viskosität und anderer physikalischer Eigenschaften von Materialien.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt