Land und Leute - Danny Brink ist Unternehmer und ein Rennfahrer, der bei internationalen Starts an der Spitze mitmischt Mit dem „Popometer“ auf Erfolgskurs

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Heike Barowski
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Mit neun Jahren saß er das erste Mal hinter einem Lenkrad, ahren gewann er sein erstes Kartrennen, heute ist der 36-Jährige erfolgreicher denn je. © Björn Schüller /Race-Pix.eu

Dem Rennfahrer Danny Brink aus Külsheim wurde nicht nur das „Schrauber-Gen“ in die Wiege gelegt, sondern auch noch eine ganz ordentliche Portion Erfolg.

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Külsheim. Wer an seiner Werkstatt in Tauberbischofsheim vorbeikommt, kann durchaus Glück haben, und mal einen richtig großen Motor röhren hören. Dabei stehen in der Halle neben ein paar ausgesuchten Exoten, Young- und Oldtimern oder Supersportwagen aus ganz Europa auch Twingo oder Opel Corsa. „Der Corsa war wirklich das schrägste Auto, was ich hier hatte. Der war als solcher nämlich gar nicht mehr zu erkennen“, lacht Danny Brink. In seiner Firma G-Ride werden Luftfeder-Fahrwerke hergestellt und eingebaut, die individuell auf Fahrzeuge und den Anforderungen der Kunden angepasst sind.

Er selbst fährt übrigens einen relativ normalen 5er BMW. „Privat brauche ich ein praktisches Auto, und fahre im Straßenverkehr eher konservativ; um mir den Kopf frei zu blasen, fahre ich ja Rennen“, sagt er und gibt allerdings im selben Atemzug zu, dass er in Flensburg einen Punkt hat – wegen zu schnellen Fahrens.

Seine Lehre als Kfz-Mechaniker absolvierte der gebürtige Oberbalbacher Danny Brink in Igersheim/Harthausen bei der Firma Heidinger. Nach der bestandenen Gesellenprüfung wechselte er zur Firma Goldschmitt in Walldürn und arbeitete sich dort bis Ende 2010 zum technischen Vertriebsleiter nach oben, wobei er in dieser Zeit seinen Meister machte und das Unternehmen als Schrauber und siebter Mann im Wachstum bis über 85 Mitarbeiter begleitete.

Die eigene Firma

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Seine eigene Firma gründete er bereits im Jahr 2009 in einer kleinen Halle an seinem Wohnort Külsheim. Seit sieben Jahren nun ist er Vollzeitchef mit drei Angestellten und seit fünf Jahren auf dem Laurentiusberg in Tauberbischofsheim ansässig.

Das Schrauber-Gen hat der erfolgreiche Rennfahrer regelrecht in die Wiege gelegt bekommen. So absolvierte seine Mutter eine KFZ-Lehre. Mit neun Jahren saß er das erste Mal hinterm Steuer. „Das war ein 1-er Golf, Papas Arbeitsauto“, selbst heute noch glänzen seine Augen, wenn er sich an seine ersten Fahrversuche erinnert.

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Selbständig gefahren ist der junge Danny dann mit 16 Jahren. Das war 1998 auf der Kartbahn in Bad Mergentheim. Und weil er gleich beim ersten Mal schneller als alle anderen war, fiel er natürlich auf. Nur kurze Zeit später startete Danny bereits für eine Firma bei einem Event. „Ich war aufgeregt wie Hulle“, lacht er.

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Schnell weitete sich sein Renn-Radius aus. Im Jahr 2004 startete er bereits deutschlandweit und bestritt ganze Serien. Dabei kam er in Kontakt mit der sogenannten „Langstrecken-Szene“. Bei einem 24-Stunden-Rennen, welches im Team absolviert wird, sitzt der Fahrer durchaus auch mal zwei Stunden am Stück hinter dem Lenkrad. Eine sportliche Herausforderung, wie Danny erklärt. Teilweise ist er damals bis zu acht solcher Rennen im Jahr gefahren. Im Kart sitzt Danny Brink heute noch regelmäßig, denn als Training gibt es für Rennfahrer nichts Besseres.

Im Jahr 2009 tritt der inzwischen erfolgreiche Kart-Fahrer dem MSC Walldürn bei und darf das clubeigene Auto, ein BMW E30 fahren. Auf dem Flugplatz in Marktheidenfeld geht es im Slalom über die Strecke. So eine Fahrt dauert nicht mal eine Minute. Danny: „Meine Gier, im Rennauto zu fahren, war zwar befriedigt. Aber da wusste ich schon, dass es nicht der Endpunkt sein wird.“

Parallel zu diversen Slalom-Rennen im BMW bestritt er weiterhin Kartrennen in ganz Deutschland, bis er 2011 anfing, sein erstes eigenes Rennauto aufzubauen – zunächst, um es als Werbefahrzeug zu nutzen, verpasste er dem Rennwagen ein eigens abgestimmtes Luftfahrwerk. Nur ein Jahr später war der BMW E36 fertig. „Damit müsste man doch Rennen fahren können!“, war Dannys Meinung. Die entsprechende Rennlizenz hatte er im Frühjahr 2012 erworben, und über Jörg van Ommen (DTM-Größe der 90er Jahre) und einen Lizenzlehrgang in Bitburg. Im Oktober entschied sich Danny Brink, bei der BMW Challenge einen Gaststart zu absolvieren. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie das da vor sich geht. Ich bin doch tatsächlich zur technischen Abnahme ohne Startnummer gekommen“, grinst er. Man habe ihn als unbedarft eingestuft, sogar ausgelacht, nicht zuletzt auch wegen des Luftfahrwerks.

Doch das Lachen sollte den anderen schnell vergehen. Denny Brink mischt bei seinem ersten Start auf dem Nürburgring, der Grand-Prix-Strecke, das Feld gehörig auf und landet sofort auf dem zweiten Platz. Nur zwei Wochen schafft er einen Doppelsieg bei einem erneuten Gaststart.

Erste komplette Saison

Das war im Oktober 2012. Im März 2013 stieg er zum ersten Mal für eine komplette Saison ein, die bis Oktober aus zehn Rennen bestand – die er alle gewann und sich damit gleich im Debütjahr den Meistertitel holte.

Bei einem „Promi“-Kartrennen in Köln im Januar 2013 lernt Danny Carsten Ohlinger aus Ludwigsburg kennen, der ein eigenes Rennteam hat. „Du musst unbedingt mal in meinen Clio einsteigen“, forderte er ihn auf, als er Danny beim Kartrennen beobachtete. Und so sitzt Danny Brink im März 2013 im Clio, dreht bei einem Testtag auf der Nordschleife seine ersten Runden. Das Ergebnis: Er wird zu weiteren Rennen eingeladen und bestreitet im Jahr 2013 neben der BMW Challenge noch vier Rennen der Langstreckenserie VLN, um im Jahr 2014 seine erste Teilnahme am berühmtesten 24-Stunden-Rennen der Welt auf der Nordschleife im besagten Clio anzutreten.

Bis heute hat es ihm diese Nordschleife angetan. „Le Mans ist eine wunderschöne Strecke, aber die schönste ist und bleibt die Nordschleife, und das nicht nur, weil sich die 83 Kurven aus Sprüngen, blinden Ecken und regelrechten Mutkurven zusammensetzen, sondern auch von einer Historie getragen wird.“

Das Team rund um Carsten Ohlinger beendete seine Rennaktivitäten und vermittelte Brink zum weit größeren Team „Adrenalin-Motorsport“, für welches er bis heute fährt. Inzwischen ist aus dem jungen Anfänger ein „Profi“ geworden und sein Team setzt sich aus zwölf Autos in verschiedenen Klassen, 30 Fahrer und 50 Helfer zusammen. „Ich bin jetzt in einem Stadium, wo man angeschnallt wird“, lacht er und plaudert ein wenig über seinen Promistatus, den er durchaus auch mal genießt, und als genialen Gegenpol zu seinem Alltag als Firmenchef bezeichnet.

Am meisten genießt er jedoch den Moment, wenn er in das Rennauto einsteigt und der Adrenalinspiegel sich hebt. „Und wenn dann beim 24-Stunden-Rennen 220 000 Fans an der Strecke stehen, das ist einfach atemberaubend“, schwärmt er. Im Jahr 2015 holt Danny Brink auf einem BMW E90/325i (mit 230 PS) bei der Gesamt-Meisterschaft den 20. Platz (von 800) und steht beim 24-Stunden-Rennen in Clio auf dem Treppchen mit dem silbernen Pokal in der Hand.

Apropos Pokal: Danny Brink hat inzwischen so viele davon, dass er gar nicht mehr weiß, wohin damit. Einen Teil hat er bereits in seine Werkstatt ausgelagert. Dazu gesellt haben sich im Laufe der Zeit beispielsweise etliche Klassensiege bei der VLN-Langstreckenmeisterschaft oder diverse Meistertitel der Sportfahrerwertung, beispielsweise des ADAC Nordbaden.

Auch in diesem Jahr musste er bereits Platz schaffen für weitere Siegerpokale, die er vom 6-Stunden-Rennen im BMW M235i Cup oder vom zweiten VLN-Lauf mit nach Hause brachte.

Beim 24-Stunden-Rennen klappte es leider in diesem Jahr nicht so gut: elf Stunden lag das Team in Führung, hatte sogar fünf Minuten Vorsprung. Durch einen Schaden an der Antriebswelle jedoch ging wertvolle Zeit und die Führungsposition verloren. Für Platz vier reichte es aber allemal noch.

Doch wenn Brink das erzählt, wird klar, warum er so erfolgreich ist: Mittelmaß ist nicht sein Ding. „Ich war richtig traurig. Ich bin doch sehr vom Erfolg verwöhnt und da ist so ein vierter Platz, weil die Technik versagt, frustrierend.“ Er selbst bezeichnet es als „Sucht nach Erfolg.“

Auf die Frage, ob er schwere Unfälle hatte, kommt eine prompte Antwort: „Nö, aber teure!“ Denn jeder Rennfahrer muss seinen Schaden selbst bezahlen. Da gibt es keine Schuldfrage wie im Straßenverkehr.“ Sein Wissen gibt Danny Brink inzwischen als Trainer/Coach an andere Rennfahrer weiter: „Die meisten fahren viel zu aggressiv“, sagt er und offenbart das Geheimnis seiner Erfolge: sauber fahren, die Strecke „lesen“, clever reagieren, den Scheitelpunkt treffen und vorher den Popometer einschalten. Letzterer ist eine Bezeichnung für die Verbindung vom Fahrzeug zum Kopf des Fahrers, die über den Hintern passiert.

Kraft tanken

Aber auch ein Danny Brink muss einmal Kraft tanken. Und das schafft er zuhause bei seiner elfjährigen Tochter. Sowie Zeit ist, unternimmt er etwas mit seiner „Kleinen“, die mittlerweile schon nicht mehr so klein ist. Danny Brink bleibt auch zuhause aktiv. Er treibt viel Ausdauersport(teilweise wird 60 Prozent des Rennens mit über 180 Puls gefahren), fährt viel Rad.

Neben Tochter, Firma und etwas Ausdauersport bleibt wenig Zeit für andere Hobbys und Freunde. Da hat „mal ausschlafen“ bereits Seltenheitswert.

Dafür sind einige seiner Träume im Rennsport in Erfüllung gegangen, wie beispielsweise ein Test auf dem 991 Cup des Porsche Carrera Cup Ende 2016 in Hockenheim oder ein Test im Nascar in Italien Ende 2017. Dort eröffnen sich neue Möglichkeiten, die allerdings an Sponsoren gebunden sind, denn solche Rennen kann man als Privatfahrer finanziell nicht stemmen.

Andere Träume müssen noch geträumt werden, wie die Teilnahme an der ADAC GT-Masters oder der Lamborghini Super trofeo. Doch es gibt nahezu alle Möglichkeiten auch international aufzusteigen und in der 24 Stunden-Serie in Dubai, Barcelona oder Silverstone in einem BMW M4 GT4 zu starten.

Bis es soweit ist, sind mit Sicherheit noch etliche Pokale in seiner Werkstatt dazugekommen.