Kontakttreff des DRK

„Betrüger mit allen Wassern gewaschen“

Vortrag über Telefonbetrug mit Enkeltricks und falscher Polizei

Von 
ad
Lesedauer: 

Hardheim. Telefonbetrug mit Enkeltricks und falscher Polizei ist derzeit ein weit verbreitetes Übel und trifft nicht nur ältere Menschen, sondern mittlerweile wegen der Nutzung von Handys und WhatsApp auch Jüngere. Dieses Thema wurde im offenen Kontakttreff des DRK Hardheim am Dienstag thematisiert.

Der Lehrsaal im DRK-Vereinsheim war voll besetzt. Die beiden Polizeihauptkommissare Manfred Ritzhaupt und Timo Pfeiffer von der Prävention der Polizei Mosbach gestalteten gemeinsam mit Bankleiterin Sonja Röckel und Kundenberater Christian Schneider von der Volksbank Franken sowie mit Bankleiter Björn Wirsching und Kundenberater Tim Stolzenberger von der Sparkasse Tauberfranken einen informativen Nachmittag .

Und dass man den sprichwörtlichen „Nagel auf den Kopf getroffen hatte“, zeigte die überaus große Aufmerksamkeit und die lebhafte Beteiligung an der Diskussion. „Bänker“ und Polizisten lernten sich erst kurz vor Beginn der Veranstaltung und kennen, wickelten die Moderation der unterschiedlichen Themen professionell ab und „warfen sich die Bälle zu“.

Einleitend gab Ritzhaupt wertvolle Tipps und betonte, dass diese Betrüger „mit allen Wassern gewaschen“ seien. Den Angerufenen würden nach und nach intime Informationen über Familienangehörige, Krankheiten und Vermögenswerte entlockt.

Der erfahrene Polizeibeamte empfahl, sich bei einem Anruf unter einer unbekannten Nummer niemals mit dem vollen Vor- und Familiennamen zu melden, sondern nur „Hallo“ zu sagen. Die Betrüger seien in der Lage willkürliche Telefonnummern erscheinen zu lassen, so dass oftmals der Eindruck bestünde, es handele sich um eine Telefonnummer der Polizei. „Auf die Notrufnummer 110 kann man nicht zurückrufen, sollte diese im Display erscheinen“, sagte Ritzhaupt. Deshalb sei auch die Nutzung der Rückruftaste nicht hilfreich, weil man wieder nur beim Betrüger lande.

Dienstausweis zeigen lassen

Ritzhaupt empfahl dringend, sich bei unbekannten Personen an der Haustüre den Dienstausweis vorlegen zu lassen und zu prüfen. Auf keinen Fall hole die Polizei weder Bargeld noch Schmuck ab und in Deutschland gebe es auch nicht das Instrument einer „Barkaution“, um einer Haft zu entgehen.

Die Polizei registriere immer mehr, dass sich die Betrüger stets neue Maschen ausdenken würden. Ziel solcher Maßnahmen seien in der Regel ältere Menschen (im Telefonbuch meist am Vornamen zu erkennen) sowie Alleinstehende und Witwen (meist erkennbar am weiblichen Vornamen im Telefonbuch). Der Polizeibeamte empfahl daher einen Eintrag mit lediglich dem Anfangsbuchstaben des Vornamens. Auf keinen Fall sollte man den vermeintlichen „Verwandten“ am Telefon seinen Namen verraten, sondern erst dessen Namen erfragen und um Zweifel auszuräumen, ihn nach Geburtsdaten oder anderen Familieninternas auszufragen, denn dann entlarve sich der Anrufer ganz schnell. Zu glauben, „Kriminalist“ zu spielen und den Betrüger auszutricksen, sei nicht möglich, denn diese ließen kaum Zeit zu einem klaren Nachdenken und Handeln, sondern würden den „Schock“ ausnutzen.

Sonja Röckel appellierte an die Zuhörer, ihren Bankberatern Vertrauen entgegenzubringen. „Wir kennen unsere Kunden, wissen über deren Gepflogenheiten bei Bargeldabhebungen und können einschätzen, ob jemand nervös, getrieben oder unter Zwang reagiere. Wir wollen ihnen nicht Ihr Sparguthaben vorenthalten, sondern sind bestrebt, ihnen Schäden zu ersparen“, so Röckel, die ebenso wie ihre Kollegen Schneider, Stolzenberger und Wirsching anrieten, Kontodaten nicht leichtfertig herauszugeben und bei Überweisungen auf die deutsche IBAN-Nummer „DE“ zu achten. Bei „Sofort“-Überweisungen sei das Geld zwar binnen weniger Sekunden beim anderen Teilnehmer, aber im Ausland meist unwiederbringlich fort.

Die Informationen des Nachmittags machten die Zuhörer betroffen und nachdenklich. Tim Stolzenberger, als Vorsitzender des DRK Hardheim und Sparkassenberater übergab ein Präsent als Dank an alle Referenten und warb als „Bänker“ auch um das Vertrauen der Senioren. ad