„Erinnern für die Zukunft“ - Gedenkveranstaltung auf dem Jakob-Mayer-Platz / 100 Namen regionaler Juden verlesen

„Was damals geschah, darf sich nicht wiederholen“

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ad
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Bei einer Gedenkveranstaltung am Sonntag auf dem Jakob-Mayer-Platz in Buchen erinnerten die Teilnehmer an sechs Millionen getötete Juden. © Adrian Brosch

Buchen. „Erinnern für die Zukunft“ – unter diesem Motto stand die am Sonntag auf dem Jakob-Mayer-Platz abgehaltene, von einer Gruppe um Dr. Albrecht Mund organisierte Gedenkveranstaltung zum drei Tage vorher begangenen israelischen Nationalfeiertag Jom haSho’a (Tag des Gedenkens an Holocaust und Heldentum) und den systematischen Völkermord von sechs Millionen europäischer Juden zu Zeiten des Nazi-Regimes. Im Hintergrund stand die 2007 gegründete Initiative „Marsch des Lebens“, die weltweit Gedenk- und Versöhnungsmärsche an Orten des Holocaust veranstaltet.

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Die trotz Corona-Maßnahmen ausgesprochen würdige, zugleich jedoch nachdenklich stimmende Gedenkstunde auch an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland wurde von Dr. Albrecht Mund eingeleitet. Er verwies am Standort der ehemaligen Synagoge Buchens auf den „traurigen Höhepunkt des Nazi-Rassenwahns“.

„Die Schreie sind längst noch nicht verklungen“, betonte er und erklärte, dass die Veranstaltung eine öffentliche Stimme gegen den heutigen Antisemitismus und für die Freundschaft mit Israel erheben möge.

Nachdem die Nationalhymne Israels verklungen war, entzündeten Landrat Dr. Achim Brötel, Minister Peter Hauk, Bürgermeister Roland Burger, Marei Krämer, Reinhild Dorloff und der 1932 geborene Zeitzeuge Anton Kemkemer symbolisch sechs Kerzen im Gedenken an sechs Millionen getötete Juden. Kemkemer erinnerte dabei an Ereignisse seiner Kindheit und äußerte stellvertretend tiefe Trauer und Beschämung.

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Auf behutsame Weise blickte Damiano Dorloff auf ein besonders entwürdigendes und grausames Kapitel der Geschichte zurück: Nachdem die Nazis jüdische Mitbürger zu „Untermenschen“ degradiert hatten, ersetzten sie deren Namen durch Nummern und beraubten sie damit ihrer Identität. „Wenn die Namen verschwinden, dann verschwindet auch die individuelle Persönlichkeit“, erklärte Dorloff. Bewusst wurden von Besuchern 100 Namen regionaler Juden verlesen, um ein Zeichen der Würde zu setzen – darunter auch Buchens Heimatdichter Jakob Mayer und Mitglieder der in Hardheim ansässigen Familien Halle, Selig und Urspringer.

Minister Hauk dankte für die „lobenswerte Veranstaltung“, die eine wichtige Botschaft für den Neckar-Odenwald-Kreis und ganz Deutschland transferiere und beitrage, die Erinnerung wach zu halten. „Es geht nicht um Buße, sondern um die Übernahme von Verantwortung und das stille Gedenken.“

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Landrat Brötel ergänzte die Ausführungen mit dem Appell, keinen Schlussstrich unter die Ereignisse zu ziehen und erinnerte als 1963 Geborener daran, dass in seiner eigenen Kindheit und Jugend kaum an den NS-Terror gedacht wurde.

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„Das ist für mich heute kaum erklärbar, war es doch zugleich auch die Zeit, in der die unvorstellbaren Verbrechen der Nazis juristisch noch einmal aufgearbeitet wurden“, betonte er auch im Namen von MdB Alois Gerig und sprach dem Organisationsteam um Ute und Dr. Albrecht Mund sowie den Teilnehmern seinen persönlichen Dank aus. Bürgermeister Burger sprach von „fürchterlichen Geschehnissen“ und verwies auf die zuweilen bedenkliche politisch-gesellschaftliche Situation der Gegenwart, die gleichermaßen als Mahnung und Weckruf anzusehen sei: „Was damals geschah, darf sich nicht wiederholen.“ Die Nachkriegsgenerationen treffe zwar keine direkte Schuld, sie hätten aber „eine sehr große Scham“ zu tragen.

Bevor Marei Krämer sich mit einem weiteren kurzen Vortrag an die Besucher wandte, verlas Dr. Albrecht Mund das Grußwort der jüdischen Gemeinde Heidelbergs und dankte den Teilnehmern für ihr Interesse. ad