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Delegiertenversammlung

„Wir Bauern haben mehr Wertschätzung nötig und verdient“

Reinhard Friedrich, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Main-Tauber, bemängelt, dass den Landwirten vonseiten der Politik unnötig viele Hindernisse in den Weg gestellt werden

Von 
Klaus T. Mende
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Main-Tauber-Kreis/Markelsheim. Die Mitglieder des Kreisbauernverbandes Main-Tauber sehen sich vonseiten der Politik ebenso mit ständig neuen Vorgaben und Verordnungen konfrontiert wie ihre Kollegen in den anderen Landkreisen. Das Vorgehen des Staates mag manche Landwirte zermürben. Doch andererseits will sich die Agrarbranche nicht unterkriegen lassen, sondern auch künftig weiter Druck ausüben, um die politisch Handelnden dazu zu bewegen, nicht ständig über die Bauern zu reden, sondern das direkte Gespräch zu suchen, um so den Weg in eine bessere Zukunft aufzuzeigen. Bei der Delegiertenkonferenz des Kreisbauernverbandes in der Turn- und Festhalle Markelsheim machten die Teilnehmer klar, wie wichtig es sei, als Landwirte geschlossen aufzutreten.

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Vorsitzender Reinhard Friedrich betonte die „herausfordernden Zeiten“, denen sich die Landwirte ausgesetzt sähen. Der Düngerpreis sei um das Drei- bis Vierfache gestiegen, der Preis für Diesel habe sich verdoppelt. „Für unseren Berufsstand bedeutet dies hohe Vorkosten, die erst einmal finanziert werden müssen, sowie ein gesteigertes Risiko“, so Friedrich. Gestiegene Erlöse für Getreide oder Milch seien hier wichtig, um diese Kosten einigermaßen zu decken. Es könne und dürfe aber nicht sein, dass die Mehrkosten ausschließlich auf die Verbraucher abgewälzt werden. Dem Treiben müsse entgegengewirkt werden. Wie könne es sein, dass die Preise für Energie oder Dünger in Deutschland um einiges höher seien als im europäischen Durchschnitt?

Vieles nicht geregelt

Reinhard Friedrich bemängelte, dass immer erst vonseiten der Landwirtschaft Druck ausgeübt werden müsse, bevor sich etwas zum Vorteil ändere. Als Beispiel führte der Vorsitzende die vier Prozent Ackerstilllegungsfläche, was erst nach starken Protesten ausgesetzt worden sei. Er habe den Eindruck, dass politischerseits die rechte Hand oft nicht wisse, was die linke tue. „Viele Dinge sind nicht geregelt, deswegen stellen sich uns Bauern immer wieder so viele Hindernisse in den Weg.“

Ein Dorn im Auge sei ihm auch der Umstand, dass bei den brachliegenden Ackerflächen – im Main-Tauber-Kreis immerhin 5,8 Prozent – keine einheitliche Linie erkennbar sei. Landwirte, die hier mehr Areal zur Verfügung stellten, dürften nicht benachteiligt werden. „Es wird viel für den Artenschutz und die Insekten getan“, sagte Friedrich, der allerdings anmahnte, dass es auch möglich sein müsse, solch eine Fläche wieder zu bewirtschaften.

Und auch zum Thema Verbot von Pflanzenschutzmitteln äußerste sich der Frontmann des Kreisbauernverbandes. Auch bei diesen EU-Plänen vermisst Reinhard Friedrich eine klare Handschrift. Sollte dies so realisiert werden, wären zahlreiche Flächen im Kreis nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar, weil sie diversen Schutzgebieten zugerechnet würden. Leidtragender wäre dann vor allem der Weinbau in der Region.

Mehr Worte als Taten macht Friedrich auch beim Thema Tierhaltung aus. Hier bereiteten nicht nur ihm die Situation bei den Schweineerzeugern große Sorgen. Wenn hier nicht rasch und nachhaltig entgegengesteuert werde, breche die Branche vollends weg, nachdem in den letzten Jahren in der Region der überwiegende Teil der Betriebe schon die „Schotten dicht gemacht“ habe. Die Forderungen des Verbandsfunktionärs: „Keine neuen Auflagen für Umbaumaßnahmen, ein Bekenntnis für die heimischen Schweinehalter, sichere Finanzierungsmöglichkeiten.“ Aus seiner Sicht könne der Verbraucher entscheidend zu einer Verbesserung der augenblicklichen Situation beträgen, indem er verstärkt auf regionale Produkte zurückgreife. Abschließend appellierte Reinhard Friedrich an die Gesellschaft: „Wir Bauern haben mehr Wertschätzung nötig und verdient.“

Geschäftsführer Stefan Fröber blickte in seinem Bericht kurz auf das vergangene Jahr zurück, in dem die Präsenztermine nach Corona wieder so langsam angelaufen seien. Unter anderem werde der Agrarsektor immer mehr mit dem Thema Photovoltaik konfrontiert. Dagegen sei grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings sollte man ein Auge darauf haben, dass die Projekte auf Böden realisiert werden, die für den Ackerbau nicht gut geeignet seien.

Darüber hinaus berichtete Fröber über die Verhandlungen in Sachen „Südlink“, die ab und an ins Stocken geraten seien. Was die Entschädigung angehe, stünden die Bewirtschafter recht gut da, bei den Eigentümern der Ländereien, die von der Trasse betroffen seien, gebe es hingegen noch Redebedarf. Er kritisierte, dass bei den Planungen „auf die Belange der Landwirtschaft keine Rücksicht genommen wird“.

Flickenteppich vermeiden

Stefan Fröber sprach sich dafür aus, dass bei der Schaffung neuer Biotope ein Flickenteppich vermieden werden müsse. Deswegen werde es in allen Gemeinden mit den betroffenen Organisationen und Verbänden Ortsbegehungen geben, um für alle einverträgliche Lösungen zu finden.

Finanziell sei der Kreisbauernverband, so der Geschäftsführer, gut aufgestellt. Für das vergangene Jahr vermeldete er einen Überschuss von 13 700 Euro. Kassenprüfer Stefan Sack bestätigte eine einwandfreie Kassenführung. Auf Vorschlag des Ersten Landesbeamten Florian Busch wurden Vorstand und Geschäftsführung einstimmig entlastet. Busch unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung der Landwirte für die Region und für die Gesellschaft. Er versprach, dass das Landratsamt Main-Tauber die Bauern auch künftig da unterstützen werde, wo es möglich sei. „Wir sollten pragmatisch an die ganzen Themen rangehen.“

Abschließend teilte Stefan Fröber noch mit, dass sich die Zahl der Mitglieder beim Kreisbauernverband 2021 um 29 auf 1372 reduziert habe. Für das laufende Jahr prognostiziere man ein Plus von 12 500 Euro.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt

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