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Bürgerforum Stadtbild - Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 4)

Bad Mergentheim: „Nach dem Herrgott kommt hier St. Nepomuk”

Von 
bfs
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Bad Mergentheim. Der heilige Nepomuk begegnet uns auf Brücken und Brückchen, an Mühlgräben und längst auch als steinernes Relikt an den in finsteres Vergessen, in Dolen verbannten Ortsbächen.

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Dafür überrascht mitten in der Oberen Mauergasse, am Haus mit der Nummer 66, der steinerne Wasserpatron in seiner bescheidenen Nische. Preisfrage: Wie kam er hier aufs Trockene?

Schon vor der offiziellen Kanonisierung als Heiliger wurde der Böhme an Tauber und Jagst verehrt. © Wolfram Klingert

Die Spottdrossel des Biedermeier, der gebürtige Langenburger Carl Julius Weber, mit Mergentheim als Ordenssekretär und Kurgast vertraut, mokierte sich: „Nach dem Herrgott kommt hier“, gemeint ist Franken, „St. Nepomuk“. Und Goethe, der sich gern in den böhmischen Bädern kurierte, reimte sarkastisch: „Auf großen und auf kleinen Brucken/ Stehn vielgestaltete Nepomuken/ Von Erz, von Holz gemalt, von Stein,/ Kolossisch hoch und puppisch klein./ Jeder hat seine Andacht davor,/ Weil Nepomuk auf der Brucken das Leben verlor.“ Hier irrte Goethe. wie wir gleich sehen werden.

Zum Generalvikar gebracht

Johann von Nepomuk kam als Johann Welflin ums Jahr 1345 in dem Städtchen Pomuk bei Pilsen zur Welt und brachte es zum Generalvikar der Erzdiözese Prag; seitdem nannte er sich Johann ne Pomuk, als Johann von Pomuk. König Wenzel lag damals mit der Kirche in erbittertem Streit um Rechtstitel und Besitzansprüche. 1393 ließ er Nepomuk zu Tod foltern und den Leichnam von der Karlsbrücke in die Moldau werfen; von einem Wassermartyrium kann hier, anders als bei St. Florian, also keine Rede sein. Zwei Generationen später kam die Legende auf, Nepomuk sei ertränkt worden, weil er gegenüber Wenzel das Beichtgeheimnis der Königin gewahrt habe; diese war 20 Jahre jünger als der König, eine bildhübsche Wittelsbacherin.

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Angeblich bargen Fischer den Leichnam, der im Prager Veitsdom beigesetzt wurde. Im Gefolge der jesuitischen Gegenreformation wollte man in Böhmen der noch sehr lebendigen Verehrung des als Ketzer verbrannten Jan Hus den glaubensstarken Jan Nepomuk entgegensetzen und so die Herrschaft Habsburgs legitimieren. Sowohl das Prager Domkapitel als auch Rom verweigerten zunächst eine Heiligsprechung. Über die geistliche Dynastie derer von Schönborn wanderte der noch nicht legitimierte Kult rasch ins Fränkische. Der aus Lauda gebürtige Abt Benedikt Knittel ließ schon zwei Jahrzehnte vor der Seligsprechung Nepomuks, der offiziell erst seit 1729 als Heiliger sanktioniert wurde, dessen Bildwerk auf die Schöntaler Jagstbrücke setzen. Und auch die Geste Nepomuks überrascht hier, wie dann später auf der Igersheimer Tauberbrücke: Fränkisch vigilant erweist da St. Nepomuk mit abgenommenem Birett dem Kruzifix auch seine weltliche Ehrerbietung.

Seither gilt der Heilige als Helfer in Wassernot, als Patron der Brücken, der Schiffer, der Fährleute, Flößer und Müller. Was die meisten Heiligenlexika unterschlagen: St. Nepomuk galt auch als heimlicher Nothelfer der Prager Studenten, die vor dem Examen sein barockes Standbild auf der Karlsbrücke um Beistand baten. Und in den Jahrzehnten der roten Diktatur galt der verschwiegene Heilige auch als Sinnbild der mundtot gemachten Kirche Böhmens. bfs

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