Lernhaus Ahorn

Jugendliche schlüpften in die Rolle des Försters

Achtklässler stellten unter Anleitung der Forstleute im Schulwald die Weichen für die künftige forstwirtschaftliche Nutzung

Von 
Elisabeth Englert
Lesedauer: 
Revierleiter Häffner gibt Tipps bei der Auswahl der Zukunftsbäume. © Elisabeth Enlert

Ahorn. Schon von weitem sieht man die züngelnden Flammen in der Feuerschale durch die Zweige schimmern. Es ist still. Einzig ein paar knacksende Ästchen und raschelndes Laub von den eigenen Schritten sind zu hören. Eine Schulklasse ist hier nicht. Also weiter in Richtung Feuer. Hier wird man fündig. Aufmerksam sitzen die Achtklässler samt Lehrkräften, Rektorin Carmen Stemmler und Bürgermeister Benjamin Czernin auf dem moosgepolsterten, runden Sofa aus Totholz und lauschen den Ausführungen der Forstleute Hans-Peter Scheifele, Michael Häffner und Sophie Meyer.

Was aussieht, als ob gleich Gitarre und Stockbrot hervorgeholt werden, ist die Lagebesprechung der anstehenden Aufgaben des Waldtags.

Lagebesprechung

Im Schulwald Ahorn, einem Projekt des Kreisforstamts des Main-Tauber-Kreises und dem ForstBW-Betriebsteil Odenwald mit dem Lernhaus Ahorn sind die Schüler für ein Jahr für die Betreuung dieses Waldstückes verantwortlich.

Mehr zum Thema

Förderverein Lernhaus Ahorn

Großes Stühlerücken im Vorstand

Veröffentlicht
Von
Elisabeth Englert
Mehr erfahren

Während am ersten Waldtag bei Wertermittlung, Vermessung, Inventur mathematische Aspekte im Vordergrund standen, geht es beim zweiten um Waldbau, Durchforstung und die damit einhergehenden Arbeiten wie fällen oder sägen, also verstärkt um Technik. In der Rolle des Försters erleben die Jugendlichen im Lernort Wald dessen ganze Komplexität. Nachhaltigkeit, Lebensraum für Tiere, Ökologie und Ökonomie seien Themenbereiche, die den Förstern auf Zeit im Laufe des Schuljahres begegnen werden. Auch persönliche, direkte Berührungspunkte könnten sie erleben wie der Wunsch nach billigen Holzmöbeln im eigenen Zimmer zuhause, so dass sie sich mit Holzkonsum, Abholzung, Monokulturen und der nachwachsenden Menge auseinandersetzen müssen, verdeutlicht Scheifele von der Fachgruppe Waldpädagogik.

Wichtige Kenntnisse könnten so über erlebnis- und handlungsorientiertes Lernen vermittelt werden. Gleichzeitig würden die jungen Menschen um die Bedeutung eines bewussten Umgangs mit der Natur sensibilisiert.

Im konkreten Waldbesuch erfahren sie Wissenswertes über Baumarten, Klima, Trockenstress und wie die Bäume damit zurechtkommen. „Es geht Richtung Eiche“, fasst Scheifele die Informationen zusammen.

Zukunftsweisende Auswahl

Mit roten und gelben Markierungsbändern ausgerüstet schwärmen sie nun in Kleingruppen aus, um Zukunftsbäume und Bedränger auszuwählen und letztere zu fällen. „Ihr trefft jetzt die Entscheidung, welche Bäume die nächsten 150 Jahre hier stehen“, verdeutlicht Revierleiter Häffner diese zukunftsweisende Auswahl. Gesundheit, Eintrittspforten für Schädlinge oder Pilze, Wuchsform, „wobei man in der Natur nicht die Wasserwaage anlegen muss“, werden in Augenschein genommen. Die Blicke wandern die Stämme aufwärts in die Kronen, es wird rege diskutiert und bald flattern die entsprechenden Bänder um die Stämme.

Detailliert bespricht Häffner diese Auswahl in den einzelnen Gruppen, stellt Fragen, gibt Anregungen und manche Entscheidung wird, da sie vielleicht auf den Holzweg geführt hätte, nochmals überdacht. Letztlich werden die Bedränger von Hand gefällt, (für die baumstarken Schüler kein Problem), in Stücke gesägt und in die Schule transportiert, wo sie in der Wildholzwerkstatt ihrer neuen Bestimmung entgegensehen.

Pädagogischer Mehrwert

Darüber hinaus wurden am Wegesrand lagernde große Stämme von den Forstleuten mit der mobilen Säge zu langen Brettern gesägt, die ebenfalls von den Schülern im Werkunterricht verarbeitet werden.

Rektorin Stemmler ist überzeugt vom pädagogischen Mehrwert dieses Projektes, das sich über das ganze Schuljahr erstrecke und sicherlich einen nachhaltigen Eindruck hinterlasse.

Auch Bürgermeister Czernin, der auf Grund eines Nachfolgetermins dem schweißtreibenden Sägen entfleuchen konnte, betont die Bedeutung gerade im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen der heutigen Zeit.

Zudem mache der Tausch vom Klassenzimmer in den Wald sichtlich Spaß. „Die Freude war den Kindern deutlich anzusehen.“