Geburtstag - Ahorns Bürgermeister und Kreisrat Elmar Haas begeht am heutigen Freitag sein 60. Wiegenfest und zieht nicht nur persönlich, sondern auch beruflich Bilanz „Das Fell wird mit der Zeit einfach dicker“

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Sabine Holroyd
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Bei Bürgermeister Elmar Haas steht die Tür zu seinem Büro (fast immer) offen. © Sabine Holroyd

Bürgermeister Elmar Haas feiert heute seinen 60. Geburtstag. „Ich fühle mich nicht wie 60 und gebe mich sicher auch nicht so“, sagt er. Dennoch macht ihn die Zahl ein bisschen nachdenklich.

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Ahorn. Ein Gespräch zum 20. Dienstjubiläum als Bürgermeister im letzten Jahr hatte er abgelehnt. Elmar Haas ist nicht der Typ Mensch, der viel Aufhebens um seine Person mag. Diesmal aber kommt er nicht drumherum. Er wird 60. Gelegenheit, einmal Bilanz zu ziehen. Zum FN-Gespräch im Eubigheimer Rathaus trägt er seine geliebten Jeans. Bald wird er auch wieder die Lederjacke aus dem Schrank holen – Elmar Haas freut sich schon auf das Konzert der Scorpions in Bad Kissingen.

„Immer technisch orientiert“

Wir werfen einen Blick in seine Kindheit. „Ich hatte Glück mit meinem Elternhaus“, sagt er. Elmar Haas wuchs in Grünsfeld auf. Seine Eltern hatten eine Bäckerei, in der er von frühester Jugend an mithalf und die Brötchen mit ausfuhr. Seine Liebe zu Mathematik und Geometrie („Ich war immer technisch orientiert“) ließ ihn eine Lehre zum Vermessungstechniker absolvieren und danach Vermessungswesen in Karlsruhe studieren. „Als Vermesser“, sagt er, „braucht man eine gewisse Genauigkeit, geradliniges Denken und auch ein räumliches Vorstellungsvermögen“. Er sieht, was andere nicht sehen – gerade und gerade ist für jemanden wie ihn nicht dasselbe. Rechnen, Programmieren und die Genauigkeit dabei, das gefällt ihm.

Nach dem Studium blieb Haas erst einmal in Karlsruhe, arbeitete dort in einem großen Vermessungs- und Ingenieurbüro. Schnell durfte er die Leitung der EDV übernehmen. Eine Zeit, von der er mit einem Strahlen im Gesicht erzählt. Nach ein paar Jahren zog es ihn 1991 zu einem Soft- und Hardwarehersteller nach Frankfurt.

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Dort betreute er Kommunen im Bereich der geografischen Informationssysteme. „Damals nach der Wende kam ich in ganz Deutschland herum, auch im Osten. Diese Zeit war sehr abenteuerlich – ich möchte sie nicht missen“, sagt er und schmunzelt.

„Doch irgendwann“, fährt er fort, „spürte ich, dass ich mir auch die andere Seite der Kommune vorstellen könnte.“ Als der langjährige Bürgermeister Ahorns, Alois Hafner, sein Amt altersbedingt niederlegen musste, „fing ich an zu denken, ob das was für mich wäre. Ich bin dann auch ein paar Mal darauf angesprochen worden.“ Er fragte unter anderem Alfred Beetz um Rat. Der damalige Grünsfelder Bürgermeister war der erste Brötchenausträger seines Vaters: „Er kannte mich schon als Baby und hat mich ein bisschen überzeugt, diesen Schritt zu tun.“ Die Bürgermeisterwahl war 1996, im Januar 1997 trat Elmar Haas sein Amt an. Noch heute ist er dem damaligen Hauptamtsleiter Gerhard Offner für die Einarbeitung dankbar – eine Amtsübergabe war Alois Hafner krankheitsbedingt nicht mehr möglich.

Seit 21 Jahren Bürgermeister

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Mittlerweile ist Elmar Haas seit 21 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Ahorn. Dass er sich in dieser Zeit verändert hat, gibt er unumwunden zu: „Am Anfang war ich bestimmt harmoniebedürftiger als heute. Da versucht man noch, es jedem recht zu machen. Das Fell wird mit der Zeit einfach dicker.“ Das alles glaubt er auch bei seinen Kollegen beobachten zu können. Dass gleich zwei Bürgermeister in der Region ihr Amt vorzeitig beendet beziehungsweise sich nicht noch einmal zur Wahl gestellt haben, gibt Elmar Haas zu denken: „Man muss dieses Amt mögen, um die Belastungen wissen und sie aushalten.“ Er spricht von Stress, von Anschuldigungen, die teilweise unter die Gürtellinie gingen, und von der Arbeitszeit: „Wenn man ehrlich ist, hat man als Bürgermeister eine Sieben-Tage-Woche.“ Und er fügt hinzu, dass er „Vetterleswirtschaft“ hasst: „Das kann ich nicht ausstehen.“

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Die Bürokratie nehme immer mehr Überhand. Der Aufwand für Bebauungspläne habe sich beispielsweise in den letzten 25 Jahren verwaltungstechnisch verdoppelt. „Wir brauchen dabei viel zu lange und müssen zuviel abklären.“ Eine Vereinfachung der Bauleitplanung hält er für dringend erforderlich.

Mit seinem Team im Rathaus ist Elmar Haas „sehr zufrieden“. Er selbst möchte ein Chef sein, „mit dem man auskommen kann“. Haas lebt gern in Eubigheim, ist zudem mit einer gebürtigen Eubigheimerin verheiratet. Und dabei konnte er sich nach seinem Studium vorstellen, überall zu wohnen – „nur nicht in meiner Heimat.“

Die Lebensqualität für Familien auf dem Land sei nicht mit der Stadt zu vergleichen – „da kann man mir erzählen, was man will.“ Die fünf Ortsteile Ahorns gelte es gleichermaßen zu achten. „Wenn alle Fünf meinen, sie kommen zu kurz, ist das auch ein Stück Gerechtigkeit“, sagt er mit seinem typisch trockenen Humor.

Stolz ist er auf das ehrenamtliche Engagement in seiner Gemeinde. Besonders hebt der Bürgermeister den Förderverein Schwimmbad Ahorn hervor und erinnert sich noch gut an die „harten Zeiten“, in denen es um den Erhalt des Bades ging: „Einmal standen 400 Menschen, begleitet von Funk und Fernsehen, ums Rathaus herum.“

Heute ist das Schnee von gestern. Der Bürgermeister freut sich: „Das ist ein ganz tolles, über Jahre hinweg gehendes ehrenamtliches Engagement.“

Er schätzt das sehr, weiß er doch, dass das bürgerschaftliche Engagement immer mehr abnimmt: „Viele meinen, sie tun genug, indem sie ihre Steuern bezahlen. Das ist ein Trend, den man flächendeckend feststellen kann. Einerseits wollen die Leute mitgenommen werden, andererseits sind sie aber nicht bereit, sich dauerhaft zu engagieren.“

Elmar Haas freut sich auch immer noch über den Sieg Eubigheims beim Kreisentscheid 2014 im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Lobend erwähnt er unter anderem ebenfalls die Eigenleistungen der Bürger bei der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Berolzheim.

Lesen ist neben dem Motorradfahren seine große Leidenschaft. Er mag Rhetoriker wie Cicero, aber auch Oskar Lafontaine und Gregor Gysi – schiebt aber gleich lachend hinterher, dass er politisch nicht mit ihnen konform geht.

Gerne liest er die Bücher des Bad Mergentheimer Autors Uwe Klaußner. Historische Romane, die geschichtlich fundiert sind, liegen ihm. Doch Zeit zum Lesen hat er eigentlich nur im Urlaub. Schließlich ist Elmar Haas nicht nur Bürgermeister. Er sitzt im Kreistag des Main-Tauber-Kreises, ist Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags Baden-Württemberg und Mitglied des Verwaltungsrats bei den Rechenzentren im Land, die gerade zu einem einzigen Rechenzentrum in Stuttgart fusioniert werden, sowie Aufsichtsrat bei der Volksbank Kirnau. Außerdem ist er im Vorstand des Vereins der Freunde des Lernhauses Ahorn und ist Mitglied bei der „Nothilfe Boxberg“.

„Die Bahn“ besonderes Anliegen

Der Neu-Sechziger freut sich, dass bis 2019 alle Straßen im Gemeindegebiet Ahorn saniert sein werden. Haas spricht vom „Jahrhundertprojekt L 514“, also dem Ausbau zwischen Eubigheim und Berolzheim, sowie der Ortsdurchfahrt in Berolzheim. Jetzt steht noch der Ausbau des Abschnitts zwischen Eubigheim und Hohenstadt an, für den der Kreis einen Zuschuss von knapp einer Million Euro bekommen hat.

Und dann fehlen nur noch eine seniorengerechte Einrichtung in Eubigheim („da sind wir auf einem guten Weg“) und „die Bahn“ – sein ganz besonderes Anliegen. Erst kürzlich demonstrierte Elmar Haas samstags mit der Initiative „Frankenbahn für alle“ für den Lückenschluss der S-Bahnhaltepunkte zwischen Osterburken und Würzburg. Sehr offen gibt er an anderer Stelle zu, dass mit der Ansiedlung von Betrieben „mehr hätte laufen können“. Am Ende seiner dritten Amtsperiode wird er 62 sein. Ob er noch einmal kandidieren will, kann er heute noch nicht sagen. „Momentan“, so Elmar Haas, „macht mir der Job Spaß. Was die nächsten zweieinhalb Jahre passiert, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, wie es mir dann gesundheitlich geht. Jedoch habe ich mir fest vorgenommen, meine Entscheidung rechtzeitig kundzutun und nicht erst vier Wochen vor Bewerbungsschluss.“

„Ich bin zufrieden“

Zu seinem Geburtstag wünscht er sich „absolut nichts, weil ich zufrieden bin.“ Am heutigen Freitag steht das Rathaus ab 10 Uhr bis zum Mittag für alle offen, die ihm gratulieren möchten. Abends wird dann im engen Familien- und Freundeskreis gefeiert. Verschmitzt, wie er nun mal ist, kommt auch die Einladung ein bisschen anders daher als „normale“ Geburtstagseinladungen: Elmar Haas bittet nämlich zu einem „Workshop gegen Demenz.“

Die Fränkischen Nachrichten schließen sich den Glückwünschen zum Geburtstag gerne an.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim