AdUnit Billboard
Reise

Die Galapagosinseln: ImSpaßbad der Evolution

Hier ist das Ende der Welt und zugleich ihr Anfang. Wer die vulkangeborenen, windzerzausten Galapagosinseln weit draußen im Pazifik betritt, spürt, dass diese Welt lange vor den Menschen existierte und wohl auch noch lange nach ihnen da sein wird.

Von 
Bettina Bernhard
Lesedauer: 
Besucher haben nur Statistenrollen auf den Galapagosinseln: Die Bühne gehört den Seelöwen (oben links), den Landleguanen (Mitte), den Sattelschildkröten (rechts) und ihren vielen besonderen Mitbewohnern. © Bettina Bernhard

Im Paradies warten Schlangen. Beim Gepäck-Check der vom ecuadorianischen Festland Eingeflogenen, an der Passkontrolle und im Hafen von Baltra. Hier starten die maximal 100 Passagiere fassenden Kreuzfahrtschiffe zu ihren Touren durch den Archipel. Neben Größe und Zahl der Schiffe ist auch die Besucherfrequenz streng reglementiert. Nur wenige der 13 größeren und mehr als 100 kleinen Inseln dürfen überhaupt betreten werden - in einem engen Zeitfenster und begleitet von einem Nationalpark-Guide.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Oberste Regel: kein Selfie mit Echse!

Und so haben die drei Grüppchen, die im Schlauchboot von der „Santa Cruz II“ nach Mosquera kamen, die Sandbankinsel ganz allein für sich. Perfekt zum Üben für Galapagos-Anfänger: auf den markierten Wegen bleiben, nicht jedes Tier fotografieren (es kommen ganz viele) und vor allem Respektabstand halten. „Keine Selfies mit Echsen“, mahnt Naturführerin Veronica Sanchez. Denn nur so habe dieses einzigartige Ökosystem eine Chance, erhalten zu bleiben.

Galapagosinseln

Anreise

Von Stuttgart fliegt KLM (www.klm.com) über Amsterdam nach Ecuador (Quito oder Guayaquil), vom Festland geht es mit Latam (www.latamairlines.com) auf die Galapagosinsel Baltra. British Airways fliegt über London und Bogotá (www.britishairways.com), Air France (www.airfrance.de) über Paris und Panama.

Galapagos-Kreuzfahrt

Hurtigruten bietet auf der „MS Santa Cruz II“ eine 11-tägige Reise zu den Galapagosinseln an. Nach einem dreitägigen Landprogramm in Ecuador folgt eine siebentägige Expeditions-Seereise mit begleiteten Exkursionen auf verschiedene Inseln. Die Reise kostet ab 8989 Euro pro Person inklusive Flügen. Weitere Informationen unter Tel. 040 / 87 40 83 58 oder www.hurtigruten.de. Kreuzfahren durch die Galapagosinseln bieten auch die Kreuzfahrtunternehmen Celebrity Cruises, www.celebritycruises.de, und Silversea, www.silversea.com, sowie der Landesspezialist Ecuador Discover, www.ecuador-discover.de, an.

Buchtipp

Peter Korneffel: Reise-Handbuch Ecuador und Galapagos-Inseln, Dumont, 456 Seiten, 24,95 Euro.

Allgemeine Informationen

Tourismusministerium Ecuador, www.ecuador.travel Galapagosnews, www.galapagos.org BB

Seelöwen lümmeln auf der Sandbank, große Fregattvögel steigen aus dem Bodengestrüpp auf – völlig ohne Berührungsängste, wie die meisten Tiere auf Galapagos. Knallrote Klippenkrabben kontrastieren mit pechschwarzer Lava und dienen den Seelöwen als Snack. Der Krabbennachwuchs trägt tarnschwarz zwecks besserer Überlebenschancen. Das bleiche Skelett eines angespülten Wales ziert einen Hügel. Ein wüstes Gerülpse am Felsenstrand bricht in die Stille. Veronica identifiziert es fachkundig als Mutter-Kind-Kommunikation der Seelöwen. Frei nach dem Motto „Schwimm nicht so weit hinaus“.

Mehr zum Thema

Reise

Galapagosinseln: Im Spaßbad der Evolution

Veröffentlicht
Von
Bettina Bernhard
Mehr erfahren
Türkei und Griechenland

Baerbock trifft in Ankara türkische Oppositionsvertreter

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren

Aus dem Meer erheben sich senkrecht die Tuffvulkane Daphne Minor und Major, deren Form an den australischen Ayers Rock erinnert. An Land bewegt sich ein Lavastein. Er entpuppt sich als Meerechse, eine der zahlreichen endemischen Arten, die Galapagos so besonders machen. An der Rückseite der Miniinsel fällt der Fels steil ab. Hier kreisen Galapagoshaie, zu deren Lieblingsfutter Seelöwen zählen. „Hier lebt nur, was zufällig vorbeischwamm oder -flog oder strandete“, erklärt die Naturführerin.

Die ersten Bewohner waren Piraten, Schiffbrüchige und Entflohene, eine Landbrücke gab es nie in der Geschichte der Vulkaninseln. Deshalb fand Charles Darwin hier jede Menge lebende Beweise für seine Evolutionstheorie.

Die tierische Spezialität auf San Cristobal sind Tölpel, genauer Rotfuß-, Blaufuß- und Nazcatölpel. Ihren Namen bekamen die Vögel, weil sie so unbeholfen herumwatscheln. „In der Luft sind sie Meister“, sagt Gabriel Tapia, auch er ein staatlich geprüfter Galapagosführer. Der Sound hier ist ein ganz anderer als auf der Seelöweninsel. Während die Tölpelmännchen pfeifen, krächzen die Mädels – und alle versuchen, sich gegenseitig zu übertönen.

Dornsträucher, Salzbüsche und Balsambäume überlebten als Pionierpflanzen Millionen Jahre auf dem Felsgestein. Die gelb blühende Cordia nutzen Rotfußtölpel gerne als Nistplatz, die Blaufüßler nisten am Boden. Ihr Nest markieren sie mit einem Ring aus weißem Dung, ansonsten ist es flach und thront auch mal mitten auf dem Wanderweg. Die Vogelmama präsentiert den Touristen stolz ein Ei und ein frisch geschlüpftes Küken unterm Gefieder. Ihre intensiv bunten Füße verdanken die Tölpel der karotin- oder eisenhaltigen Algennahrung. „Je kräftiger die Farbe der Füße, umso gesünder das Tier und umso attraktiver für die Partnerwahl“, weiß Tapia.

Auf Santa Fé empfängt eine Seelöwenkolonie die Gruppe. Doch eigentlich sind hier die Echsen die Stars: Die kleine, freche Lavaechse, die flink durch silbergraues Gras huscht und aufpasst, dass keiner der Galapagosbussarde sie erwischt, und der archaische Santa-Fé-Leguan. Der trägt punkige Stacheln auf dem Kopf und liegt meist reglos unter den baumartigen Kakteen mit ledriger Rinde und fiesen Stacheln an den Blättern. Der Leguan wartet, bis ihm ein Blatt oder eine Frucht vors Maul fällt. Dann schubbert er die Stacheln ab und verputzt sein Mahl.

Nach den reinen Tier-Welten ist Santa Cruz fast ein Kulturschock. Sie ist mit 16 000 Einwohnern die bevölkerungsstärkste der nur fünf besiedelten Inseln. Dass sie vom Tourismus lebt, verrät die Menge an Kneipen, Shops und Touranbietern für Inselhüpfen, Tauchen oder Mountainbiken. Eine Brennerei führt Touristen vor, wie Zuckerrohrschnaps produziert wird, und im Lokal El Manzanillo kann man nach dem Essen bis zu 250 Kilo schwere Riesenschildkröten anschauen. Sie wurden auf dem Areal ausgewildert, nachdem eine Zuchtstation das Überleben der Arten gesichert hatte. Zwischen Akazien, Zedern und Guaven suhlen und mümmeln zwei der zehn auf Galapagos noch lebenden Schildkrötenarten. Eine davon gab dem Inselreich ihren Namen: Galápago, das spanische Wort für Wulst-Sattel, weist auf die sattelförmigen Panzer hin, die diese Art exklusiv entwickelte: Unter dem gebogenen Panzer können die Tiere ihren langen Hals so weit herausstrecken, dass sie Baumkakteen zum Knabbern erreichen.

Auf Española ist die Tierwelt wieder unter sich. Die ganze Insel wirkt so unberührt, dass ein vorbeistampfender Dinosaurier die Besucher wenig überraschen würde. In den Buchten tobt die Seelöwenjugend wie in einem Spaßbad, taucht und springt und surft in der Brandung. Am Himmel breiten Albatrosse ihre beeindruckende Flügelspannweite von knapp drei Metern aus. Die rund geschliffenen Lavabrocken sind weiß gedüngt von unzähligen Vögeln, es riecht nach Tieren, Salz und Algen.

Bei den Meerechsen ist Badetag. Von ihren Sonnensteinen gleiten sie in einen Naturpool und lassen sich hinaus in die Brandung ziehen, wo sie auf den Wellen treiben. Man meint, ein zufriedenes Grinsen in ihren faltigen Gesichtern zu erkennen.

„Ich kann nie genug kriegen von den Inseln, den Tieren, der Natur – und meine Lieblingsinsel ist Española “, verrät Kapitän Christian Cuvi seinen Gästen bei der Rückkehr auf die „Santa Cruz II“ in bestem Deutsch. Das verdankt der Ecuadorianer seinem Stipendium in Flensburg, wo er zum U-Boot-Fahrer ausgebildet wurde, und seiner deutschen Frau, mit der er gemeinsam Galapagos als persönliches Paradies entdeckte.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1