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Röcke & Shorts mit Anspruch

Archivartikel

Das vegane Modelabel Rantipole bietet in der Neckarstadt ausgeflippte Teile an.

Wolle, Pelz, Leder oder Seide – das kommt den Kunden von Rantipole nicht in die Tüte. Das vegane Modelabel verzichtet auf sämtliche tierliche Produkte und will sich damit auf dem Markt für alternative Kleidung behaupten. Die Kunden können die flippigen Teile im Internet-Shop bestellen und dann bei Inhaberin Eva Hotz in der Neckarstadt-Ost abholen. Die 26-Jährige fertigt jedes Stück nach seiner Bestellung extra an.

„Ich nähe alles in Handarbeit und aus Bio-Baumwolle, bald will ich auch die Materialien Leinen und Hanf verarbeiten“, sagt Hotz, während sie in ihrem Atelier die aktuelle Kollektion zeigt. Die Schnittmuster für die diversen Shirts, Röcke, Hosen und Pullis entwirft die gelernte Modedesignerin selbst. Inspirieren lässt sie sich dabei von der Gothic-, Hippie- und Punk-Kultur. Entsprechend ausgefallen sind ihre Produkte.

Mode mit Anspruch

Wer sich nicht traut, das schwarze Top mit pinken Schlitzen zu tragen, findet auch Unauffälligeres. Zum Beispiel einen ausgestellten Taillenrock in Schwarz mit zwei aufgesetzten Taschen in Streifenoptik oder ein T-Shirt mit Schmetterlings-Aufdruck. „Den drucke ich mit meiner eigenen Siebdruckmaschine auf“, erklärt die Mannheimerin und deutet auf das Gerät am anderen Ende des Raums.

Die geschäftige Firmengründerin macht Mode mit Anspruch. „Jeder soll selbstbestimmt leben können“, erklärt Hotz die Idee, die hinter ihrer Marke steht. Deshalb sollen ihre Produkte nicht nur gefertigt werden, ohne dass Tiere dafür leiden müssen. Sie will auch ein Statement gegen die Einteilung in gängige Geschlechterkategorien setzen. „Ich biete viele Klamotten in Unisex an“, sagt Hotz. Bei den anderen Kleidungsstücken wählen die Kunden anstatt zwischen „Frauen M“ und „Männer M“ zwischen „Kleine Größen M “ und „Große Größen M“. Dies sei Teil der Philosophie von Rantipole, „niemand soll gezwungen werden, sich einzuordnen, das wäre diskriminierend“. Und so kommt auch der Labelname nicht von ungefähr: Rantipole, so bezeichnet man im Englischen eine junge, wilde Person.

Wer will, kann nach kurzer Voranmeldung direkt bei Hotz in der Cheliusstraße vorbeikommen und sich die Musterteile anschauen und anprobieren. Außerdem ist es möglich, noch kleine Änderungen vorzunehmen, etwa die Länge der Ärmel anzupassen oder eine Hose enger bzw. weiter zu nähen. „Wenn ein Kunde allerdings das gesamte Design umgeändert haben will oder fragt, ob man das Schnittmuster verändern kann, geht das nicht“, sagt die 26-Jährige mit den grün-, blau- und rotgefärbten Haaren. Sonst würden die Teile noch teurer.

Vegane und sozialverträgliche Produktion

Je nach Arbeitsaufwand und Material kosten Tops bei Rantipole im Schnitt 50 Euro, T-Shirts mit Druck 25 Euro. Für einen selbstdesignten Pulli zahlen Kunden 150 Euro, die bedruckte Variante ist mit 40 Euro deutlich günstiger. Pluder-Hosen gibt es ab 85 Euro, Accessoires wie Beaniemützen für 21 Euro. „Wenn man selber näht, ist die Arbeitszeit das Teuerste“, sagt Hotz. Zwei bis drei Stunden sitzt sie durchschnittlich an einem Kleidungsstück. Deshalb würden in Deutschland ja auch so gut wie keine Kleider mehr genäht, sondern in Billiglohnländer ausgelagert. Das geht für Hotz gar nicht.

Dass es auf der anderen Seite aber oft gar nicht so leicht ist, vegan und sozialverträglich zu produzieren, hat Hotz in den gut anderthalb Jahren, in denen sie ihr Label nun auf dem Markt hat, auch erfahren. Denn wer keine Hornknöpfe und so wenig Plastik wie möglich verarbeiten möchte, der muss lange suchen, bis er die richtigen Stoffe findet. „Ich habe ein Jahr lang recherchiert, wo man die Rohstoffe herbekommt und was ich alles verwenden kann.“ Reisverschlüsse ohne Plastik und aus reinen Biostoffen etwa gibt es nur in Naturfarben von einer Firma aus Italien. „Es kostet viel Zeit, das herauszufinden und dann Lösungen für solche Hindernisse zu finden“, sagt Hotz. Die meisten Stoffe, die die Designerin verarbeitet, kommen aus der Türkei und Portugal.

Hotz freut sich, wenn die Ansprüche, die sie an Mode hat, von anderen geteilt werden und viele Menschen ihre Ware bestellen. „Ich denke, jeder kann sich in den Industrienationen heutzutage aussuchen, wie  er konsumiert, und vegan leben. Ich will aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen.“

In naher Zukunft will Eva Hotz vor allem weitere Kunden gewinnen und eine zweite Nähkraft einstellen, denn der Ein-Frau-Betrieb „ist viel Arbeit, weil ja auch noch die gesamte Buchhaltung dazukommt“. Trotzdem würde sie nichts lieber tun: „Denn es ist genau das, was ich schon immer machen wollte.“