ILMA - Ich liebe Mannheim

Pizza um halb vier in der Früh

Archivartikel

In der Nacht kann man mehr tun als schlafen, essen gehen zum Beispiel. Mannheim hat für hungrige Nachtschwärmer einiges zu bieten – sogar dann, wenn es kein Döner sein soll. Wir stellen drei Orte vor, an denen man auch zur fortgeschrittenen Stunde satt wird.

Restaurant Frenk's

Es ist Sonntagmorgen, zwei Uhr. Schlafenszeit für einige, Zeit zum Feiern für andere – oder  Zeit, um sich eine Pizza oder eine Portion Pasta zu gönnen, vielleicht mit Panna cotta oder Crème caramel als Nachtisch. Im Mannheimer Restaurant Frenk's, nicht weit vom Wasserturm entfernt, merkt man die fortgeschrittene Uhrzeit nicht. Das gemütliche Restaurant mit seinen 100 Plätzen ist gut besucht. In der offenen Küche wirbelt ein Pizzabäcker Teig durch die Luft. Er wird das noch oft in dieser Nacht tun. Bis fünf Uhr hat das Lokal geöffnet – jeden Tag.

In der Raucherlounge sitzen Giuseppe Zingale und Salem Tayeb. Sie lassen sich Spaghetti frutti di mare und Canneloni schmecken. Die Teller sind fast leer. „Heute sind wir ausnahmsweise früh dran. Sonst essen wir hier meist um drei oder vier Uhr“, erzählen sie. Die beiden arbeiten im Palazzo und besuchen das Frenk's beinahe täglich nach der Arbeit. „Oder nach dem Feiern“, sagen sie.

„Es hat wieder gut geschmeckt, wie immer.“ Salem kennt viele Gerichte aus der Karte, er isst selten das Gleiche. Auch die Fleischgerichte und Pizzen schmecken ihm gut. Der gebürtige Tunesier hat das Restaurant vor sieben Jahren entdeckt. Damals war er neu in Mannheim und in Deutschland. Ihm und Giuseppe gefällt, dass sie nachts aus der kompletten Karte wählen und gemütlich sitzen können. Ein Arbeitskollege der beiden kommt rein und holt seine Pizza ab, begrüßt die beiden. „Auch die anderen Kollegen sind oft hier und viele, die im Rosengarten arbeiten“, erzählt Salem. „Die anderen italienischen Restaurants schließen schon um 23 Uhr. Hier bekommt man spät Essen, das Essen schmeckt gut und das Team arbeitet großartig zusammen und ist sehr nett.“

Verantwortlich dafür, dass die Teller am frühen Morgen gefüllt sind, ist Giacomo Manici. Der Mann aus Süditalien ist seit 30 Jahren, seit der ersten Stunde, Geschäftsführer im Frenk's. Ursprünglich war das Frenk's eine Pianobar, in der man Kleinigkeiten essen und einen Aperitif trinken konnte. Aus dieser Zeit stammt auch der Name. „Der ehemalige Restaurantleiter hieß Franco“, sagt Manici.

Das Klavier gibt es noch im hinteren Teil des Lokals, in dem man unter Straßenlaternen Platz nehmen kann. Seit vielen Jahren schon ist das Frenk's ein Speiselokal und bekannt für die Nachtküche. „Zu uns kommen Geschäftsleute, Liebespaare, Gastronomen oder Freundeskreise nach der Party.“ Auch Thomas Gottschalk, Helmut Kohl, Mario Barth und bekannte Fußballspieler seien schon dort gewesen. Ebenfalls meist zu fortgeschrittener Stunde. „Wenn eine Veranstaltung zu Ende ist, möchte man nicht den Druck haben, schnell bestellen und essen zu müssen. Man möchte gemütlich sitzen und höflich bedient werden.“ Im Sommer kämen viele, die sich nachts einen Eisbecher bestellen. „Das kann man sonst nirgends um die Uhrzeit“, sagt er.

Spaghetti Oper

Ein paar Straßen weiter in den Quadraten, in K 2, sitzt eine Gruppe von Leuten um halb vier Uhr morgens vor gefüllten Tellern in der Spaghetti-Oper. Vorher waren sie feiern, danach hätten sie meist Hunger, erzählen sie. Wie der Name schon vermuten, lässt, ist die Spaghetti-Oper ein Paradies für nachtaktive Pasta-Freunde. Sonntags bis donnerstags hat das Restaurant bis 1 Uhr geöffnet. Freitags und samstags kann man sogar bis 5 Uhr bleiben. Die Küche schließt in der Regel eine halbe Stunde früher.

„Unsere Spezialität sind hausgemachte weiße und grüne Spaghetti und grüne Bandnudeln. Dazu kann man aus 60 verschiedenen Soßen wählen“, sagt Inhaber Rainer Neff. In den Räumen des Restaurants waren schon immer Nachtschwärmer zuhause. Einst hieß das Lokal Geheimrat und war eine bekannte Szenekneipe. Daran erinnert sich der Mannheimer Neff, der auch mal dort zu Gast war. Im Jahr 2010 übernahm er die Spaghetti-Oper zusammen mit seiner Frau. „Es ist jeden Abend voll.“ Auch zwischen Mitternacht und vier Uhr kämen oft noch 25 Gäste. Das Angebot ist unabhängig von der Uhrzeit. Wenn am Wochenende um kurz nach vier niemand mehr da sei, würden sie allerdings schließen, denn er mache den Service mit seiner Frau allein.

Rhodos

Wer nicht nur hungrig ist, sondern auch neue Leute treffen und feiern möchte, ist im Rhodos im Szeneviertel Jungbusch richtig. In der griechischen Kultkneipe denkt um vier Uhr nachts niemand daran, die Tür zuzusperren. Um nach 4 Uhr ist der Laden voll, die Musik laut und die Gäste in bester Feierlaune. Es braucht ein wenig Zeit, bis man sich einen Weg durch die Menge zu den Tischen gebahnt hat. An der Theke stehen zwei Männer und essen Pommes rot-weiß. „Hier gibt’s die besten Pommes und den größten Spaß“, sagen sie fröhlich und lassen sich ihr Essen schmecken. „Die einen bestellen nachts meist eine riesige griechische Platte, die anderen Pommes rot-weiß“, sagt Athanasios Kosmadakis, der die Kultkneipe von seinem Vater übernommen hat. Stammgäste kennen ihn unter dem Namen Saki. „Wir sind ein Nachtladen und versuchen ehrliches Essen zu bieten. Wer ein Sternelokal erwartet oder mit der Familie weggehen will, ist hier falsch.“ In seinem Lokal fänden Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen. „Hier bleibt niemand allein!“