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Fußball - Das Königsklassen-Debakel von Borussia Dortmund hinterlässt nichts als Frust und Fragezeichen

Immenser Flurschaden

Von 
Felix Meininghaus
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Lissabon. Wer sich ein bisschen eingehender mit dem Sporting Clube de Portugal beschäftigt, kann erstaunliche Details lernen. Zum Beispiel, dass der Verein weltweit der einzige ist, der mit Luis Figo und Cristiano Ronaldo gleich zwei Akteure ausgebildet hat, die von der Fifa als Spieler des Jahres ausgezeichnet wurden. Zudem markierte der 23-malige portugiesische Meister in der Saison 1963/1964 beim 16:1 gegen Apoel Nikosia den höchsten Sieg der Europapokal-Geschichte und hatte in Fernando Peyroteo in den 1930er und 40er Jahren einen Wunderstürmer, der in 332 Spielen 540 Tore erzielte, was einer märchenhaften Quote von 1,6 entspricht.

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Natürlich spielt das in der Jetzt-Zeit keine Rolle mehr, doch auch in der Gegenwart gibt es für Sporting gute Gründe, auf das Erreichte stolz zu sein. Zum Beispiel, dass der Traditionsclub in der Champions League die Gruppenphase überstanden hat und damit im Geldvermehrungs-Wettbewerb mindestens 20 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen verbuchen darf.

Ratlos in Lissabon: BVB-Trainer Marco Rose wollte die Ausfälle von wichtigen Leistungsträgern nicht als Alibi heranziehen.

Dieses Geld hätten sie in Zeiten der Pandemie, in denen alle Profiklubs mit empfindlichen Einbußen leben müssen, auch liebend gern bei Borussia Dortmund eingestrichen. Doch das börsenorientierte Fußballunternehmen ist in der eigentlich machbaren Gruppe C gewogen und für zu leicht befunden worden. Das 1:3 in Lissabon offenbarte schonungslos, dass es dieser Mannschaft an vielem mangelt, was nötig ist, um sich in der Königsklasse zu behaupten.

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Veröffentlicht
Kommentar von
Marc Stevermüer
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Der Abstieg in die Europa League ist nach einer durch und durch fehlerhaften Leistung folgerichtig, hernach mochte Trainer Marco Rose die Dinge gar nicht erst beschönigen: „Wir haben zu einfache Gegentore bekommen, der Gegner war in den entscheidenden Situationen konsequenter und kompromissloser.“ Diese Aussage wiederholte Rose mehrmals, was den Umkehrschluss zulässt, dass seine Mannschaft in puncto Konsequenz und Kompromisslosigkeit deutliche Defizite offenbart. Dortmunds Abwehrchef Manuel Akanji kann seinem Chef da ohne Wenn und Aber folgen: „Du musst gegen einen solchen Gegner einfach aggressiver spielen“, bemängelte der Schweizer Nationalspieler: „Das war zu wenig.“ Rose beobachte, dass es „zu einfach ist, gegen uns Tore zu machen“, und Kapitän Marco Reus ergänzte: „Wir diskutieren immer wieder über die gleichen Fehler, die wir machen.“ In Lissabon durften sich Nico Schulz angesprochen fühlen, dem vor dem 0:1 ein schlimmer Patzer unterlief. Oder der eingewechselte Emre Can, dessen Rote Karte ebenso dämlich wie überflüssig war, sowie der wiedergenesene Manndecker Dan-Axel Zagadou, der ins Spiel kam und kurz darauf einen Foulelfmeter verursachte.

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Wolfsburg nächster Liga-Gegner

Trotz solch ärgerlicher Patzer mochte Rose nicht den Stab über sein Personal brechen. „Grundsätzlich bin ich Teil der Mannschaft“, betonte der gebürtige Leipziger, der auch die vielen Ausfälle von wichtigen Leistungsträgern nicht als Alibi heranziehen mochte: „Mein Gott, dann ist das halt so. Unser Kader ist groß genug.“ Eine solche Sichtweise ehrt den Trainer, de facto geht sie jedoch an der Realität vorbei. Der BVB ist noch einmal ansatzweise in der Lage, den Ausfall von wichtigen Spielern wie Erling Haaland (dessen Abschied nun immer näher rücken dürfte), Mats Hummels und Raphael Guerreiro zu kompensieren. De facto – so die Lehren aus dem Herbst des Jahres – ist dieser Kader wenig ausgewogen zusammengestellt. In Lissabon waren mit Schulz, Can, Zagadou, Reinier, Marin Pongracic und Steffen Tigges gleich sechs Dortmunder auf dem Rasen, die zumindest an diesem Abend nicht einmal in die Nähe eines Niveaus kamen, das nötig ist, um in der Champions League gehobene Ansprüche formulieren zu können.

Während es in der Liga und im nationalen Pokalwettbewerb für die Borussia nach Plan läuft, ist der Flurschaden, den das frühzeitige Aus in der Königsklasse hinterlässt, immens. Für Rose war die Nacht von Lissabon „mehr als bitter. Es war unser klares Ziel, in der Champions League zu überwintern.“ Die Wortwahl von Reus fiel noch deutlich drastischer aus. Der Nationalspieler sprach von einem „beschissenen Abend. Wir sind raus, fahren mit leeren Händen nach Hause und das tut weh.“

Am Samstag spielt der BVB in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg.

Freier Autor

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