Museologie - Würzburger Studiengang öffnet sich internationalen Museumskonzepten Aus Besuchern werden "User"

Lesedauer: 

Martin Pracher führt im Martin-von-Wagner-Museum Studierende in die Kunst des Restaurierens ein.

© Pat Christ

Würzburg. Ein Museum ist ein Ort, wo systematisch gesammelt wird, wo Sammlungsstücke erforscht und präsentiert werden. Doch könnte ein Museum nicht mehr sein? "In anderen Ländern ist es das", sagt Guido Fackler, Professor für Museologie an der Universität Würzburg. Seit vier Jahren bildet er Museumsfachleute vor allem für die unterfränkische Region aus. Die angehenden Spezialisten erhalten bei ihm ein solides Fundament. Gleichzeitig werden sie mit innovativen Ideen konfrontiert.

Konzept "Sociomuseology"

AdUnit urban-intext1

Museen sind Orte für Menschen mit genügend Zeit, Geld und Bildung. Vor allem in Deutschland ist das so, meint Fackler. Dass es sehr viele Menschen gibt, die nie, jedenfalls nie freiwillig, ein Museum betreten, wird einfach so hingenommen. Doch es gibt weltweit gesehen ganz andere Konzepte, was ein Museum sein und wie es funktionieren könnte. Dies werden die Studierenden der Museologie im Dezember von der brasilianischen Museologieprofessorin Manuelina Maria Duarte Cândido erfahren. Die erste internationale Gastprofessorin des noch jungen Studienfachs wird Einblicke in das Konzept der "Sociomuseology" geben.

Durch das Konzept "Sociomuseology" sollen "Museen eine höhere gesellschaftliche Relevanz erhalten", erläutert Fackler. Zum einen thematisch: Es soll solche Themen aufgegriffen werden, die die Menschen wirklich bewegen, worüber sie wirklich diskutieren. Zum anderen bezüglich des Publikums: Alle Menschen sollen, unabhängig von ihrem Bildungsgrad, angesprochen werden. Mehr noch, die Menschen sollen das Museum als ihre eigene Angelegenheit begreifen. Fackler: "Was bedeutet, dass Wege gesucht werden müssen, wie die Menschen in die laufende Museumsarbeit involviert werden können." Eigentlich ist es ja auch ein abwegiger Gedanke, dass nur die Museumsmacher Expertise hätten. Dass nur sie Antworten besitzen.

In Museen, die sich den Gedanken der "Sociomuseology" öffnen, werden die Erfahrungen, die Sichtweisen und die Meinungen der Besucher zu bestimmten Fragestellungen in das Ausstellungskonzept integriert. Voraussetzung hierfür ist eine "Museums-Community", die auf Augenhöhe miteinander kommuniziert. Mit einer einmaligen Besichtigung ist es dann nicht mehr getan. Da das Museum lebt, gibt es immer wieder Anlässe, es zu besuchen, sich Anregungen zu holen oder Impulse zu geben. Fackler: "Im Idealfall wird aus dem Besucher ein 'User'." Das sind natürlich alles noch Zukunftsträume. Doch dadurch, dass die Studierenden mit solchen Ideen als Praktikanten in Museen der Region gehen, werden die neuen Gedanken allmählich verbreitet. Natürlich erwartet aber auch der Besucher der Zukunft, dass Museumsleiter fundierte Kenntnisse besitzen. Auf eine solide Ausbildung wird deshalb großen Wert gelegt. So befassen sich die Museologie-Studierenden im dritten Fachsemester intensiv mit Medien wie iPhone oder iPad. Denn kein Museum kommt heute um den Einbezug digitaler Techniken herum. Immer wieder kommen externe Experten zu den Studierenden, um Einblick in ihr jeweiliges Wissensgebiet zu vermitteln.

AdUnit urban-intext2

Soeben brachte zum Beispiel der Würzburger Restaurator Martin Pracher den Studierenden in einem Workshop im Martin-von-Wagner-Museum bei, Schadensbilder von Gemälden zu identifizieren. Pat Christ