Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr

Viele Zukunftsthemen beraten

Öffentlicher Personennahverkehr, Mobilfunk und E-Mobilität waren Themen

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lra
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Neckar-Odenwald-Kreis. Von Zukunftsthemen geprägt war die Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr des Neckar-Odenwald-Kreises am vergangenen Montag in der Mudauer Odenwaldhalle. Zunächst beschäftigte sich das Gremium mit dem weiteren Ausbau der dynamischen Fahrgastinformationsanzeiger (DFI). Zusammen mit der Firma Trapico (Lahr), einer Tochtergesellschaft der Südwestdeutschen Eisenbahngesellschaft, hatte der Landkreis bereits ein Maßnahmenkonzept entwickelt und die erste Digitalisierungsstufe, die die Installation und Inbetriebnahme von acht Anzeigern an sieben Standorten beinhaltete, umgesetzt.

„Wir wollen mit den Anzeigern den Einstieg in ein neues ÖPNV-Zeitalter einläuten. Nutzerfreundliche Informationen auf aktuellstem Stand sind schon etwas anderes als kleingedruckte, womöglich schlecht lesbare Fahrpläne und ein großes kollektives Herumrätseln der Schicksalsgemeinschaft am Bussteig“, betonte Landrat Dr. Achim Brötel zu Beginn.

Ausschuss in Kürze

2019 wurden die Regiobuslinien 899 MosbachSinsheim und 999 BuchenTauberbischofsheim eingeführt. Da diese durch Landesmittel gefördert werden, musste der Ausschuss über die Zukunft der Linien beraten. Die Verwaltung schlug vor, die Linien aufgrund der hohen Nachfrage von bis zu 750 Fahrgästen pro Tag fortzuführen. Der Ausschuss folgte diesem Vorschlag einstimmig. Die Linie 899 (Mosbach - Sinsheim) wird zudem ab 2024, entsprechend den Anforderungen des Landes, im Halbstundentakt verkehren.

Der Ausschuss wurde über die Vergabe von Buslinienverkehrsleistungen im Linienbündel SeckachWalldürn (Linie 848, 849 und 846) informiert. Nach einer europaweiten Ausschreibung lagen zwei vergaberechtlich wertbare Angebote vor, die die umfangreichen Vorgaben des Nahverkehrsplans erfüllten. Entsprechend erfolgte der Zuschlag an die jeweiligen Omnibusunternehmen. Die Betriebsaufnahme für das ausgeschriebene Linienbündel ist für Juni 2023 vorgesehen.

Um auf Kreisebene die jeweiligen Bedarfe besser abschätzen und so die Umsetzung des Ladeinfrastrukturausbaus gezielt weiter vorantreiben zu können, beschlossen die Ausschussmitglieder, ein Ladeinfrastrukturkonzept bei einem leistungsfähigen Planungsbüro in Auftrag zu geben. Die Zustimmung erfolgt bis zu einer Auftragssumme von 50 000 Euro und unter der Voraussetzung einer komplementären Landesförderung von 50 Prozent.

Sowohl die Leader-Region Neckartal-Odenwald aktiv als auch Badisch-Franken haben vor Kurzem den Zuschlag für eine erneute Förderperiode von 2023 bis 2027 erhalten. Um hierbei handlungsfähig zu werden, gewährt der Neckar-Odenwald-Kreis beiden Kulissen ein zinsloses Darlehen mit einer Laufzeit bis zum Ende des Förderzeitraums zur Liquiditätssicherung. Darüber hinaus stimmte der Ausschuss einer Kofinanzierung des jeweiligen Regionalmanagements sowie den jährlichen Anteil am Regionalbudget zu.

In der sich nun anschließenden Stufe sollen 67 Anzeiger an 37 Standorten verwirklicht werden. Warum es weiteren Ausbaubedarf gibt und wo die Anzeiger installiert werden sollen, erläuterte dann Trapico-Mitarbeiterin Christine Matt.

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Ausgewählt wurden Haltestellen im ganzen Kreis, an denen mehrere Buslinien verkehren und die daher der Verknüpfung dienen. Die Anzeiger selbst, so Matt, arbeiten dank eines Solarmoduls in Kombination mit einer Batterieeinheit weitgehend autark. Die Daten werden jeweils über eine Mobilfunkverbindung aus einer Cloud eingespielt, so dass keine Tiefbauarbeiten notwendig sind.

Das System sei jederzeit mit geringem Planungs- und Vorbereitungsaufwand erweiterbar, erklärte Matt. Zusätzlich tragen die neuen Anzeiger zur Barrierefreiheit bei, da die Abfahrtszeiten über eine barrierefreie Vorlesefunktion (Text-to-Speech-Funktion) auch für Menschen mit einer Sehbehinderung zugänglich sein werden.

Die Gesamtkosten für die zweite Ausbaustufe, ergänzte Landrat Brötel, liegen bei über 500 000 Euro, wobei man auf eine entsprechend hohe Förderung aus Landesmitteln hoffe. Nach einem kurzen Austausch stimmten die Ausschussmitglieder einstimmig dem Ausbau zu. Die Verwaltung wird zusammen mit der Firma Trapico nun das Projekt ausschreiben und dann dem Ausschuss über das Ergebnis berichten.

„Unsere Neukonzeption bei den Ruftaxi-Verkehren ist im Dezember 2021 an den Start gegangen und läuft seitdem auch sehr gut. Leider ist es uns damals nicht gelungen, tatsächlich alle Lose zuzuschlagen. Insbesondere im Bauland war das nicht möglich“, leitete Landrat Brötel dann zu einem weiteren ÖPNV-Thema über.

Nachdem die Linien im östlichen Teil des Landkreises mit der Anbindung von Adelsheim, Buchen, Hardheim, Höpfingen, Limbach, Osterburken, Ravenstein, Rosenberg und Walldürn aufgrund höherer Anforderung der Neukonzeption nicht bedient werden konnten, habe man hier zunächst mit den Bestandsunternehmen weitergearbeitet. Der Ausschuss wurde in der Sitzung darüber informiert, dass die Leistungen aber zum Fahrbahnwechsel 2022 neu vergeben werden konnten. Neben dem langjährigen Bestandsunternehmen Taxi Kistner (Buchen) wird erstmals auch die Firma Sport & Fun Reisen aus Osterburken Ruftaxiverkehre fahren. Gemeinsam mit diesen Unternehmen, so die Information der Verwaltung, möchte man die Verkehre perspektivisch im Sinne der Neukonzeption weiterentwickeln.

Johannes Biste, verantwortlich für die Wirtschaftsförderung im Landratsamt, informierte schließlich die Ausschussmitglieder über aktuelle Entwicklungen im Mobilfunkausbau. „Insgesamt gibt es im Kreis 162 Mobilfunkstandorte. Seit dem Jahr 2020 sind alleine 70 zusätzliche Mobilfunkstandorte in Betrieb genommen worden“, sagte Biste. Weitere 32 Projekte seien zudem bereits so weit konkretisiert, dass mit einer Realisierung im kommenden Jahr zu rechnen ist.

Neue Mobilfunktürme

Drei neu errichtete Mobilfunktürme der Firma American Tower Germany im Bereich Hardheim werden aufgrund von Umstrukturierungsmaßnahmen erst im Frühjahr 2023 mit Technik bestückt, erläuterte Biste aufgrund einer Anfrage im Vorfeld der Sitzung. Mit Vodafone stehe der Betreiber aber kurz vor dem Vertragsabschluss. „Es tut sich da momentan erfreulicherweise eine ganze Menge. Insbesondere hat sich die Tatsache, dass das Ingenieurbüro P3 Group aus Aachen in unserem Auftrag 2019 flächendeckende Befahrungen im gesamten Kreisgebiet durchgeführt hat, dabei als absolut richtig erwiesen.

Gleichwohl ist unsere Versorgungssituation, wenn man das Ganze kreisweit betrachtet, aber noch immer stark verbesserungswürdig“, ordnete Landrat Brötel zu Beginn der Aussprache ein. Einig war man sich in der Diskussion, dass der Mobilfunk möglichst in gemeinsam genutzten Funktürmen gebündelt werden müsse, insbesondere bei der 5G-Technologie. Auch ein „nationales Roaming“ würde helfen, die Zahl der notwendigen und zum Teil in der Bevölkerung umstrittenen Türme gering zu halten, so der Tenor bei der Sitzung.

Die Wirtschaftsförderung solle möglichst darauf hinwirken, einen Wildwuchs zu vermeiden, forderten einige Ausschussmitglieder, wobei Wirtschaftsförderer Biste auf den begrenzten staatlichen Einfluss beim „hochkomplexen, privaten Ausbau“ des Mobilfunks verwies. Der Landrat sicherte einen erneuten Bericht über den weiteren Ausbau zu. lra