„Hanka. Die Geschichte vom 24. Februar 1945“

Die Heimatgeschichte begreif- und erfahrbar machen

Ein Film des Museums Wagenschwend zeichnet das kurze Leben der Zwangsarbeiterin Hanka nach

Von 
Ursula Brinkmann
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Zeichnen für den Film „Hanka. Die Geschichte vom 24. Februar 1945“ verantwortlich: Friederike Kroitzsch, Lutz Berger und Gerhard Schäfer. Zeichner Marten Mathies Lojenburg fehlt auf dem Foto, das im Museum Wagenschwend entstanden ist. © Ursula Brinkmann

Neckar-Odenwald-Kreis. Zehn Minuten und 43 Sekunden dauert der Film. Er erzählt, was am 24. Februar 1945 in dem kleinen Odenwalddorf Wagenschwend geschah. An dem Tag hatte das Schicksal vier Menschen wie Figuren auf einem Schachbrett aufeinander zubewegt. Im Dorfgasthaus „Linde“ trafen sie aufeinander und fanden den Tod.

Davon erzählt der Film „Hanka. Die Geschichte vom 24. Februar 1945“. Er beginnt mit den lieblichen Klängen einer Spieluhr und dem Bild einer Hand, die einen Zeichenstift hält. Dann erscheint der Hashtag # Hanka. Er erzählt die Geschichte von Hanka Szendzielarz, der polnischen Zwangsarbeiterin, deren gerade 25 Jahre währendes Leben in Wagenschwend endete.

Das Museum Wagenschwend hat den Film produzieren lassen. „Ein Stück großer Weltgeschichte im kleinen Wagenschwend“, ist auf der Website des Museums dazu zu lesen.

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Veröffentlicht
Von
Lisa Forster
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„Wie erzählt man von einem Menschenleben in bewegten Bildern, wenn man fast keine Bilder hat?“ Das haben sich vom Museumsvorstand Gerhard Schäfer und Friederike Kroitzsch gefragt, denen es ein Anliegen war und ist, Heimatgeschichte so zu vermitteln, dass sie für heutige Betrachter und Leserinnen lebendig wird.

Zum Leben erweckt

Zum Leben erweckt wurden die Ereignisse in den letzten Kriegstagen von einem Zeichner, einem Filmemacher und einer Radioreporterin. Kroitzsch, SWR4-Frau im Odenwald zwischen Mosbach und Buchen, und Schäfer, Museumsvereinsvorsitzender, fanden in Marten Mathies Lojenburg und Lutz Berger die Partner, die es für ein zwar kleines, aber ambitioniertes Projekt wie einen Film brauchte. Der eine Grafiker und Illustrator aus Hamburg, der andere geschichtsversessener Filmemacher aus Heidelberg mit „großer Liebe zum Odenwald“.

Jahrelang hatte Museumsleiter Gerhard Schäfer gemeinsam mit anderen die Geschichte von Hanka Szendzielarz recherchiert.

Grundlage

Friederike Kroitzsch hatte ihr Schicksal und das der ebenfalls Betroffenen bereits in einem Büchlein mit dem Titel „Der 24. Februar 1945“ veröffentlicht. „Es diente uns als Grundlage.“ Nun galt es ein Drehbuch zu schreiben, eine neue Erfahrung für die Radio-Moderatorin. Die machte auch Lojenburg.

Drei Tage lang saß der Illustrator im Museum Wagenschwend und zeichnete. Wenige Bild- und Schriftdokumente, was man weiß von den Kriegsvorgängen im Allgemeinen und im Speziellen und die unmittelbare Umgebung, das Museum mit seinen Schätzen sowie das Dorf selbst lieferten die Vorlagen, lieferten die Inspiration. Was er auf dem Papier daraus machte, überzeugte den Durch-und-durch-Wagenschwender Schäfer spätestens mit der Darstellung des Gasthauses, in dem es zu der dramatischen Eskalation mit vier Toten kam. „Das hat er genau getroffen!“

Der Film zieht Kreise

Der Film zieht inzwischen Kreise. Der polnische Generalkonsul Jan M. Malkiewicz besuchte im Herbst das Grab von Hanka Szendzielarz auf dem Friedhof Wagenschwend, denn ihr Mann Zygmund ist in Polen ein Nationalheld. Als einer der Ersten sah er den Film und war begeistert.

Eine Übertragung des Films in polnische Sprache ist inzwischen dank Spenden auf dem Weg. Malgorzata Gebel, eine bekannte polnische Schauspielerin, die schon in „Schindlers Liste“ mitspielte, ist auf den Film aufmerksam geworden und will nach Wagenschwend kommen.

Aber ob Generalkonsul, Film auf Polnisch oder womöglich ein größeres Filmprojekt – den Museumsleuten kommt’s vor allem darauf ein, dass Heimatgeschichte begreif- und erfahrbar wird, nahe kommt und bewegt. Insbesondere jüngere Menschen, Schülerinnen und Schüler möchten sie ansprechen.

Für Lutz Berger, der sich auch als „Bildungsreporter“ versteht, haben bei der Vermittlung heimatlich-historischer Inhalte moderne Medienmitteln eine Schlüsselrolle, die „zwischen Vergangenheit und Zukunft“.

Diese (auch digitale, filmische) Zukunft hat im Museum Wagenschwend längst begonnen, etwa mit der Präsentation des „Objekts des Monats“. Auf das, was die rührigen Museumsleute sich noch ausdenken, darf man gespannt sein.