Angebot „Familienhebammen“ - Christine Göhring vom Diakonischen Werk und Heike Janson vom Caritasverband helfen Eltern in neuer Situation mit dem Baby Bindung zum Kind ist das Allerwichtigste

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Christine Göhring (links) und Heike Janson sind die Gesichter des Angebots „Familienhebammen“ im Rahmen der Frühen Hilfen des Jugendamts. Sie helfen Müttern und Vätern, die Bindung zu ihrem Kind herzustellen und geben hilfreiche Tipps. © v. Brandenstein

Das Angebot „Familienhebammen“ im Rahmen der Frühen Hilfen des Jugendamts unterstützt Mütter und Väter bereits während der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr des Kindes.

Angebot „Familienhebammen“

Das Angebot „Familienhebammen“ ist bei den Schwangerschaftsberatungen von Caritas und Diakonie angesiedelt und wird von Birgit Ditter von katholischer und Ulrike Rein von evangelischer Seite koordiniert.

Sie führen regelmäßige Teamgespräche und Fallbesprechungen und sind für Dokumentationen und die Koordination von Anfragen verantwortlich.

Christine Göhring und Heike Janson sind die Fachkräfte in den Familien.

Die Einsatzdauer in den Familien betrug im Jahr 2017 zwischen einem und 16 Monaten – im Durchschnitt waren es rund 7,2 Monate.

Das Alter der Schwangeren oder der Mütter lag zwischen 18 und 36 Jahren – im Schnitt bei 26 Jahren.

Im vergangenen Jahr betreute Christine Göhring 33 Mütter, Väter und Säuglinge, Heike Janson war bei 23 Familien im Einsatz.

Seit der Erhöhung des Stellenschlüssels zum Jahresbeginn haben die Caritasverbände ein Kontingent von elf Stunden pro Woche, das Diakonische Werk kommt auf 20 Wochenstunden. Damit wurde das Angebot seit seiner Einführung 2014 verdoppelt.

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Main-tauber-Kreis. Wenn ein Kind geboren wird, herrscht Freude, das Familienglück ist komplett. So will es das Klischee. Dass manche Eltern im Umgang mit dem neuen Erdenbürger aber verunsichert oder gar überfordert sind, gehört auch zur Realität. Deshalb wurde im Rahmen der beim Jugendamt angesiedelten Frühen Hilfen im Jahr 2014 das Angebot „Familienhebammen“ aufgelegt.

Einen guten Start ins gemeinsame Leben ermöglichen, lautet das Ziel des Angebots, das sich das Diakonische Werk Main-Tauber-Kreis, der Caritasverband im Tauberkreis und der Caritasverband Heilbronn-Hohenlohe teilen. Angesiedelt ist es bei den jeweiligen Schwangerschaftsberatungen, die durch Beratungen und Hilfen ohnehin Kontakt zur Zielgruppe haben.

Zusatzqualifikation

Christine Göring, ausgebildete Hebamme, arbeitet für die Diakonie, Heike Janson, gelernte Kinderkrankenschwester und Lehrerin für Kinderkrankenpflege, für den Caritasverband. Beide haben darüber hinaus die Zusatzqualifikation Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin absolviert sowie die Weiterbildung zur Fachkraft Frühe Hilfen.

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Die gestandenen Frauen wissen, was sie tun und worüber sie sprechen. Sie kennen die Sensibilität junger Mütter, deren Ängste, etwas falsch zu machen, ihre Unsicherheiten im Umgang mit dem Säugling oder Kleinkind. Sie können den Baby-Blues einschätzen und aktiv unterstützen. Sie bieten mit dem Projekt „Familienhebamme“ ein freiwilliges und äußerst niederschwelliges Angebot, das jeder in Anspruch nehmen kann.

Keine Wartezeiten

„Unsere Arbeit ist aufsuchend. Wir gehen in die Familien und besprechen beim ersten Kontakt, wie wir die Familie unterstützen können“, beschreibt Christine Göhring die Vorgehensweise. „Wartezeiten gibt es keine“, fügt Heike Janson an. Wer sich meldet, erhält prompt einen Termin. Eines vermeidet das Duo allerdings: Betreut eine Hebamme die Familie, nehmen die beiden erst dann Kontakt auf, wenn Erstere ihre Arbeit beendet hat.

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„Viele junge Eltern sind unsicher im Umgang mit ihrem Baby. Sie wissen nicht, was sie tun sollen, wenn es Bauschmerzen hat, ständig schreit oder wie sie es beim Baden halten sollen“, beschreibt Göhring einige der Probleme, mit denen sie und ihre Kollegin konfrontiert werden. Oft seien die Mütter nur noch zwei bis drei Tage in der Klinik, zuhause dann seien sie auf sich allein gestellt. Die eigenen Eltern arbeiten meist noch und stehen als Hilfe nicht zur Verfügung.

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„Wir beobachten das Kind und erkennen seine Bedürfnisse“, erläutert Heike Janson. Denn ein Baby dürfe nicht einfach so nebenher laufen, man müsse ihm etwas anbieten. „Da haben viele falsche Vorstellungen.“ Mit farbigen Tüchern spielen, aus einem simplen Joghurtbecher Rasseln basteln, singen. All das sind wichtige Anregungen für kleine Erdenbürger, die sie für ihre Entwicklung benötigen.

Babymassage

Natürlich spielen auch Gesundheitsfragen eine Rolle: Ab welchem Alter soll ein Kind was essen, wie kocht man Brei oder massiert den von Blähungen gequälten Babybauch? Es kann auch mal vorkommen, dass eine Mutter zum Kinderarzt begleitet wird. Zudem wird auf die Hygiene oder mögliche Entwicklungsverzögerungen beim Kind ein Auge geworfen.

Das Wichtigste für die beiden Fachkräfte ist jedoch der Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind, wobei – wann immer möglich – der Vater miteinbezogen wird. „Manche haben zu ihrem Handy eine bessere Bindung als zu ihrem Kind“, stellen sowohl Christine Göhring als auch Heike Janson fest. Das mobile Telefon liege ständig neben den Müttern. Über Fragen rund um die Babypflege informierten sie sich über eine Still- oder eine Wickelapp. Zudem laufe das Fernsehen in vielen Familien ständig.

Den beiden Betreuerinnen liegt es deshalb am Herzen, die Mütter für die Bedürfnisse ihrer Babys zu sensibilisieren, deren Körpersprache richtig zu interpretieren und ihnen aufzuzeigen, wie wichtig Blickkontakt und Mimik für die Kleinen sind. „Die Handys“, sind sich die beiden Frauen sicher, „werden uns noch viel beschäftigen.“

Ziel des Angebots „Familienheb-ammen“ ist es, Mütter und Väter zu stärken, damit sie mit der neuen Sachlage „Familie mit Baby“ zurecht kommen. Netzwerke wie der Kontakt zu Krabbelgruppen oder Familienzentren werden ebenso aufgezeigt, wie die Möglichkeit, sich bei Problemen beraten zu lassen. Die Schwangerschaftsberatungen von Caritas und Diakonie bieten zum Beispiel Hilfen bei Anträgen.