Fastnacht - Am 11. November um 11.11 Uhr wäre die neue Kampagne gestartet / Kleinere Aktionen im Internet und im Sommer 2021 geplant Whatsapp-Nachrichten statt Rathaussturm

Von 
Heike Barowski
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Beim Rathaussturm im vergangenen Jahr „musste“ das Stadtoberhaupt erst gefesselt werden, damit die „Wölfe“ ihre Regentschaft antreten konnten. © FN-Archiv/Kellner

Wertheim. „Helau“, „All heul“, „Hoppel, Hoppel – Zick Zack“ – die Schlachtrufe der Faschingsvereinigungen in der Region hätte man am Mittwoch, 11. November, allerorten wieder ab 11.11 Uhr durch die Gassen und in den Hallen schallen hören.

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Doch die Betonung liegt auf dem kleinen Wörtchen „hätte“. Was am Ende immer auf Fahrradkette gereimt wird, sorgt leider für eine gewisse Traurigkeit bei Aktiven und Faschingsanhängern. Denn der erneute Lockdown und die zahlreichen Vorschriften haben die Kampagne 2020/21 „begraben“.

Einer der ersten Vereine, der kund tat, dass es statt des närrischen Treibens ab dem 11.11. lediglich „lange Gesichter“ geben werde, war die Faschingsgesellschaft Mondfeld. „Wir machen keine Sitzung, keinen Umzug – wir machen einfach gar nichts“, sagt Patrick Grän. Die Verbitterung ist dem Vereinsvorsitzenden und Sitzungspräsidenten anzumerken. Das Risiko sei einfach zu groß gewesen, deshalb habe man sich zu diesem Schritt entschieden, so Grän weiter. Lediglich ein kleiner Beitrag auf Facebook soll an den Rathaussturm und die Vorstellung des Prinzenpaares erinnern. Beides hätte am Mittwoch, 11. November, unter dem Motto „Muppet-Show“ ganz sicher die Gemüter erheitert. Allerdings sammle man in Mondfeld gerade Ideen für das eigentliche Faschingswochenende. Das wolle man ohne eine Aktion nicht vorüberziehen lassen. Im Sommer könne Grän sich dann ein leichtes und faschingsähnliches Programm durchaus vorstellen.

Der WCW ist einer größten faschingsvereine in der Region. Doch was zur Zeit auf seiner Homepage zu lesen ist, treibt so manchem Wolf die Tränen in die Augen: die Absage der Faschingskampagne. Auch hier stand das hohe Risiko und die Verantwortung für die Gesundheit der Aktiven, ihrer Familien und nicht zuletzt aller Narren im Vordergrund. Anstelle von Claus Kleber verbreitet nun der frühere Oberwolf Heiko Krimmer im „heute journal“ auf der WCW-Homepage diese Nachricht. Statt ins Wertheimer Rathaus zu ziehen, bleiben die Wölfe in ihrem Bau. „Natürlich werden an so einem Tag ein paar Kurznachrichten hin und her geschickt. Aber das war es dann“, sagt der Vorsitzende Michael Oetzel. Man habe in Wertheim lange überlegt, unter Einhaltung aller Regeln am 11.11. eine Aktion zu starten. „Wie soll die denn aussehen? Der Oberbürgermeister und ich? Dann sind nämlich die zwei Haushalte erfüllt“, meint er. „Es macht einfach keinen Sinn“, bedauert Oetzel.

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Bedauern auch in Bettingen. Mit Tschingderassassa und guter Laune hätten die närrischen Sandhasen das neue Prinzenpaar abgeholt und wären in die Halle gezogen. 200 Leute hätten dann zünftig den Fastnachtsauftakt gefeiert. Und wieder bleibt es beim Konjunktiv. Aber auch die Sandhasen wollen diese Kampagne nicht so ganz spurlos vorüber ziehen lassen. Wie Heiko Weidmann versichert, soll wenigstens das Prinzenpaar in einem angemessenen Rahmen in absehbarer Zeit präsentiert werden. „Klar schreiben wir uns ein ’Helau’. Aber das war’s dann.“

Ob in Urphar, Höhefeld und anderen Ortschaften: Die Absage der „Bunten Abende“ sorgt überall für Enttäuschung, ruft gleichzeitig auch Verständnis hervor. „Das ist doch richtig Mist. Aber was sollen wir machen? Die Gesundheit geht vor“, sagt Jens Landeck, Organisator der Veranstaltung in Höhefeld.

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Auch Carsten Schmidt, Präsident des Reicholzheimer Narrenclubs ist die Enttäuschung anzumerken. Er setzt seine Hoffnung auf eine Open-Air-Veranstaltung im Sommer. Die sollte es ursprünglich schon jetzt geben. Doch auch hier erschien den Mitgliedern das Risiko einer möglichen Ansteckung zu groß. Also: Absage. Per Whatsapp gab es jedoch seit Sonntag eine Art Countdown bis zum 11.11. in Form von „Breaking News“, dargeboten von Büttenredner Andreas Amend.

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Und weil die Reicholzheimer pfiffige Narren sind, tüftelten sie an einem kleinen Ersatz für die Auftaktveranstaltung. Die würde am 11.11. in der Winzergenossenschaft stattfinden, inklusive Proklamation des neuen Prinzenpaars um genau 22.11 Uhr. So genau mit der Uhrzeit werden es die Aktiven des RNC nun zum Auftakt nicht nehmen müssen. Allerdings wird in Reicholzheim unter Einhaltung der AHA-Regeln heute... – Schmidt legt den Finger an den Mund. Nur ein kleines „Pst“ ist zu hören.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim