AdUnit Billboard
Deutschlandweite Aktion

Wertheim beteiligt sich an „Fairer Woche“

Gastronomen bereiten wischen dem 16. und 30. September besondere Gerichte zu

Von 
Birger-Daniel Grein
Lesedauer: 

Reicholzheim. Die Fairtrade Stadt Wertheim mit zu Leben erfüllen, ist das zentrale Ziel der Fair-Trade-Steuerungsgruppe und ihrer zahlreichen Partner. Beteiligen wird man sich in diesem Jahr an der deutschlandweiten „Fairen Woche“ vom 16. bis 30. September. Diese gibt es seit 20 Jahren. Die Reihe wird vom Forum Fairer Handel in Kooperation mit Fairtrade Deutschland und dem Weltladen-Dachverband koordiniert.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Die deutschlandweite Aktion steht 2022 unter dem Motto „Fair steht dir – #fairhandeln für Menschenrechte weltweit“. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der fairen Herstellung von Kleidung. In Wertheim jedoch soll die Gastronomie im Fokus stehen. Grund für diese Entscheidung war, dass dieses Thema in der Main-Tauber-Stadt besser umsetzbar sei, erklärte Marlise Teicke von der Steuerungsgruppe.

In der „Fairen Woche“ werden vier Gastronomen in Wertheim Gerichte aus fair gehandelten Zutaten anbieten. Mit dabei sind Klaus und Heike Oetzel (links) vom Hotel-Restaurant „Martha“ in Reicholzheim. Über das Engagement aller Gastronomen freuen sich Marlise Teicke (Mitte) und Margit Versch-Wiechert. © Birger-Daniel Grein

Mit der fairen Woche will man auf die oft widrigen Arbeitsbedingungen der Erzeuger im globalen Süden hinweisen. Zugleich sollen die Vorteile des fairen Handels für diese aufgezeigt werden. Dazu gehören das Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit, höhere Preise für die Produkte und Absicherung gegen niedrige Weltmarktpreise mittels eines Mindestpreises. Außerdem bekommen die Kooperativen der Erzeuger zusätzliche Prämienzahlungen mit deren Hilfe zum Beispiel Infrastrukturprojekte wie Schulen und Krankenstationen geschaffen werden können.

Bei einem Gespräch im Hotel Restaurant „Martha“ in Reicholzheim stellten Teicke sowie die weiteren Steuerungsgruppe-Mitglieder Margit Versch-Wiechert und Ilse Fürnkranz-Deroua die Pläne für die „Faire Woche“ vor. Mit im Boot sind dabei die Gastronomiebetriebe „Da Barista“ in Wertheim, das Hotel-Restaurant „Martha“ in Reicholzheim, das Gasthaus „Rose“ in Nassig und Restaurant „Anatolia“ in Wertheim. Manche machen die gesamten zwei Wochen mit, an einer der beiden Wochen.

Die Gastronomen werden jeweils ein „Fair-Trade-Gericht“ auf ihre Speisenkarten setzen. Dadurch soll die Vielfalt der fair gehandelten Produkte bekannter werden. Außerdem rückten die Gastronomiebetriebe durch das besondere Angebot wieder ins Bewusstsein der Leute, so Teicke.

Neben Fair-Trade Produkten werden die Gerichte oft auch regionale Komponenten enthalten. „Waren, die bei uns nicht angeboten werden, kauft man am besten fair gehandelt. Anders sollte man möglichst regional kaufen“, betonten die Gruppenmitglieder. Auch beim regionalen Einkauf sollte man darauf achten, dass möglichst ein großer Anteil des Preises direkt beim Erzeuger ankomme.

Die Inhaber des Hotel-Restaurant „Martha“, Heike und Klaus Oetzel erklärten, sie setzen auf regionale und auf fair gehandelte Produkte. So nutze man im Betrieb Obst, Kaffee, Kakao und Zucker aus fairem Handel. Mit den neuen Speisekarten sowie einer neuen Außenpräsentation werde man dies auch kommunizieren. Die leicht höheren Preise, die man wegen des höheren Einkaufspreises für Fair-Trade-Waren verlangen müsse, würden von den Gästen akzeptiert. „Gerade im Obstbereich gebe es immer mehr fair gehandelte Angebote“, erklärte Klaus Oetzel. Für seinen Betrieb überlegten er und seine Frau zudem, im Hotel auch auf Textilien aus fairem Handel zu setzen.

Einig waren sich alle, dass die Einkaufsmöglichkeiten im Großhandel mitentscheidend sein, welche fair gehandelten Produkte es in Restaurants und Hotels schaffen.

Als Gericht für die „Faire Woche“ können sich die Oetzels beispielsweise folgendes Menü vorstellen: Mango-Karotten-Suppe mit Mango aus fairem Handel, Filet vom Saibling mit frischem Blattspinat und Bio-Spaghetti von Fair-Trade-Quinoa sowie Schokoladen-Soufflé von Fair-Trade- Schokolade.

Marlise Teicke ging auch auf die positive Entwicklung der Fair-Trade-Stadt Wertheim ein. Zu den zunächst 18 Partnern kamen inzwischen zehn weitere dazu. Zu diesen zählen Schulen und Kindergärten genauso wie Restaurants. Zudem habe es viele Aktionen vor allem für Kinder- und Jugendliche gegeben. Besonders erfreut zeigten sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe darüber, dass die Comenius Realschule in großen Schritten auf dem Weg zur zertifizierten Fair-Trade-Schule sei.

Ganz ungetrübt ist der Blick in die Zukunft jedoch nicht. „Die Gewinnung neuer Partner ist schwierig“, bekannte Teicke. Man freue sich über jeden, der mitmacht. Fürnkranz-Deroua ergänzte, dass die Leute wegen der steigenden Preise in allen Bereichen sparen. Dies werde wohl auch zu einem Rückgang beim Kauf von fair gehandelten Produkten führen. Doch die Menschen im globalen Sünden litten unter steigenden Lebenshaltungskosten noch mehr als in Deutschland, verdeutlichte sie, warum der faire Handel zentral ein wichtiges Thema sei.

Freier Autor

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1