Fikuss-Sitzung - Arbeitsgruppen sollen sich in Zukunft mit der Verpflegung an den Wertheimer Schulen beschäftigen Schüler haben Mensa-Essen bewertet

Von 
Elisa Katt
Lesedauer: 
Schüler, Eltern und Schulpersonal wurden nach ihrer Meinung zur Verpflegung an den Wertheimer Schulen gefragt. © Franziska Kraufmann/dpa

Wertheim. Die Schüler der Comenius Realschule (CRW) sind recht zufrieden mit ihrer Mensa, essen aber selten dort. Die Jugendlichen am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) nutzen die Cafeteria häufig, wünschen sich aber eine größere Auswahl. Und generell hätten die Wertheimer Schüler gegen Schnitzelbrötchen, Pizza und Pommes in der Mensa nichts einzuwenden. Die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Verpflegung wurden bei der Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Verwaltung, Kultur, Soziales und Schulen (Fikuss) vorgestellt.

Hintergrund: Verpflegung an den Wertheimer Schulen

Am DBG wird die Mensa vom Förderverein Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Cafeteria betrieben. Dort gibt es eine Mischküche aus Frischkoch- und Tiefkühlsystem.

Die Mandelberg-Grundschule Dertingen nutzt ein Tiefkühlsystem der Hofmann Menü-Manufaktur. Die Aufbereitung und Ausgabe erfolgt durch städtisches Personal.

In der Mensa der Comenius Realschule gibt es eine Mischküche aus Frischküche und „Cook & Chill“. Betreiber ist Dussmann Service.

Die Grundschule Bestenheid, die Edwar-Uihlein-Schule, die Otfried-Preußler-Schule sowie die Gemeinschaftsschule bekommen das Essen als Warmanlieferung aus der Realschule. Die Ausgabe übernimmt städtisches Personal. eli

Freude über hohe Beteiligung

AdUnit urban-intext1

Die Befragung geht zurück auf einen Antrag der SPD-Fraktion. Von 2483 Fragebögen, die an Wertheimer Schüler verteilt wurden, seien 1765 zurückgekommen, berichtete Matthias Fleischer, Leiter des Referats Bildung und Familie. Das entspricht rund 71 Prozent. Bei den Eltern lag die Beteiligung bei rund 47 Prozent, beim Schulpersonal bei knapp 51 Prozent. Insgesamt sprach Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez von einer „erfreulich hohen Beteiligungsquote“. Spitzenreiter, so Fleischer, waren die Schüler der Otfried-Preußler-Schule: Dort beteiligten sich über 90 Prozent.

Über die Hälfte aller teilnehmenden Schüler bewertete ihre Mensa als „gut“ oder „sehr gut“, lediglich zehn Prozent fanden sie „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Der Rest ordnete sie bei „geht so“ ein. Allerdings gaben knapp 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen auch an, seltener als ein Mal in der Woche in der Schulmensa zu essen. „Da sehen wir auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial“, sagte Fleischer, relativierte diese Zahl aber: „Von 2483 Schülern haben 1245 am Nachmittag Unterricht oder eine Arbeitsgruppe, alle anderen gehen spätestens um 13 Uhr nach Hause.“ Auf die Frage, wie sie das Essen finden, bewerteten die Schüler Geschmack und Temperatur positiv.

Kritikpunkte waren Portionsgröße und der Preis. Verbesserungswünsche sind in den Augen der Schüler vor allem Größe und Ausstattung der Mensa, günstigere Preise und eine größere Auswahl.

AdUnit urban-intext2

Bestürzend fand Stadtrat Bernd Hartmannsgruber, dass gesundes Essen auf der Prioritätenliste ganz unten steht: Lediglich 18 Schüler äußerten diesen Wunsch. Stattdessen tauchen auf der Liste Schnitzelbrötchen, Pizza und Pommes auf.

Bei der Befragung der Eltern fiel auf, dass der Großteil von ihnen die Preise in Ordnung findet, rund 24 Prozent sind sie zu teuer. Überraschend fand Matthias Fleischer, dass ein großer Teil angegeben habe, ihenn sei es egal, ob ihr Kind in der Mensa isst. Bei den Wünschen standen Auswahl und gesundes Essen an oberster Stelle. Die Befragung des Schulpersonals ergab, dass über 70 Prozent seltener als einmal in der Woche oder nie in der Mensa essen, obwohl ein Großteil sie als gut oder sehr gut bewertet. Einer der Gründe scheint zu sein, dass das Personal in Ruhe essen möchte.

Unterschiede zwischen Schulen

AdUnit urban-intext3

Ein genauerer Blick auf DBG und CRW zeigte, dass die Schüler des DBG ihre Mensa gut finden und vergleichsweise häufig dort essen. Die Schüler der CRW sind mit ihrer Mensa ebenfalls zufrieden, nutzen sie aber deutlich weniger und sehen auch den Preis – bei allen Wertheimer Schulen bei 3,50 Euro und damit landesweit im Durchschnitt – kritischer. Dafür machte Fleischer unter anderem die Lage der Schule mit Discountern und anderen Angeboten in der Nähe verantwortlich.

AdUnit urban-intext4

„Wir müssen als Stadt entscheiden, was wir wollen“, stellte Patrick Schönig (SPD) fest und begrüßte daher die von der Verwaltung vorgeschlagenen Arbeitsgruppen zum Thema Schülerverpflegung. Zudem sah er eine Vorbildfunktion des Personals. Verwunderlich fand Richard Diehm (Grüne), dass einige der Schüler und Eltern den Preis als zu hoch bewerten. Er sprach von einer „Geiz ist geil-Mentalität“, die beim Thema Lebensmittel vorherrsche.

Manfred Busch (Freie Bürger) kritisierte die geringe Beteiligung des Schulpersonals. Über 50 Prozent der Eltern hätten ebenfalls nicht an der Umfrage teilgenommen, was von fehlendem Interesse zeuge. Vor diesem Hintergrund solle auf keinen Fall mehr Geld investiert werden. Und: „Wenn 3,50 Euro zu teuer sind, verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Brigitte Kohout (SPD) las aus den Zahlen, dass sich die Schüler gemütlichere Aufenthaltsräume wünschen: „Ich glaube, sie sehen die Mensa nicht nur als Raum, wo man essen kann.“ Bei einer möglichen Umgestaltung sollten die Kinder und Jugendlichen beteiligt werden.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim