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Großprojekt

Nachts wird Bahntunnel bei Waldenhausen zur Baustelle

Von 
Birger-Daniel Grein
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Der Bahntunnel bei Waldenhausen wird grundlegend saniert: Besonders beeindruckt waren die Teilnehmer bei einer Führung über die Baustelle vom speziell für diesen Tunnel entwickelten Schalungswagen. © Birger-Daniel Grein

Waldenhausen. Bei einer Führung durch die Baustelle des Bahntunnels bei Waldenhausen erfuhren Interessierte vieles über die Arbeiten und deren aktuellen Stand.

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Schon lange wünschten sich die Bewohner der Ortschaft eine Begehung des Bahntunnels und einen ausführlichen Einblick in das, was dort momentan geschieht. Ein Termin war pandemiebedingt bisher aber nicht möglich. Entsprechend stieß die Führung am Dienstagabend auf großes Interesse. Weil aber nur 40 Personen teilnehmen konnten, möchten die Verantwortlichen der Ortschaft einen weiteren Termin für eine Führung mit der Westfrankenbahn vereinbaren.

Treffpunkt der Führung war mit Arbeitsbeginn beim Tunnelportal im Talweg. Dort gaben Denis Kollai, Leiter Infrastruktur der Westfrankenbahn, und Christian Voss von der Projektsteuerung der Baumaßnahme eine ausführliche Einführung in die Maßnahme.

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Da der Bahnverkehr tagsüber normal fließen soll, finden die Bauarbeiten jeweils nachts zwischen 20 und 6 Uhr statt. So konnte eine Komplettsperrung des Tunnels für ein Dreivierteljahr vermieden und vor allem der Schülerverkehr aufrechterhalten werden. Die Sanierung der Anlage im Bereich Waldenhausen soll 2024 abgeschlossen sein.

Wie Kollai erklärte, ist der Tunnel 542 Meter lang. Bei dieser Länge müsse bei Sanierungen auch die Bahnsicherungstechnik erneuert werden. Er erinnerte an eine Übung mit der Feuerwehr Wertheim vor einigen Jahren im Tunnel. Dabei habe man festgestellt, dass die Funkverbindungen der Wehr nicht aus dem Tunnel reichte. Dieses Problem werde nun gelöst: „In der Baustufe zwei mit der Tunneltechnik wird auch Digitalfunk für die Feuerwehr in den Tunnel integriert.“ Zudem installiere man elektronische Meldesysteme. Für deren Redundanz werde eine Ringverkabelung bis Würzburg und Aschaffenburg erstellt.

Wie Voss berichtete, bestand die Innenschale des 1870 errichteten Tunnels aus einen gemörtelte Sandsteinmauerwerk. Prüfungen ergaben, dass dieses marode war und das Deckengewicht nicht mehr sicher tragen konnte, verdeutlichte er die Notwendigkeit der Sanierung.

Schutz der Fledermauskolonie

Eine zentrale Herausforderung des Projekts ist die Fledermauskolonie im Tunnel, die ihren Wohnraum behalten wird. Dazu schuf man 268 Einflugöffnungen in den neuen Innenschalen. Kollai ergänzte, es sei deutschlandweit das erste Mal, dass solche Öffnungen in die Betonschalen eingebaut wurden. Die Öffnungen habe man aufwendig in die Schalung eingearbeitet. „Das war eine ingenieurtechnische Herausforderung.“

Die umfassende Planung und Maßnahmen zum Fledermausschutz führten zu Verzögerungen bei dem Projekt. Bei diesem werde auch auf den Schutz anderer Tierarten gesorgt, betonte Voss. Es gebe extra eine ökologische Bauüberwachung.

Im Tunnel wurden 16 Fledermausarten erfasst, darunter geschützte Arten wie die Mopsfledermaus, berichtete der Projektsteuerer erklärte weiter. Weiter verwies er auf das Tunnelportal, das unter Denkmalschutz steht. Dessen historische Optik werde erhalten. Zur Sicherheit werde es nach hinten verankert.

Die Gesamtmaßnahme, so Kollai, habe mit der Hangsicherung für 1,6 Millionen Euro begonnen. Ebenso wurden die Tunnelportale, die zu kippen drohten, gesichert. Aktuell erfolge die Tunnelsanierung, im Anschluss werde die Sicherungstechnik eingebaut. „Insgesamt werden für alle Maßnahmen rund 35 Millionen Euro investiert.“ Die neue Innenschale des Tunnels entspreche der eines Neubaus. Es sei ein Bau für mindestens die nächsten 100 Jahre.

Auch der Wasserschutz ist bei dem Projekt ein wichtiger Aspekt. Voss erklärte, das Wasser der Baustelle werde dort gesammelt und geklärt.

In zwei Gruppen ging es nach der Einführung in den Tunnel. Dabei gab Markus Vorholzer, Bauleiter beim Fachunternehmen Baresel, viele Informationen zur Bautechnik. Im vergangenen Jahr diente ein großes Gerüst auf der Baustelle vor dem Tunnel dem Bau der Stahlbewährungen für die Stahlbetonschalen im Tunnelinneren. Die Stahldrahtkörper wurden tagsüber gefertigt und dann nachts in den Tunnel eingebaut. Sie wurden in Abschnitten von meist etwa sieben Meter Länge gefertigt und haben die Gewölbeform des Tunnels.

Am Portal zeigte Vorholzer die spezielle Abdichtungsfolie, die eine Fachfirma eingebracht hat. Auf den den ersten Tunnelmetern zeigte der Experte die Einfluglöcher der Fledermäuse, die hinter die Abdichtung führen und so Zugang zu den Unterschlupfen der Tiere bieten. Er verwies auch auf die Abstandshalter auf den Stahlgittern. Diese sorgen für eine ausreichende Betondicke, sodass der Stahl nicht durch Außeneinflüsse korrodiere. Aus Gründen des Arbeitsablaufs wurde erst jeder zweite Betonblock eingebracht, dann die fehlenden Zwischenteile.

„Pro Woche werden drei Blöcke geschaffen.“ In nächsten, in denen betoniert werde, liefern acht Lkw den Spezialbeton an. Insgesamt sind es 84 Blöcke, elf davon müssen noch gefertigt werden.

Für Staunen sorgte der große, speziell für den Tunnel entwickelte Schalungswagen im Bauwerk. Mit ihm wird der Beton in Öffnungen der Schalungen gepumpt. Außerdem stabilisiert er die Teile, bis sie trocken sind.

Der Beton sei auch bei Feuer stabil und werde zudem nach dem Einbringen schneller fest als klassischer Beton, so der Experte. Die Dicke der Schalenstärke werde durch Ultraschalltechnik geprüft.

Der Einbau der Betonteile soll in einem Monat abgeschlossen sein, dann geht es mit der Tunnelsicherungstechnik weiter. Die Beleuchtung geht zum Schutz der Fledermäuse nur beim Durchfahren eines Zugs an. Sie wird per Kontaktschalter beim Einfahren des Zugs aktiviert.

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