Braun feiert Firmenjubiläum - Ein historischer Überblick über das Unternehmen und das Werk in Walldürn Technologiezentrum für Rasierer

1921 als kleine Ingenieurwerkstatt in Frankfurt am Main gegründet, feiert Braun in diesem Jahr Firmenjubiläum als international erfolgreiche Design-Marke. Eine Säule ist das Werk in Walldürn.

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Das Braun-Werk Walldürn im Jahr 2020 in einer Luftaufnahme. © Tape In A Nutshell/Oliver Berberich

Walldürn. Die Produktklassiker von Braun haben in vielen Haushalten Tradition und garantieren den Markterfolg des Unternehmens. „Gutes Design für eine bessere Zukunft“ gehörte bereits zu den Gründungsprinzipien bei Braun, so eine Mitteilung des Unternehmens zum Jubiläum. Da die Ingenieure auch stets mit bekannten Designern zusammengearbeitet haben, steht Braun für Produkte, die sich durch intuitives, nützliches und langlebiges Design auszeichnen. Dies zeigt sich bis heute in jedem einzelnen Braun Produkt, vom Rasierer bis zum Stabmixer.

2005 von Procter & Gamble übernommen

Max Braun (1890 bis 1951) gründete am 1. Februar 1921 in Frankfurt am Main die „Werkstatt für Apparatebau“, in der zunächst Komponenten für die Radioherstellung produziert wurden. Das Portfolio erweiterte sich über Haushalts- und Küchengeräte bis hin zum ersten elektrischen Rasierer (1950) und Epilierer (1989).

Aus der „kleinen Werkstatt“ ging im Laufe der Zeit der für seine innovative Produktgestaltung weltbekannte Elektrogerätehersteller Braun hervor. Es war die besondere Fähigkeit des Ingenieurs, aus progressiven Ideen und den neuesten technischen Entwicklungen innovative, marktfähige Produkte zu machen.

Nach dem Tod Max Brauns wurde das Unternehmen von seinen Söhnen Artur und Erwin übernommen und erfolgreich weitergeführt. 1967 verkauften diese das Unternehmen an das amerikanische Unternehmen Gillette, das wiederum 2005 vom US-Konzern Procter & Gamble übernommen wurde.

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Das Bekenntnis zu technisch und optisch langlebigen Produkten hat in Zeiten des schnellen Konsums eine besondere Bedeutung und begleitet das Unternehmen nun auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft. Eine wichtige Säule bei Braun ist das Werk in Walldürn.

Gegründet wurde Braun im Jahr 1921 mit unternehmerischem Fokus auf Radiotechnik. Max Braun (1890 bis 1951) gründete am 1. Februar 1921 in Frankfurt am Main die „Werkstatt für Apparatebau“, in der zunächst Komponenten für die Radioherstellung produziert werden. Am 8. Juli 1949 ließ Max Braun als wegweisende Innovation das Schergerät mit Rasierschnitt patentieren. Damit stand das Unternehmen zum Neubeginn nach Kriegsende auf drei Standbeinen: Radios, Rasierer und Haushaltsgeräte.

1950er Jahre, Aufbau des Produktionswerks in Walldürn: In den 1950er Jahre folgte der Aufbau des Produktionswerks in Walldürn. Nachdem Max Braun 1951 überraschend verstarb, führten seine Söhne Artur und Erwin das Unternehmen, das inzwischen auf rund 800 Mitarbeiter gewachsen ist, weiter. Sie modernisierten Unternehmensstrategie, Werbung und Vertriebsformen und legten einen Schwerpunkt auf Design, um sich stärker von den Produkten der Wettbewerber abzusetzen.

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Richard Rohlf, ein Freund der Brüder Braun, erhielt 1953 den Auftrag, für Braun ein Produktionswerk für Elektrorasierer im Odenwald zu errichten. Das Werk in Walldürn wurde nach amerikanischem Vorbild modern und ebenerdig aufgebaut. Am 27. April 1954 wurde der Grundstein für das Werk in Walldürn gelegt, bereits acht Wochen danach stand der Rohbau. Noch im selben Jahr begann mit zunächst 51 Mitarbeitern die Rasiererproduktion.

1955 sorgen Artur und Erwin Braun mit ihren neudesignten Produkten für Aufruhr. Dabei gab es sowohl Bewunderer als auch Kritiker ihrer neuen Linie. Im selben Jahr gründeten sie mit Dieter Rams und Gerd Alfred Müller ihre erste eigene Designabteilung. Der SK4 – eine Kombination aus Radio und Plattenspieler – ist das erste Produkt der neuen Abteilung. Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang und Architekten nutzten in Musterhäusern immer häufiger Braun-Produkte für die Innenausstattung. Vor diesem Hintergrund wurde das Werk in Walldürn bereits 1957 erweitert. 1959 folgt die nächste wegweisende Innovation bei Braun: Der Phonotransistor TP1 machte mobiles Musik hören möglich.

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1960er Jahre, neue Technologien: 1962 wurde die offene Handelsgesellschaft in eine AG umgewandelt, um eine breite finanzielle Basis abzusichern. Braun übernahm den Haushaltsgerätehersteller Pimer sowie die Fotohersteller Niezoldi & Krämer. Der Elektrorasierer Sixtant SM31 feiert millionenfache Verkaufserfolge. Neue Technologien in der Scherblattherstellung und in der Kunststoffverarbeitung führten dazu, dass der Sixtant zum meistverkauften Elektrorasierer der Bundesrepublik wurde. 1967 rückte Braun unter das Dach des Gillette-Konzerns.

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Die Jahre 1970 bis 1990, Erweiterungen im Werk und neue Innovationen: 1972 startete die Produktion des neuen schnurlosen Elektrorasierers Braun intercontinental und leitete damit die Trendwende zur netzunabhängigen Rasur mit Akkuantrieb ein. Im Werk erfolgten aufgrund des anhaltenden Wachstums zusätzliche Erweiterungen. 1978 wird ein Hochregallager mit 1920 Quadratmetern Nutzfläche und 2600 Palettenplätzen errichtet und dann kontinuierlich erweitert.

1990 erwirbt Braun das französische Unternehmen Silk-Épil S.A. und Epiliance S.a.r.l. und bringt eine weitere Innovation auf den Markt: Den Braun Flex Control mit beweglichem Schwingkopf und Doppel-Scherfolie für noch mehr Gründlichkeit und Komfort bei der Rasur. 1991 wird Braun zum Weltmarktführer für Scherfolienrasierer. 1997 wurde ein voll automatisiertes Hochregallager in Betrieb genommen und 1998 durch ein automatisches Kastenlager ergänzt. 1998 übernahm das Braun-Werk Walldürn eine Vorreiterrolle bei der Einführung und Zertifizierung eines Umweltmanagementsystems nach ISO 14001. Im selben Jahr lief der einhundertmillionste Braun-Rasierer vom Band. Und 1999 begann mit dem Syncro System eine neue Ära der Trockenrasur.

2000er Jahre, Globalisierung im Hightech-Werk Walldürn: Die Globalisierung schreitet voran und Braun wurde zusammen mit Gillette Teil von Procter & Gamble (P&G). Teile und Komponenten kauft Braun bei Zulieferern auf der ganzen Welt ein. Die Braun-Werke arbeiten weltweit zusammen, um Standortvorteile und Know-how besser nutzen zu können. Es entsteht für jedes Produkt ein globaler Fertigungsverbund. Die Fäden laufen dabei weiterhin im Hightech-Werk Walldürn zusammen. Dort werden Komponenten zu fertigen Geräten zusammengebaut.

2010 bis heute, HighTec und Nachhaltigkeitsinitiativen: In den letzten elf Jahren ist am Standort Walldürn viel passiert. 2017 entstand ein Gebäude für die Bündelung der Scherkopfproduktion, die von Kronberg nach Walldürn verlagert wurde. Zusätzlich wurde 2018 die neue Werkshalle für die Ätztechnik fertiggestellt und eingeweiht – eine Reaktion auf die große Nachfrage. In dem 4040 Quadratmeter großen Gebäude werden Scherblätter im Ätztechnik-Produktionsverfahren hergestellt, die wiederum Bestandteile von Rasier- und Epilierköpfen sind.

Durch diese Erweiterung wurde der Standort Walldürn zum Kompetenzzentrum für die komplette Rasierertechnologie ausgebaut. Ein großer Teil des Produktionsprozesses läuft vollständig automatisiert ab. Der Fokus des Neubaus lag vor allem auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit: Die Wärmepumpen können mit regenerativer Energie betrieben werden, das Gebäude ist umwelttechnisch auf dem neuesten Stand.

P&G hat nicht nur in Produktion und Gebäude investiert, sondern auch das Thema Nachhaltigkeit hat einen großen Stellenwert. In den zurückliegenden Jahren wurden im Werk Walldürn viele weitere strategische Nachhaltigkeitsinitiativen umgesetzt, darunter die Erneuerung der Heizungsanlage, die Modernisierung der Beleuchtung, die Reduzierung des Verbrauchs von Wasser in der Produktion sowie die Umstellung von Einweg- auf Mehrwegbecher. Seit 2020 bezieht das Werk 100 Prozent Ökostrom.

Der Standort Walldürn ist nun das Technologiezentrum für die komplette Fertigung der Braun Rasierer und Epilierer. Heute kommen die Premium-Rasierer und Epilierer der Marke Braun aus dem Werk Walldürn. Produziert werden hier unter anderem die Serien 7, 8 und 9 sowie alle Epilierer.

Braun mag in diesem besonderen Jahr zurückblicken, doch der Blick in die Vergangenheit ist auch ein Blick nach vorne, in die Zukunft, so das Unternehmen weiter. Damals wie heute steht die Haltung im Mittelpunkt, mit den Produkten das Leben der Verbraucher zu verbessern – dank technologischer Innovationen in hervorragender Qualität und mit durchdachtem, zeitlosem Design.

Zu diesem bewährten Dreiklang kommt noch eine vierte Dimension, die das Unternehmen zukunftsfähig macht: die Nachhaltigkeit. Braun hat schon vor Jahren den Ansatz „reduce, reuse, recycle“ verfolgt, einschließlich der Einführung eines Reparaturservices vor über 70 Jahren und der Mitgründung der ersten europäischen Recycling-Plattform ERP 2002. Seit 1921 ist es das Bestreben, Produkte von hoher Qualität und Langlebigkeit zu schaffen und somit weniger Ressourcen zu verbrauchen und weniger Abfall zu produzieren, um den ökologischen Fußabdruck der Marke von Anfang an zu verringern.