Freiflächen-Photovoltaikanlage - Drei Unternehmen stellten ihre anhand des Kriterienkatalogs erfolgten Planungen vor Mehrheit für Solarpark in Weikerstetten

Von 
Susanne Marinelli
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Als erste Photovoltaik-Freiflächenanlage (Symbolbild) in der Gesamtgemeinde Königheim soll der „Solarpark Weikerstetten“ gebaut werden. © Nicolas Armer/dpa

Die Weichen für die erste Photovoltaik-Freiflächenanlage in Königheim sind gestellt. Projektiert werden soll der „Solarpark Weikerstetten“ von der Energiebauern GmbH aus Bayern.

Gemeinderat in Kürze

Die Gerüstbauarbeiten zur Dach- und Fassadensanierung des Bettendorf’schen Schlosses in Gissigheim werden im Februar starten. Das teilte Bürgermeister Ludger Krug in der Sitzung des Königheimer Gemeinderats mit. Wenn alles gut laufe, soll die Maßnahme bis Anfang März abgeschlossen sein, damit die Dacheindeckung zurückgebaut werden kann.

„Das schauen wir uns an“, versprach Krug, nachdem Luca Jira auf den schlechten Zustand des Sportplatzes in Brehmen hingewiesen hatte. „Dort kann man nicht mehr richtig spielen“, erklärte der Junge und fragte, ob die Anlage erneuert werden könnte.

Keine Einwände hatte das Gremium gegen die vorliegenden Bauanträge.

Auf einen Vorschlag der örtlichen DLRG-Gruppe, sich für den Erhalt des Familienbads Höpfingen einzusetzen, wies Hans-Peter Scheifele hin. Vielleicht könne die Gemeinde trotz prekärer Haushaltslage Solidarität zeigen, zumal sich die DLRG-Ortsgruppe für die Einrichtung ehrenamtlich und finanziell engagiere. Werner Waltert sprach sich für die Gewährung eines kleinen Zuschusses aus. Bürgermeister Krug bedauerte, dass sich der Verein mit seinem Ansinnen nicht direkt an die Verwaltung gewendet hatte. Er sicherte zu, dass das Thema in der März-Sitzung des Gemeinderats aufgegriffen werde. Bund und Ländern warf er in diesem Zusammenhang vor, die Kommunen beim Erhalt der Schwimmbäder im Stich zu lassen. Zudem würden bei der Vergabe von Fördermitteln oft falsche Prioritäten gesetzt. su

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Brehmen. Acht Unternehmen hatten bis zum 1. Oktober ihre Bewerbungsunterlagen für den Bau einer Photovoltaik-Freiflächenanlage in der Gesamtgemeinde Königheim eingereicht, erklärte Bürgermeister Ludger Krug am Montag in der Sitzung des Gemeinderats im Bürgerhaus in Brehmen. 2020 werde aber nur ein Investor zum Zuge kommen. Schließlich habe man in dem im April 2019 erstellten Kriterienkatalog zur Errichtung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen unter anderem festgelegt, dass immer nur ein Projekt pro Jahr genehmigt werden soll.

Nach einer Vorauswahl durch die Verwaltung lagen dem Gemeinderat drei Angebote vor. Diese erfüllten die Vorgaben des Kriterienkatalogs am besten, so Krug. Der Katalog neinhaltet die Aspekte Sichtbarkeit/Landschaftsbild, Landwirtschaftliche Qualität der Böden, Natur- und Artenschutz-Verträglichkeit, Regionale Wertschöpfung, Netzanbindung und Begrenzung des Zubaus an Freiflächen-Photovoltaik.

Von ihren Projekten versuchten dann die Vertreter der drei Investoren die Gemeinderäte – und die rund 100 Zuhörer – zu überzeugen. Volker Götzinger und Christian Rapp erklärten sich für befangen.

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Den Anfang in der Vorstellungsrunde machte Sepp Bichler, Geschäftsführer der Energiebauern GmbH aus Sielenbach, dessen Projekt später auch den Zuschlag erhielt. Wie er sagte, konzentriere sich das von ihm vor 15 Jahren gegründete Unternehmen seit drei Jahren auf Photovoltaik-Freiflächenanlagen ausschließlich in Deutschland.

Der „Solarpark Weikerstetten“ soll auf einer 10,4 Hektar großen Fläche im Gewann „Blauer Himmel“ neben dem Hochbehälter entstehen. Seine jährliche Leistung ist mit zirka neun Megawatt-Peak (MWp) veranschlagt.

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Im Falle des Zuschlags für seine Firma versprach er der Kommune, dass die Gewerbesteuer in die Gemeindekasse fließe. Zudem erfolge keine Veräußerung an externe Investoren. In der Regel werde eine Kommanditgesellschaft gegründet, an der sich zu 50 Prozent regionale Interessierte wie die Gemeinde, Grundstücksbesitzer oder Bürgergenossenschaften beteiligen können.

„Faktisch nicht einsehbar“

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Der „Solarpark Weikerstetten“ werde „faktisch nicht einsehbar“ sein, betonte Bichler. Von der Anlage gehe keinerlei Fernwirkung aus. Die Größe des Areals ermögliche eine Gliederung in fünf Zeilen mit je einem Grünstreifen dazwischen.

Trotz des Eingriffs in die Landschaft sah Bichler in der Freiflächenanlage eine Bereicherung des Gemeindeflurs. So könne man Flächen, „die eh da sind“, für die Natur und als Rückzugsgebiet für Tiere nutzen. So erarbeite sein Unternehmen für alle Solarparks ein eigenes Konzept, „damit dort immer etwas blüht“. Die Flächenbeweidung erfolge durch Schafe.

Zur Umzäunung pflanze man Hecken, wobei die Kleintiergängigkeit gewährleistet sei, oder lege Blühstreifen an. Es erfolge keine Düngung oder Gülleausbringung.

Den „Solarpark Pülfringen“ mit einer Leistung von zirka zehn MWp möchte die im rheinland-pfälzischen Wörrstadt ansässige Juwi AG auf einer rund zwölf Hektar großen Fläche südlich des Brehmer Gäu bauen. Wie Thomas Bozyk erläuterte, sei das Areal von bebauten Flächen aus nicht einsehbar. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass es sich nicht um qualitativ hochwertige Böden handele. Eine Umzäunung und der Sichtschutz könnten durch Bepflanzung, eine regionale Wertschöpfung etwa in Form von Bürgerstrom oder Sparbriefen erfolgen. Realisierbar sei das Projekt in 18 bis 24 Monaten.

Die Pläne für den „Solarpark Schwarzfeld“ unmittelbar an der Gissigheimer Schwarzfeldsiedlung (13 Hektar; Leistung: rund zehn MWp) stellten Simone Braun und Andreas Fleischmann von der GP Joule GmbH mit Sitz in Reußenköge (Nordfriesland) vor. Auch diese Anlage soll eingegrünt werden.

Wie die Firmenvertreter betonten, werde die in den Planungen enthaltene Ausgleichsfläche „ganz nah an die Siedlungsstruktur herangerückt“. Das Areal sei bei der Bodenqualität nicht als Vorrangfläche 1 eingestuft, die Anlage von den Wohnhäusern kaum zu sehen.

Mit Blick auf eine mit dem Solarpark verbundene regionale Wertschätzung betonten die GmbH-Mitarbeiter: „100 Prozent der Gewerbesteuer landen in der Gemeinde.“ Eine finanzielle Beteiligung von Bürgern sei möglich.

Die Gemeinderäte stimmten einer Sitzungsunterbrechung zu, damit auch die Zuhörer zu Wort kommen konnten. Diese interessierte etwa, was durch solch ein Projekt finanziell „bei der Gemeinde hängen bleibt“. Krug nannte eine Spanne von 8000 bis 15 000 Euro pro Jahr. Hingewiesen wurde darauf, dass stabile Hecken eine Gefahr für hochflüchtiges Rehwild darstellten. Ein Bürger fragte nach einem Konzept für die weitere Nutzung der Anlage nach Ablauf von 25 Jahren. Krug betonte, dass im Rahmen der Verhandlung des städtebaulichen Vertrags auch über die Nachnutzung der Anlage gesprochen werden müsse.

Vor der Abstimmung erklärte Udo Müller, dass es neben den Bestimmungen des Kriterienkatalogs für jeden Gemeinderat unter den Bewerbern einen persönlichen Favoriten gebe. Heiko Schneider und Hans-Peter Scheifele verwiesen auf den besonderen Stellenwert des Natur- und Artenschutzes. Hier habe er bei der Wertung durch die Investoren einige Unterschiede gesehen, meinte Letzterer. Für Hermann Hufnagel war es wichtig, dass die Punkte des Kriterienkatalogs erfüllt seien und die Allgemeinheit profitiere.

Abschließend machte der Bürgermeister mit Blick auf das weitere Verfahren nochmals klar, dass die Räte nun zwar eine Vorauswahl treffen. Das sei „aber noch keine endgültige Zusage, dass alles eins zu eins wie es vorgestellt wurde, umgesetzt wird.“ Die Verwaltung brauche für ihre weitere Arbeit jedoch einen Anhaltspunkt.

Bei der Abstimmung entschieden sich sieben Räte für den „Solarpark Weikerstetten“, ein Mandatsträger für das Projekt in Pülfringen und vier Gemeinderäte für eine Anlage an der Schwarzfeldsiedlung.