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Heimatverein „Brehmbachtal“ - Gedenktafel im Ort und Infotafel am jüdischen Friedhof in Königheim geplant

In Erinnerung an die Opfer des Holocausts

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pm
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Vor-Ort-Besichtigung des jüdischen Friedhofs in Königheim durch MdL Dr. Wolfgang Reinhart (links) und Bürgermeister Ludger Krug © Büro Reinhart/Peter D. Wagner

Königheim. 2021 blickte Deutschland auf 1700 Jahre jüdisches Leben zurück. Zum Beispiel wies die Region Tauberfranken bis vor rund einem Jahrhundert ein blühendes jüdisches Leben auf. Ein Zeugnis dafür ist unter anderem der Judenfriedhof in Königheim, dem einzig verbliebenen baulichen Zeugnis der einst gedeihenden jüdischen Gemeinde in dem Brehmbachort.

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Die jüdische Gemeinde Königheim erhielt 1875 – im Jahr ihres mit 121 Personen höchsten Mitgliederstands – einen eigenen Friedhof auf einem über 760 Quadratmeter großen Grundstück in Hanglage im Gewann „Bachhelle“ oberhalb des späteren Bahngeländes. Zuvor wurden die Verstorbenen der jüdischen Gemeinde auf dem Verbandsfriedhof in Külsheim beigesetzt, der dann wegen Platzmangels nicht mehr zur Verfügung stand.

Der älteste Grabstein auf dem Königheimer Judenfriedhof ist von 1876, die letzte Bestattung fand 1935 statt. 1987 wurden die noch vorhandenen 66 Grabsteine vom Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland fotografisch erfasst, darunter die letzte Ruhestätte von Lazarus Bauer, der von 1920 bis 1930 Vorsteher der jüdischen Gemeinde war. Auf dieser Basis erstellte das Landesamt für Denkmalpflege 1991 eine Grunddokumentation des jüdischen Friedhofs, der mittlerweile zu den Kulturdenkmalen der Gemeinde Külsheim zählt und auf dem sich außerdem ein Kriegerdenkmal für die vier jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Königheim befindet.

Gedenkstein vorhanden

Der Heimatverein „Brehmbachtal“ Königheim unter Vorsitz von Lothar Achstetter beabsichtigt, eine Gedenktafel für die örtlichen Opfer des Holocaust im Garten des Senioren- und Pflegeheims St. Josef aufzustellen.

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Dort befindet sich bereits ein Gedenkstein als Mahnmal an die Deportation der letzten in Königheim lebenden Juden nach Gurs. Dieser Memorialstein wurde vor Jahren von Schülern der Kirchbergschule im Rahmen des Jugendprojektes „Mahnmal Neckarzimmern für die deportierten Juden Badens“ geschaffen. In dem mit dem Jugendprojekt verbundenen Gedenkbuch sind allerdings nur die Namen der zwölf Königheimer Juden aufgeführt, die von den Nazis im Zuge der Wagner-Bürckel-Aktion im Oktober 1940 in das südwestfranzösische Internierungslager Gurs verschleppt wurden. Wie jedoch mittlerweile bekannt ist, sind insgesamt 25 Menschen, die in Königheim geboren wurden oder hier für einige Zeit zum Beispiel bei Verwandten lebten, dem Holocaust zum Opfer gefallen.

Bis zur Veröffentlichung 2018 des Buches „Plötzlich abgeholt – die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Königheim und ihr grausames Ende im Dritten Reich“ des Heimatforschers, Schriftstellers und Journalisten Burkard Gassenbauer waren die meisten Namen und Schicksale der Opfer nie oder nicht mehr bekannt. Der Heimatverein, mit dessen Unterstützung dieses Buch erschienen ist, beabsichtigt nun, flankierend zum Gedenkstein im Altenheim-Garten zwei Tafeln aufzustellen, auf denen die Namen der Opfer aufgelistet sind, die damit aus der Anonymität herausgeholt werden.

Zudem ist geplant, am Eingang des jüdischen Friedhofs am östlichen Ortsrand in Abstimmung mit den zuständigen Stellen wie etwa dem Landesdenkmalamt eine Infotafel anzubringen. „Beide Projekte könnten die in den letzten Jahren erfolgten und sehr aufwendigen Arbeiten zur Erforschung der Geschichte der jüdischen Gemeinde Königheim abrunden sowie gerade mit der namentlichen Nennung der Holocaust-Opfer auf einer Gedenktafel einen würdigen lokalen Abschluss des Jubiläums 1700 Jahre Judentum in Deutschland‘ darstellen“, unterstreichen Achstetter, Gassenbauer und die weiteren Verantwortlichen des Königheimer Heimatvereins.

Unterstützt werden diese beiden Vorhaben des Heimatvereins „Brehmbachtal“ sowohl von MdL Dr. Wolfgang Reinhart als auch Bürgermeister Ludger Krug. Gerade in der jetzigen Zeit sei es besonders wichtig, nach dem Motto „Währet den Anfängen“ Zeichen gegen Tendenzen beispielsweise von Rassismus, Verunglimpfung, „Hate speech“ und Gewalt sowie für Werte der Demokratie wie etwa Frieden, Freiheit und Toleranz zu setzen, sind Reinhart und Krug überzeugt. Jüdische Friedhöfe wie der in Königheim oder andere Gedenkstätten seien nicht nur historische Denkmäler für jüdisches Leben und Kulturen in der Region, sondern zudem auch Mahnmale für diese Werte sowie gegen Rassismus und andere negative Strömungen.

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Daher müsse der Königheimer Judenfriedhof ebenso wie der zum Beispiel in Wertheim oder in Unterbalbach als auch die Erinnerung an die Holocaustopfer unbedingt erhalten bleiben, bekräftigte Reinhart bei einer Besichtigung vor Ort gemeinsam mit Bürgermeister Krug. Deshalb werde sich MdL Dr. Wolfgang Reinhart beim Land Baden-Württemberg für eine Förderung der beiden Projekte des Heimatvereins „Brehmbachtal“ Königheim einsetzen. pm

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