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Bürgerforum Stadtbild - Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 9)

Bei vielen ist der Schöpfer nicht bekannt

Von 
Heidi Deeg
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Bad Mergentheim. Viele Schutzpatrone sind endgültig aus der Innenstadt verschwunden. In der Törkelgasse gibt es andererseits an Haus-Nr. 12 eine Hausmadonna zu entdecken, die sich in einem eigenartigen Zustand zwischen ‘noch da’ und ‘irgendwie schon weg’ befindet. Ihre einstige Schönheit lässt die historischen Aufnahme erahnen.

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Das plastisch modellierte Mariahilf-Relief fotografierte Georg Müller um 1930. Die Gottesmutter mit ihrem Sohn in den Armen sitzt auf einem Sockel aus Wolken mit Engelsköpfchen darunter, darüber alles beschützend ein mit Kreuz bekröntes Dach aus Blech. Die Aufnahme des leidenschaftlichen Fotografen und ehrenamtlich tätigen Beauftragten für Denkmalschutz stammt aus Georg Müllers fotografischem Nachlass, welchen der Museumsverein kürzlich dem Stadtarchiv zur Bearbeitung und Auswertung übergeben hat.

Hausmadonna in der Törkelgasse vor 90 Jahren © Stadtarchiv Sammlung Georg Müller

Heute ist die Tordurchfahrt nicht mehr vorhanden. Mutter und Kind lugen tief eingebettet aus dem Außenputz. Schirmdach und Kopfengel fehlen. Dass das Gnadenbild mit jedem Neuanstrich des Hauses immer weiter versinkt, empfinden auch die Hauseigentümer als bedauerlich. Es ist noch nicht vergessen, wie dankbar sie ihrer Schutzheiligen am 5. März 1945 nach dem Fliegerangriff auf das nahe Bahnhofsgelände waren: Lediglich das Hausdach wurde beschädigt - es hätte doch viel schlimmer kommen können.

An der Ecke Törkelgasse-Gänsmarkt stand einst die große Scheune des Spitals. Da zu dessen Ländereien auch Weinberge gehörten, soll hinter der Scheune eine Kelter gestanden und sich aus dieser torculum (Drehpresse) der Gassenname entwickelt haben. An die ehemalige Spitalscheune erinnern noch zwei deutschordische Wappensteine und eine kaum lesbare Inschriftentafel. Allerdings wird der Zustand der drei Kleindenkmale zusehends schlechter, worauf das Bürgerforum bereits vor Jahren hingewiesen hat.

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Früher wohnten in der Törkelgasse wohl hauptsächlich Spitalkleinbauern. Auch das Anwesen Haus-Nr. 12 ist ein typisches ehemaliges Ackerbürgerhaus. 1930 erwarben Angehörige der heutigen Eigentümerfamilie von Familie Lochner das Haus mit kleinem Hof, Brunnen und Scheune.

Bei vielen der hiesigen Hausmadonnen und Hausheiligen ist der Schöpfer nicht bekannt. Dagegen dürfte für die Madonna in der Törkelgasse der Verweis auf den Mergentheimer Bildhauer Michael Joseph Auwera (1748 - 1813) nicht ganz abwegig sein. Michael Joseph gehörte zur bekanntesten fränkischen Bildhauerfamilie des 18. Jahrhunderts. In die Lehre ging er in Aub bei seinem wesentlich älteren Bruder Johann Georg. Der Lehrmeister war aus wirtschaftlichen Gründen auch Wirt des Gasthauses „Weißer Schwan“ und Betreiber einer Ziegelei. Nach Jahren der Zusammenarbeitet mit dem Bruder ließ sich Michael Joseph 1783 in Mergentheim nieder – trotz großer Konkurrenz unter den hiesigen Kunstschaffenden und entsprechend angespannter Auftragslage, denn aus dem Deutschordensschloss kamen kaum noch größere Aufträge.

1794 ehelichte Auwera die vermögende Elisabeth Lochner, deren Vater Metzgermeister und Ratsherr war. Dennoch blieb es für den Bildhauer und talentierten Wachsbossierer beim ständigen Kampf gegen drohende Armut. Eine Reihe von Grabsteinen gehörten zu seinen lohnendsten Aufträgen, sowie fünf Heiligenfiguren für Bürgerhäuser.

Diese benennt Dr. Georg Menth in einem Werkverzeichnis: Hl. Florian/Mühlwehrstraße, Hausfigur „Maria vom Siege“/Deutschordensplatz, Pieta/Kirchstraße, sowie je ein Mariahilf-Relief in Mühlwehrstraße und Nonnengasse. Da das Mariahilf-Motiv in der nah gelegenen Törkelgasse sich an einem ehemaligen Lochnerschen Besitz befindet, sowie mit Blick auf die familiären Bande des Bildhauers Michael Joseph Auwera könnte auch diese Hausmadonna von ihm geschaffen worden sein. Heidi Deeg

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