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Freudenberger Burgfestspiele - Mit "Burgunderblut" erfolgreich in die 15. Saison gestartet / Feuerwerk zum Schluss der Premiere Von Helden und Zwergenbezwingern

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"Burgunderblut" feierte bei den Freudenberger Burgfestspielen Premiere.

© Kellner

Wenn der Applaus tatsächlich das Brot der Künstler ist, dann dürfte das Ensemble gut satt geworden sein. Denn am Ende der Premiere von "Burgunderblut" am Freitag gab es viel Beifall, "Kriemhild" und "Siegfried" wurden gar bejubelt. Das junge Paar, Eva Bauer und Martin Kappes, hatte sich sicht- und hörbar in die Herzen des Publikums gespielt, auch wenn der "Held aus Xanten" dafür nur bis zur Pause Zeit hatte, um dann von Hagen von Tronje gemeuchelt zu werden.

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Mit dem von Boris Wagner geschriebenen und inszenierten Stück sind die Freudenberger Burgfestspiele erfolgreich in die 15. Saison gestartet. Nach "Kaspar Hauser" vor vier und "Die Frau in Weiß" vor zwei Jahren hat man sich mit dem "Nibelungenlied" erneut für einen bekannten Stoff entschieden, den Wagner bearbeitet, das heißt natürlich vor allem "eingedampft" und - zur Freude vieler Zuschauer - mit einer gehörigen Portion Humor gewürzt hat.

Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann darauf, dass den Freudenbergern das gelingt. So auch in "Burgunderblut". Wir wollen diesmal an erster Stelle und damit sie nicht vergessen werden eine kleine Gruppe von Darstellern herausgreifen, die in den zwei Stunden in den unterschiedlichsten Kostümen und Rollen auf der Bühne auftauchen. In der einen Minute sind sie Zwerge und Trolle, in der anderen erscheinen sie als Diener, um wieder kurz darauf Nymphen oder Krieger zu verkörpern. Dass der schauspielerische Nachwuchs da nicht den Überblick verliert, kann man erstaunlich nennen.

"Burgunderblut" ist recht klar strukturiert. Der erste Teil vor der Pause spielt vor allem am Hof des Burgunderkönigs Gunther, der sein reich zusammen mit seinen Brüdern Gernot und Giselher regiert, mit Hagen von Tronje, der immer so gerne als "finster" beschrieben wird, im Hintergrund. Hierher kommt der jugendliche Held Siegfried von Xanten, "der Nibelungenerbe, der Horthalter, der Zwergenbezwinger, der Tarnkappenträger, Lindwurmwürger, Blutduscher, der Hornhautheld", der Reich und Krone fordert, denn "ich bin Held und König. Will mich mit den Besten messen!".

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Martin Kappes spielt den Xantener als in einigen Situationen forsch vorangehenden, in anderen, vor allen in Liebesdingen schüchtern-zurückhaltenden jungen Mann, vornehm ausgedrückt naiv, andere würden sagen etwas dümmlich, aber vor allem eigentlich sympathisch. Wer "Siegfried" sagt, muss natürlich auch gleich "Kriemhild" nennen. Hier sehen wir Eva Bauer, die wie Kappes bislang vor allem in kleineren Nebenrollen auf der Bühne der Freudenburg stand und nun für eine, nein vielleicht für die, Hauptrolle auserkoren wurde. Zu Recht! Die junge Frau spielt eindrucksvoll und intensiv. Es ist ein Erlebnis, ihrer Reise von der liebenden zur hasserfüllten, rachedurstigen Kriemhild zuzuschauen.

Statt eines Schwert- gibt es einen sportlichen Wettkampf zwischen Siegfried und den Burgundern, an dessen Ende eine Art Freundschaft steht. Die mag vom König von Xanten ehrlich gemeint sein, von den Burgundern aber nicht zuletzt als Mittel zum Zweck genutzt werden. Also auf nach Burg Isenstein, dem zweiten Ort der Handlung in diesem ersten Teil. Für Eingeweihte hat der Kampf zwischen Gunther und Brunhild einen besonderen Reiz, wissen sie doch, dass Detlef und Simone Scheiber im "wahren Leben" ein verheiratet sind. Da wird hinter den Kulissen schon mal gespöttelt, ob man hier womöglich richtige "Szenen einer Ehe" zu sehen bekommt. Der männliche Teil des Paares ist übrigens ein schönes Beispiel dafür, dass es zwischen Generalprobe und Premiere durchaus noch eine Entwicklung geben kann. Detlef Scheiber ist nun deutlich elan- und schwungvoller bei der Sache, auch wenn man seiner Rolle ein wenig mehr Differenz und Tiefe gewünscht hätte. Auf die Doppelhochzeit und die verhängnisvolle Hochzeitsnacht folgt des Dramas bekannter Verlauf und schließlich der Tod Siegfrieds durch die Hand Hagen von Tronjes. Von Anfang an war allen klar - das war die Rolle für Hartmut Beil. Und der betritt, nachdem er zuvor eine Pause eingelegt hatte, in dieser Spielzeit nun tatsächlich noch einmal die Bühne - die er füllt wie eh und je. Der Weg, der Burgunder zu Attila, dem Hunnenkönig, führt mitten durch das Publikum. Unterdessen werden im recht sparsamen Bühnenbild ein paar Quader umgruppiert, die bislang roten Stoffbahnen wechseln auf Schwarz. Ganz in Schwarz gekleidet ist nun auch Kriemhild - Symbol für ihre anhaltende Trauer um Siegfried, aber auch für ihren Hass und ihre Rachegedanken. Stärker in den Vordergrund treten in der zweiten Hälfte des Stückes drei Personen, die Boris Wagner "hinzuerfunden" hat. Da wäre zum einen Basina, gegeben von Jennifer Beck. Wagner hat sie Kriemhild als Vertraute, der Regisseur spricht von Komplizin, an die Seite gestellt. Childerich und Chilperich sind "zwei einfach gestrickte Soldaten" und für den Humor in düsteren Zeiten zuständig.

Einer Aufgabe, derer sich Florian Gehrig und Andreas Schreck mit sichtlicher Freude entledigen. Fast scheint es, als hätte der Autor, als er die Charaktere entwickelte, genau an diese beiden Akteure gedacht. Ob er auch Heinz Hofmann vor Augen hatte, der den Attila verkörpert? Wohl kaum, konnte Wagner doch nicht wissen, dass der ehemalige Bürgermeister zur Verfügung stehen würde. Und doch - Attila ist in "Burgunderblut" nicht oder höchstens andeutungsweise der schreckerregende Kriegsfürst, sondern eher staatsmännisch und weise. Und da ist Hofmann eine Idealbesetzung. Ganz so fulminant und brillant wie das Feuerwerk zum Abschluss der Premiere ist "Burgunderblut" nicht. Und doch lohnt es sich. Denn einmal mehr machen ihn die Darsteller zu einem Erlebnis. Elmar Kellner

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