Leserbrief

Leserbrief Zu „Die Doppelmoral der Gesellschaft“ (FN, 6. Juni)

Mehr Lkw, aber keine Parkplätze

Im Jahr 2016 wurden für Lkw-Fahrer neue Ruh- und Lenkzeiten eingeführt. Seitdem befinden sich ein Drittel mehr Lkw auf den Straßen. Trotz der Überlastung der Straßen durch einen erhöhten Lkw-Anteil wurden keine neuen Parkplätze geschaffen, was zu neuen Unfällen führt. Fahrer brauchen jedoch ihre Ruhezeiten, da sonst Strafen drohen.

Das realitätsferne Lager der Grünen möchte diese Problematik lösen, indem man den Straßenverkehr auf das Wasser verlegt, unbeachtet dessen, dass bei Hochwasser und Niedrigwasser die Schiffe nicht fahren können und der Verkehr bei zugefrorenen Flüsse komplett zum Stillstand kommt. Die zweite „Grünenlösung“ – das Verlegen des Verkehrs auf die Bahngleisen – weist leiche Schwachstellen auf. Lediglich die Großstädte haben Ladebahnhöfe für Züge, die Umgebung außerhalb der Städte wird jedoch weiterhin mit Lkw beliefert.

Von der klagenden Bevölkerung völlig unbeachtet bleiben die widrigen Umstände, mit denen sich Fahrer während ihrer Arbeitszeit abfinden müssen. Sie schlafen zu den gesetzlich vorgegebenen Ruhezeiten auf Autobahnparkplätzen direkt an der Autobahn, ohne Sondermaßnahmen zu genießen.

Der deutsche Michel benötigt zum Erhalt seiner hochgeschätzten Lebensqualität bei einer Wohnstätte in der Nähe von Autobahnen Schalldämpfer, Nachtfahrverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Es stellt sich die Frage, wie die konsumorientierte und in allen Zügen verwöhnte Gesellschaft mit einer Umgebung von ausgesuchten Sortimenten und lückenhaften Regalen umgehen würde, wenn die Lkw-Fahrer auf Deutschlands Straßen auch nur fünf Tage in den Streik träten.

Wenn unser „fähiger“ Verkehrsminister zukünftig Baustellen auf den deutschen Autobahnen ausschließlich an Baufirmen vergeben würde, die im Dreischichtsystem auf den Baustellen arbeiten und die Aufträge nicht an Baufirmen vergeben würden, die lediglich acht Stunden am Tag arbeiten, wären auch die Baustellen auf den Autobahnen wieder schneller behoben, was zu weniger Stau und einem flüssigeren Verkehr führt.