AdUnit Billboard
Frankenfestspiele Röttingen - Spiel- und sangesfreudige Protagonisten sorgen für eine kurzweilige Zeit

Scharfe Klingen, fetzige Flamenco-Rhythmen

Von 
Felix Röttger
Lesedauer: 
Neben der Sangeskunst spielt auch der Degen im Musical „Zorro“ eine wichtige Rolle. © Markhard Brunecker

Voll auf ihre Kosten kamen Musical-Fans mit dem Mantel-und-Degen-Abenteuer „Zorro“ zum Auftakt der Frankenfestspiele Röttingen auf Burg Brattenstein.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Lars Wernecke inszenierte das Spektakel mit einem zehnköpfigen Schauspielerensemble, einem Extra-Ensemble und dem bestens aufgelegten Salonorchester unter der Leitung von Rudolf Hild. Im Freilichttheater wurde die turbulente Geschichte der ungleichen Brüder Diego und Ramon äußerst intensiv erzählt und von den Protagonisten spiel- und sangesfreudig zwei Stunden ausgekostet. Die gern frequentierten Stände mit fränkischen Weinen, Brezeln und Käse ließen die Pause wie im Fluge vergehen.

John Cameron hatte die großen Hits der Gipsy Kings „Baila Me“, „Djobi Djoba“ und natürlich „Bamboleo“ um weitere Songs ergänzt. Stephen Clark sorgte mit Songtexten für ein besseres Verständnis der Story. Von Vorteil für den Erfolg der Premiere 2008 am Londoner Westend war ein drei Jahre zuvor erschienener Roman von Isabel Allende, der die Jugend Zorros beleuchtete.

Mehr zum Thema

Frankenfestspiele Röttingen

Vorgeschmack auf die Spielzeit

Veröffentlicht
Mehr erfahren
Frankenfestspiele

Röttingen: Männliche Laienspieler gefragt

Veröffentlicht
Mehr erfahren
Spielzeit 2022

Frankenfestspiele in Röttingen: Musical „Zorro” eröffnet die Saison

Veröffentlicht
Mehr erfahren

In Röttingen wurde nicht nur darüber gesungen. Celian Gronert als junger Diego, Jonathan Ball als junger Ramon und Marie Pflüger als junge Luisa zeigten zauberhaft die schon erkennbaren gegensätzlichen Charaktere auf. Während Diego mit Luisa spielerisch mit Stecken ein Fechtduell austrug, fühlte sich der junge Ramon schon zurückgesetzt und machte wutentbrannt deutlich, dass er seinen Vater als Statthalter der spanischen Eroberer in Kalifornien beerben will. Alternierend werden in den weiteren Aufführungen Paul Baumann, Linus Bender, Mischa Noll und Emma Reißmann-Balling auftreten.

Spannungsgeladene Handlung

Erzählt wird die Geschichte der ungleichen Brüder Diego und Ramon. Während Diego (körperbetont-leidenschaftlich gespielt und emotional durchsetzungstark gesungen von Patric Dull) in Spanien das ihm vom Vater Alejandro de la Vega (Cyrus Rahbar) verordnete Studium in Barcelona abbricht und sich einer Gipsy-Band anschließt, sieht sein älterer, von Neid und gescheiterten Liebesbemühungen um Luisa geprägter Bruder Ramon (Björn Boresch mit dem Eiseskälte austrahlenden Charme des Bösewichts) die Chance seines Lebens.

Statt des vom Vater als Nachfolger vorgesehenen jüngeren Diego okkupiert Ramon die Position seines Vaters als Militärkommandant in dem von den Spaniern beherrschten Kalifornien. Als Diego von seiner Jugendfreundin Luisa ( Marie-Sophie Weidinger als Energiebündel mit feuriger Stimme) erfährt, dass sein Bruder nach dem vermeintlichen Tod des Vaters eine Schreckensherrschaft errichtet hat, entscheidet er sich zur Rückkehr.

Gegenüber Ramon gibt er sich als unterwürfiger, zu jeder Arbeit bereiten Einfaltspinsel aus, während er sich als Zorro verkleidet einen Rachefeldzug beginnt. Sehr von Nutzen ist Diego dabei, dass die Zigeunerin Ines (Kristin Schulze punktet gleichermaßen als temperamentvolle Anführerin der Zigeuner und mit glutvoller Stimme) den trinkfreudigen Sergeanten Garcia (Wolfram B. Meyer köstlich als Einfaltspinsel mit umwerfender Mimik) geradezu zu hypnotisieren vermag. Schließlich kündigt Garcia seinen Kadavergehorsam gegenüber Ramon auf und verrät das Versteck, in dem Ramon seinen Vater gefangen hält. Das Happy End lässt sich unschwer erahnen.

Bühnenfechten vom Feinsten

Wie die späteren Superhelden benötigt Zorro (spanisch für Fuchs) zur Tarnung seiner bürgerlichen Existenz eine Verkleidung. Der 1919 erstmals veröffentlichte Groschenroman des „Rächers der Armen“ erzählt von einem Mann mit schwarzer Maske und Umhang. Die Röttinger Aufführung glänzt mit unglaublich realistisch ausgefochtenen Duellen, die den gesamten Bühnenaufbau erzittern lassen. Die Tauberbischofsheimer Degenkünstler müssten vor Neid erblassen, auch wenn das Sportfechten nicht viel mit szenischen Fechtkämpfen zu tun hat. Für eine professionelle Einstudierung leistete der bekannte Choreograf Thomas Ziesch in zehn Tagen ganze Arbeit. Schon dieses Spektakel muss man gesehen haben. Selbst dem Theaterfotografen gelang es kaum, die schnelle Bewegung der wirbelnden Klingen im Bild festzuhalten. Nicht fehlen durfte am Abend die Krönung des Fechtduells zwischen Ramon und Zorro, der seinem Bruder ein in die Brust geritztes „Z“ verpasste. Als ein Glanzpunkt der Inszenierung überzeugte die umwerfende Komik der Beichtszene mit Pascal Jounais als Priester. Nichts zu meckern gab es am Ton (Otto Geymeier) und dem Lichtdesign (Christoph Pöschko), das vor allem nach der Pause mit einsetzender Dämmerung die etwas kühle Atmosphäre des karg-grauen Bühnenbilds von Iris Holstein vergessen ließ. Wenn so unterschiedliche Stücke wie in Röttingen in kurzer Abfolge gespielt werden, muss es zwangsläufig beim Bühnenbild Kompromisse geben. Die Auswahl der typgerechten Kostüme besorgte Angela C. Schuett.

Immer wieder gab es kräftigen Zwischenapplaus. Choreograf Patrick Stauf ließ das Tanzensemble den Freiheitsdrang der Gitanos so glaubhaft verinnerlichen, dass sich nicht wenige Zuschauer zum Mitwippen und Mitklatschen hinreißen ließen. Zum Finale mit reichlichen Zugaben hielt es alle begeisterten Premierengäste nicht mehr auf den Sitzen.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1